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THE BOSSHOSS – PEER NEUMANN

Ort: Osnabrück - Osnabrückhalle

Datum: 13.03.2010

Sie reiten wieder. Die sieben Jungs von THE BOSSHOSS. Allerdings nicht unter Hochspannung, sondern im „Low-Voltage”-Modus. Was nicht bedeuten soll, dass es bei den Spree-Cowboys womöglich leise und zurückhaltend zugeht. Vielmehr haben die Herrschaften sich Gäste eingeladen, die man üblicherweise nicht mit den gängigen Zutaten Country, Punk und Rock’N’Roll des BOSSHOSS-Sounds in Verbindung brächte. Als da wären die FABULOUS BABELSBERG G-STRINGS und die TIJUANA WONDER BRASS, deren Streicher und Bläser der Mucke erneut ein anderes Gewand geben sollten.

Bevor die eigentliche Show beginnen konnte, wurde jedoch die Geduld der zahlreichen Zuschauer im Europasaal ein wenig auf die Probe gestellt. Wenn THE BOSSHOSS unplugged schon nicht unbedingt für jeden Fan das Richtige ist, so waren die Jazzvariationen von PEER NEUMANN, der auch beim letzten Studioalbum „Do Or Die“ mitgewirkt hat, vermutlich eine echte Herausforderung. Am E-Piano trug der Herr mit dem wallenden Haar Jazzstandards, Songs übers Saunieren und eigene Nummern vor, die anfangs auch durchaus wohlwollend aufgenommen, später jedoch von Pfiffen begleitet wurden. Entsprechend gab es nach 25 Minuten wahrscheinlich den meisten Applaus für den Umstand, dass Herr Neumann mit seinem Repertoire entweder durch war oder erkannt hatte, dass er sich mit weiteren Liedern keine Freunde mehr machen würde. Der Mann ist sicher ein Meister seines Faches und konnte später auch noch gemeinsam mit THE BOSSHOSS an den schwarzen und weißen Tasten punkten, nur mit seinem teils doch sehr experimentellen Jazz war er aber eher fehl am Platz.

