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THE BOSSHOSS

Ort: Bielefeld - Stereo

Datum: 31.05.2006

Der Wilde Westen in Ostwestfalen-Lippe? Das kann doch nur im Bielefelder Hanky Panky möglich sein. Nix da! Die relativ neue Location Stereo im Bielefelder Bahnhofsviertel sollte sich an diesem letzten Tag im Mai 2006 in einen wilden Saloon verwandeln: THE BOSSHOSS aus Berlin, Tennessee, hatten sich angesagt.

THE BOSSHOSS? Ach ja richtig, die Jungs, die im letzten Jahr einen Riesenhit gelandet hatten mit „ihrer“ Version von Outkasts „Hey Ya“ im Country-Stil. Ein Werbevertrag mit Langnese und eine Country-Version von „Like ice in the sunshine“ sollten folgen. Sehr gespannt, wie viele Zuhörer die Neo-Cowboys anlocken würden, begaben wir uns gegen 20 Uhr zum Stereo. Und siehe da: es hatte sich bereits eine ansehnliche Schlange Cowboyhüte vor der Tür gebildet. Nach dem Einlass und im Laufe der nächsten halben Stunde füllte sich das – sehr atmosphärische – Stereo zusehends, so dass sich kurz vor Beginn der Show gegen 20 30 Uhr ca. 600 erwartungsfrohe Nasen gen Bühne reckten. Nicht wenige hatten sich sogar in stilechte Cowboy-Klamotten geworfen – vielleicht ein Überbleibsel von der letzten Karnevalsparty?

Die ersten Töne der aktuellen Single „I say a little prayer“ erklangen vom Band, dazu lief das dazugehörige Video auf der Leinwand, die momentan noch die Bühne verdeckte. Nach diesem stimmungsvollen Intro erschienen die 7 Member nacheinander auf der Bildfläche: Boss (Gesang, Waschbrett), Hoss (Gesang, Akustikgitarre), Frank (Schlagzeug), Hank (Mandoline, Waschbrett, Mundharmonika), Guss (Kontrabass), Russ (E-Gitarre) und last but not least der verrückte Ernesto (Percussion), der gleich einen weiblichen Fan mit einem Kuss begrüßte. Natürlich ausgestattet mit allen Klischees, welche die Country-Szene zu bieten hat: Hut, Feinripp-Unterhemd und Whiskyflasche. Das alles aber mit einem großen Schuss Ironie und sympathischem Augenzwinkern dargeboten.

Nun live und in Farbe ging es gleich mit dem ersten Kracher „Little less conversation“ in die vollen. Und was war das? Waren wir nicht hier bei den sturen Ostwestfalen? Die anwesenden Cowgirls- und boys gingen jedenfalls ohne falsche Scham gleich so richtig ab, so dass die Cowbyhüte nur so wippten. Weiter ging’s querbeet durch die Alben „Internashville Urban Hymns“ und „Rodeo Radio“, welches auch der Tour, die die Band durch ganz Deutschland führt, seinen Namen gab. Große Gefahr, die Texte der nun folgenden Songs nicht zu kennen, lief kaum einer der Anwesenden. Handelte es sich doch zum größten Teil um interessante Neuinterpretationen von bekannten Hits wie „Toxic“, „Hot in here“, „7 Nation Army“, „Unbelievable“, etc. etc. Postmoderner Ironieansatz selbstverständlich zur Genüge inbegriffen. Doch die Cowboys setzten diesmal nicht nur auf Coverversionen, ein Teil des Songmaterials besteht aus eigenen Kompositionen, wie zum Beispiel das von Sänger und Gitarrist Hoss komponierte „Rodeo Radio“, zugleich logischerweise auch das Titelstück des zweiten Albums. Auffällig war, dass einige Stücke wie z.B. Nellys „Hot In Herre“ live wesentlich punkig-rockiger gespielt wurden und somit die Versionen auf den Silberlingen übertrafen. Hier merkte man, dass „echte“ Musiker am Werk waren.

Grundsätzlich muss man den sieben Outlaws großes Lob für ihre Bühnenshow und die Interaktion mit dem Publikum zollen. Ich habe selten eine Band im Kollektiv so abgehen sehen wie an jenem Abend. Der Sitztanz von Sänger Boss auf seinem Barhocker muss man wirklich als spektakulär bezeichnen. Zwischendurch wurde auch schon mal das eine oder andere Glas eines Fans mit Wein aus Hoss’ Rotweinflasche gefüllt. Auch die abschließende Vorstellung aller Spießgesellen artete in ein Feuerwerk spaßiger Unterhaltung aus, bei dem jeder der Fantastic Seven noch einmal bei einem kleinen Solo zeigen konnte, was er an seinem Instrument so drauf hat. Der verrückte Ernesto zeigte sogar, was er um seine Augen gebunden hatte: einen BH der Größe XXL, der schon das ganze Konzert über an seinen Percussions drapiert war. Nach gut 90 Minuten begannen die Zugaben, und erst nachdem die Band zum zweiten Mal raus kam, war das Konzert schließlich nach 2 Stunden zu Ende.

THE BOSSHOSS überzeugen auf der ganzen Linie. Wer Rock und Country im allgemeinen nicht abgeneigt ist, sollte die Augen und Ohren offen halten. YEE-HAW!

Intro
Little Less Conversation
Toxic
Favorite Game
Hey Ya!
Ring, Ring, Ring
Hot in here
7 Nation Army
Upside Down
I say a little Prayer
Rodeo Radio
Jesus built my hotrod
Yee Haw!
Hot Stuff
Ca plane pour moi
Unbelievable

Sabotage
Hell Yeah
Word Up

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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