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THE CHRISTMAS BALL 2010

Ort: Hannover – Capitol

Datum: 26.12.2010

Die besinnlichen Weihnachtstage bei den Eltern im heimischen Sauerland wurden dieses Jahr schon etwas eher als sonst beendet – Grund war das Schneechaos, das es ungewiss machte, wie lange wir nach Hannover brauchen würden. Wir wollten uns auch dieses Jahr den Christmas Ball im Capitol nicht entgehen lassen, der nach dem fetten Festtagsessen ja so was wie ein Fitnessprogramm ist.

Trotz Schneechaos hatten wir insgesamt nur ca. 30 Minuten Verspätung, als wir am Zielort ankamen, so dass noch Zeit für eine kleine Verschnaufpause und das eine oder andere Kaltgetränk war, bevor es dann pünktlich um 19 Uhr endlich losging. Das Publikum kann man als durchaus gemischt bezeichnen, wobei man sagen muss, dass es nach AGONOIZE irgendwie etwas wie „umgetauscht“ wirkte und der Altersdurchschnitt vorne deutlich stieg. Mag vielleicht daran liegen, dass FADERHEAD und AGONOIZE eher die jüngere Club-Generation ansprechen, LAIBACH und PROJECT PITCHFORK dafür die etwas alteingesessene EBM/ Dark Electro Generation. Beim Headliner AND ONE hatte man auf einen Allrounder gesetzt. Leider haben es einige nicht ganz bis zu selbigem durchgehalten oder zogen eine sichere Heimreise einem guten Konzert vor, weshalb es sich leider zum Ende von AND ONE hin merklich leerte. Anfangs musste man sich zudem durch den Stau zwängen, den die an beiden Ausgängen der Haupthalle wirklich schlecht platzierten Merchandise-Stände verursachten. Auch wenn das Sortiment sehr reichlich war und manch einer sein Weihnachtsgeld hier investierte sollte, man fürs nächste Jahr drüber nachdenken, ob man die nicht eventuell woanders platziert.

FADERHEAD

Mit dem Hamburger FADERHEAD hatte man einen knackigen Opener gewählt, der direkt mit seiner agilen und freundlichen Art das schockgefrostete Publikum auf Betriebstemperatur brachte. Frei nach dem Motto „Weniger ist mehr“ wurde man mehr musikalisch als durch lange Reden unterhalten, so dass die eh schon knapp bemessene Spielzeit picke-packe voll mit alten Klassikern und neuem Material der brandaktuellen Scheibe „Black Friday“ war. Man merkte direkt, dass der Herr sich sehr wohl fühlte auf der Bühne und dass das gerade frisch aufgetaute Publikum ihn auch gut annahm. Seinen Worten nach sei er gerne in Hannover und habe dort auch bisher die meisten Konzerte gespielt. Nachdem er erstmal sehr großzügig seinen Wodka in die Menge verteilt hatte, musste er sehr bald feststellen, dass er auf dem Trockenen saß – aber auch der Red Bull, den er seinem Laptopmann daraufhin stibitzte, fand schnell den weg ins Publikum. Bei mir kam daraufhin ein wenig die Frage auf, ob er uns auf die bevorstehenden Sauereien von AGONOIZE vorbereiten wollte. Bei „Destroy Improve Rebuild“ brachte er das komplette Capitol dazu, den Refrain mitzusingen. Dieser angebliche letzte Titel ging direkt in den Clubhit „TZDV“ über, worauf er sich als notorischen Lügner bezeichnete, da er ja diesen Song ja quasi unterschlagen hatte. Nachdem die Temperatur im Saal noch mal um ein paar Grad gestiegen war, war für FADERHEAD auch schon die Show vorbei. Ein durchaus gelungener Auftakt! Sehr sympathisch übrigens war, dass FADERHEAD selbst nach seinem Auftritt am Merchandise Stand für Fotos und Fragen zur Verfügung stand – das zeigt deutlich, wie wichtig ihm seine Fans sind.

