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THE CHRISTMAS BALL 2010

Ort: Berlin - Huxley’s Neue Welt

Datum: 29.12.2010

Da die Tage um Weihnachten in den letzten Jahren ja förmlich eine Schwemme an Festivals und Jahresabschlusskonzerten erlebten, fuhren wir mit gemischten Gefühlen an den „schönen“ Hermannplatz in Berlin Neukölln um im aufgefrischten „Huxley’s Neue Welt“ den Christmas Ball 2010 zu begehen. Zu unserer Verwunderung war es kurz vor Beginn schon gut gefüllt und es sollte auch sonst ein erlebnisreicher Abend werden. Nicht unterschiedlicher in Form und Farbe hätte – dafür genügten wenige Blicke – das Publikum sein können. Neben Altgothen im NEPHILIM-Look trollten sich AGONOIZE Girlies und weitere Nachtgestalten durch die sehr sympathische Veranstaltungsstätte.

FADERHEAD

Mein persönliches Highlight an diesem Abend namens FADERHEAD betrat gegen 19 Uhr mit seiner technischen Unterstützung Marco Visconti die Bühne und legte im gewohnt hohen Tempo entsprechend los. Insbesondere die Stücke „Dirtygrrrls/ Dirtybois“ und „Girly Show“ besitzen ja einen recht hohen Bekanntheitsgrad und so bemühte sich das noch etwas durchgefrorene internationale Publikum, so etwas wie Stimmung aufkommen zu lassen. Sami Mark Yahya aka FADERHEAD forderte immer wieder zum mitmachen auf und beglückte sich und die ersten Reihen mit dem einen oder anderen Schluck aus einer großen Wodkaflasche. Insbesondere der hohe Anteil am neuen Album „Black Friday“ war mutig und gefiel mir besonders, ohne die Kracher zu vergessen. Faderhead, Hamburgs Antwort auf COMBICHRIST. Ich freu mich auf weitere Besuche des sympathischen Berserkers in der Hauptstadt und werde schon mal eine Flasche guten Tropfen kalt stellen.

Setlist FADERHEAD
Girly Show
Aquire the Fire
Electrosluts: Extraordinaire
Zigzag Machinery
Destroy Improve Rebuild
Horizon Born
Burning/ Dancing
Houston
O/H Scavenger
Dirtygrrrls/ Dirtybois
TZDV

AGONOIZE

Mit den Local Heroes AGONOIZE ging es dann nicht weniger kraftvoll weiter. Die Halle war mittlerweile so gut wie voll und ein beeindruckend großer Anteil von AGONOIZE-Jüngern gesellte sich nun vor den Bühnenbereich. Sänger Chris hing zu Beginn des Sets in einer Zwangsjacke und mit Maulkorb von der Hallendecke, was durch einen etwas verspätet heruntergerissenen Vorhang leider nicht in voller Pracht zu sehen war. Die drei Berliner Jungs bauen neben diversen künstlichen Körperflüssigkeiten nun also auch noch artistische Nummern in ihr Programm ein. Neben einem bisschen „Staatsfeind“ also auch Staatszirkus. Das Programm enthielt alles, was das Aggrotech-Herz begehrt und Sänger Chris wurde im gewohnten Stil von Oli und Mike an den Keys unterstützt. Mir persönlich gefallen die Festivalsets von AGONOIZE immer besonders, weil in der Kürze ja bekanntlich die Würze liegt. Neben Blut aus Arm und Hals gab es zum Schluss neben den beiden Krachen „Femme Fatale“ und „Koprolalie“ noch ordentlich künstlichen „Mannessaft“, so dass alle, die es so wollten, auf Ihre Kosten kamen.