Denn die Leute wollten ganz klar THE BOSSHOSS sehen und hören. Und die gab es dieses Mal ganz ohne die typischen Feinripp-Unterhemden. Man hatte angesichts der schnieke gekleideten Gäste einheitliche schwarze, ärmellose Hemden für das Bühnenoutfit ausgewählt und für die richtige Atmosphäre von zuhause noch allerhand Stehlampen mitgebracht. So präpariert ging es dann um 20.50 Uhr nach dem knackigen BOSSHOSS-Intro im Sixties-Style mit „Polk Salad Annie“ vom 2007er „Stallion Battalion“ zunächst ohne Streicher und Gebläse mit viel Drive los, ehe zu „Remedy“ vom Debüt „Internashville Urban Hymns“ aus 2005 auch die FABULOUS BABELSBERG G-STRINGS und die TIJUANA WONDER BRASS unter kräftigem Beifall die Bühne enterten. Bewaffnet mit einer Flüstertüte nahm Boss Burns ein erstes Bad in der Menge, während sich die Gäste langsam einspielten, um sich ihr Bier zu verdienen, das ihnen zum temperamentvollen „Rodeo Queen“ (2006 auf „Rodeo Radio“ erschienen) kredenzt wurde. Bei „Gay Bar“ hatte alsbald ein Flötist mit seiner Querflöte seinen großen Auftritt und beim mexikanisch angehauchten „Go Go Go“ gab’s ein Wiedersehen mit PEER NEUMANN, der sich in Verbindung mit dem großen Orchester und den Hauptstadt-Outlaws deutlich besser machte. Derweil blies Hank Williamson ein ums andere Mal beherzt in seine Mundharmonika und wechselte Drummer Frank Doe auch mal in den Vordergrund, wo er auf einer Kiste Platz nahm, um diese rhythmisch zu bearbeiten. Es ging jedoch tatsächlich auch ruhiger zu. Etwa beim getragenen „Close“, zu dem nicht nur der Himmel voller Geigen hing, sondern auch erste Wunderkerzen sternengleich leuchteten. „High“ wurde zunächst sehr groovig und ausschließlich von der Band gespielt, wobei die einzelnen Protagonisten Soli zum Besten gaben, die vom Auditorium mir reichlich Beifall bedacht wurden, bevor auch noch ein Violinist und ein Saxofonspieler ihr Können im Alleingang unter Beweis stellen durften. Bei dieser Gelegenheit verschwanden Hank und Boss nochmals im Zuschauerraum, der nahe der Bühne bestuhlt war und weiter hinter dann in den abgetrennten Stehbereich überging. Nicht zu vergessen natürlich die fast komplett besetzte Empore, wo man sich allerdings kaum von den Plätzen rührte. So auch beim BOSSHOSS-Standard „Ca Plane Pour Moi“. Der New-Wave-Klassiker von PLASTIC BERTRAND sorgt inzwischen regelmäßig mit High Speed für ausgelassene Stimmung und Beifallsstürme und wusste auch unplugged in „Osna“fucking“brück“ zu begeistern. Es riss die Leute von ihren Sitzen – sieht man mal von den erhöhten Sitzgelegenheiten ab. Als dann auch noch beim catchy „Rodeo Radio“ die Aufforderung kam, allesamt nach vorn zu kommen, dürfte das die Security nicht eben gefreut haben. Die Fans verhielten sich jedoch allesamt besonnen und so konnte das ebenso stimmungs- wie druckvolle „Break Free“ genau wie das krachende „Sugarman“ dann auf Tuchfühlung mit der Kapelle abgefeiert werden. Für das emotionale „Mary Marry Me“ griff Hoss Power“ allein in die Saiten und übernahm auch den Gesang, während beim nächsten Lovesong „I Say A Little Prayer“ Kollege Boss wieder die Vocals bestritt. Als wäre es auf der Stage noch nicht voll genug gewesen, durften zu „Shake & Shout“ eine ganze Reihe Damen ihre Tanzkünste auf der Bühne vorführen, bevor „Last Day“ mit viel Dramatik um 22.40 Uhr unter begeisterten Akklamationen das Ende des regulären Parts des Konzertes markierte.

Für den Zugabenblock hatte sich Frank dann doch seines feinen Zwirns entledigt und spielte „Hey Joe“ im vertrauten Unterhemd. Die Nummer brachte den Saal noch einmal ordentlich zum Kochen und zeugte unter Lichtgewittern von der Spielfreude aller Protagonisten, wobei hier zunächst von den TIJUANA WONDER BRASS nur der Saxofonist zum Einsatz kam. Die restlichen Support-Musiker fanden erst zu „Stallion Battalion“ zurück, um unter Verwendung einer Trompete und einer Mundharmonika ein wahres Massenklatschen auszulösen. Derart energiegeladen gab’s gleich noch das blitzschnelle „Jesus Built A Hotrod“ auf die Mütze pardon den Stetson, um dann für einen kurzen Moment erneut im Off zu verschwinden. Verabschiedet hat sich das Septett schließlich um 23.10 Uhr mit einem Track, der ELVIS PRESLEY gewidmet war und noch einmal jede Menge Emotionen rüberbrachte.

Vom reinen Covern sind THE BOSS HOSS schon lange weg. Auf der letzten Studioplatte waren nur noch drei von vierzehn Songs Coverversionen und auch der Umstand, dass sie ihre Mucke unplugged spielen, zeugt davon, dass sich die seit 2004 agierenden Musiker weiterentwickeln. Erfreulicherweise nehmen auch die Fans diese Entwicklung an und ohne Zweifel ist an diesem Samstagabend von der Power der Songs auch in „Low Voltage“ absolut nichts verloren gegangen.

Setlist THE BOSSHOSS
Polk Salad Annie
Remedy
Monkey Business
Rodeo Queen
Gay Bar
Go Go Go
Have Love Will Travel
?
Close
High
Ca Plane Pour Moi
Rodeo Radio
Break Free
Sugarman
Mary Marry Me
I Say A Little Prayer
Shake & Shout

Hey Joe
Stallion Battalion
Jesus Built My Hotrod

?

Copyright Fotos: Dirk Ruchay

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