Setlist AGONOIZE
Intro/ Earpain
A Cut Inside My Soul
Schaufensterpuppenarsch
Bis das Blut gefriert
Alarmstufe Rot
Death Murder Kill
Staatsfeind
BangBang Goodbye
Femme Fatale
Koprolalie

LAIBACH

Bevor das slowenische Kunstkollektiv LAIBACH mit seinem Set startete, gab es erstmal einen massiven Publikumsaustausch und die etwas älteren Semester marschierten in Richtung Bühne. Der gesamte LAIBACH-Auftritt teilte sich in zwei Teile. Einem ersten eher ruhigeren Teil, hauptsächlich in slowenischer Sprache, und einem zweiten, der es mit Tracks wie „Tanz mit Laibach“ oder „Alle gegen Alle“ richtig in sich hatte. Milan Fras mit gewohnter Kappe, die übrigens stilecht auch am Merch erhältlich war, zog sein Programm in gewohnter Routine durch und ließ sich ab und an durch Eva Breznikar stimmlich unterstützen. Insbesondere ihr Auftritt mit Megaphon war schon ein besonderer Hingucker. Am Anfang wenig geflasht hat uns LAIBACH zum Ende hin mehr und mehr begeistert. Tolle Videoprojektionen fügten sich nahtlos in dieses audiovisuelle Erlebnis ein.

PROJECT PITCHFORK

Nun folgte der Co-Headliner des Abends: Project Pitchfork. Die vielen angereisten Fans der Synthrocker strömten entsprechend nach vorn. Ich finde es immer wieder schön zu sehen, wie viele Leute doch auch weitere Wege auf sich nehmen, um Ihren Helden zu lauschen. Besonders PITCHFORK kann da auf eine große Fanbase bauen, die schon über Jahre treu von Konzert zu Konzert pilgert. Aus dem aktuellen Longplayer „Continuum Ride“ schafften es einige Songs in das abwechslungsreiche Set, in dem auch an den mittlerweile zahlreichen Klassikern nicht gespart wurde. Ich selbst tanzte bei „Timekiller“ „naghaviähnlich“ an der Bar. Als etwas oldschool aber doch stimmungsvoll empfand ich die über das gesamte Set verteilte Lasershow. Frontmann Peter Spilles zeigte sich in großer Form, legte alle Kraft in seinen unnachahmlichen Gesang und forderte das Berliner Publikum immer wieder zum Mitmachen auf. Mit „Rescue“ fand ein toller Auftritt dann fast schon gewohnt sein Ende. PITCHFORK war und ist für mich nach wie vor einer der besten Liveacts der gesamten Szene – stilprägend und mit großer Spielfreude.

Setlist Project Pitchfork
Conjure
Endless infinity
Timekiller
En garde
Souls
Beholder
Human crossing
Carnival
Continuum
The longing
Fire + Ice
Existence
Rescue

FIELDS OF THE NEPHILIM

Wen man als Band schon fast 30 Jahre auf dem Buckel hat, bringen auch die eingefleischten Fans schon einige Jahre Lebenserfahrung mit. Nun kamen also endlich die vielen Anhänger von FIELDS OF THE NEPHILIM nach einer längeren Umbaupause auf Ihre Kosten. Da guter alter Gothic-Rock nicht wirklich nach meinem Geschmack ist, hielt sich meine Begeisterung auch aufgrund der fortgeschrittenen Zeit eher in Maßen. Carl McCoy erinnert mich mit seinem Hut immer irgendwie an Janosch, Ähnlichkeiten gar zur Tigerente oder dem Kastenfrosch wären allerdings doch sehr unpassend und zu weit hergeholt. Ein Klassiker wie „Moonchild“ durfte natürlich nicht fehlen, der Vortrag insgesamt kam mir aber irgendwie eher uninspiriert vor.

Setlist FIELDS OF THE NEPHILIM
Shroud
Straight to the Light
Trees come down
Preacher Man
Love Under Will
Sumerland
From the Fire
Penetration
Zoon
The Watchman
Moonchild
Last Exit

Psychonaut

Ein Lob geht an die Veranstalter, die mit einem überraschend abwechslungsreichen Programm für Ihren Mut belohnt wurden und genau den Nerv der Besucherinnen und Besucher trafen. Ein volles Haus und zeitweise auch recht gute Stimmung waren der berechtigte Lohn für Veranstalter und die Künstler des Abends. Etwas mehr Sitzgelegenheiten und etwas kürzere Umbaupausen (insbesondere zum Ende hin) sowie vielleicht auch etwas weniger Lautstärke wären schön gewesen. Wir waren, bis auf eine unwillige und unfähige studentische Hilfskraft an der Garderobe, aber auch so mehr als zufrieden und zogen in die kalte Berliner Mittwochnacht hinaus.

Copyright Fotos: Cathie Niemann

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