Setlist FADERHEAD
Intro
Acquire the fire
Zig Zag Machinery
Escape from the machine
Dirtygirls / Dirtyboys
Baby Firefly
The way to fuck god
Houston
Destroy Improve Rebuild
TZDV

AGONOIZE

Nach einer kleinen Umbaupause (mit fürchterlicher Musik – Hilfe!) ging’s gleich weiter mit AGONOIZE. Sänger Chris kam beim ersten Lied in weißer Zwangsjacke auf die Bühne und legte nach einem kurzen Intro direkt mit „A Cut inside my Soul“ los. Danach ließ er sich aus seiner „Verpackung“ befreien, es ging direkt weiter im Text und man merkte schnell, dass man es hier mit einer Formation zu tun hat, die einige Clubhits in Petto hat, denn soweit man es vom Fotograben aus sehen konnte, war alles in Bewegung. In typischer AGONOIZE-Manier ging es mit „Bis das Blut gefriert“ und einer damit verbundenen Kunstblutdusche für die ersten Reihen weiter, als Chris sich mal wieder symbolisch die Pulsadern aufschnitt, nachdem er vorher die ganze Zeit mit seinem Messer rumgespielt hatte. Bei „Death Murder Kill“ wurde dann die Halsschlagader aufgeschnitten, und bei „BängBäng Goodbye“ ein Kopfschoss simuliert. Für uns Fotografen hieß es erstmal, vor der Blutdusche zu flüchten. Mir persönlich schien Sänger Chris nicht sonderlich gut gelaunt zu sein – nach jedem Song verließ er kurz die Bühne und hatte nicht ein einziges Wort für die Hannoveraner Menge übrig. Auch wen man ihn durchaus wortkarg kennt ist das schon etwas merkwürdig. Ihren Höhepunkt erreichte die Show bei den letzten beiden Titeln „Femme Fatale“ und „Koprolalie“, zu dem sich der Fronter eigens einen Strap-on Dildo umschnallte und mit Kunstsperma (wohl eine Mischung aus Puderzucker und Wasser, wie sich später herausstellte) in die Menge onanierte. Ein Mädel schien davon sehr angetan – sie ließ sich auf die Schultern heben und machte brav den Mund auf – na ja, wer’s braucht… Zusammengefasst kann man sagen: Normaler Gig ohne große Überraschungen mit einer Standard Setlist – das Ganze kam aber durchaus gut an und man ließ die Menge gut aufgewärmt zurück für die näxhsten 3 Bands.

Setlist AGONOIZE
Intro/ Earpain
A Cut inside my Soul
Schaufensterpuppenarsch
Bis das Blut gefriert
Alarmstufe Rot
Death Murder Kill
Staatsfeind
BangBang Goodbye
Femme Fatale
Koprolalie

LAIBACH

Nun war’s Zeit für den „Exoten“ unter den heutigen Bands – die Slowenen LAIBACH betraten die Bühne und starteten auf 2 großen Leinwänden eine Multimediashow, die optisch einiges zu bieten hatte. Nur dass sie gleich mit schrillen Pfeiftönen und Rückkopplungen begannen, war wohl nicht im Sinne der meisten Anwesenden, weswegen sich der Platz vor der Bühne merklich leerte. Diese sehr unangenehmen Störgeräusche ruinierten die von AGONOIZE hergestellte Stimmung in meinen Augen völlig und ich war froh, dass meine Begleiter zu einer Verschnaufpause nach oben wollten, wo die Musik etwas gedämpfter und in dem Fall Ohrenschonender rüberkam. Man muss dazu sagen, dass mit LAIBACH die komplette Lautstärke im Saal deutlich anstieg, somit die schrillen Pfeiftöne des Megaphons noch extremer die Gehörgänge quälten. Ich persönlich kannte vor allem das treibende „Tanz mit Laibach“, das auch gespielt wurde, sogar passend mit marschierenden Stiefeln im Hintergrund auf den Leinwänden unterlegt. Nur ging dieses Stück für die meisten in zu „anspruchsvollen“ Songs unter (wenn man mal von den vorherigen Bands ausgeht). Auch das DAF Cover „Alle gegen Alle“ wollte nicht so richtig zünden. Man mag von der Band halten, was man will, ich persönlich finde sie für zuhause auch nicht unbedingt falsch, aber in diesem Line Up schienen sie völlig fehl am Platze zu sein und einige zählten die Minuten, bis der für sie gefühlt viel zu lange Gig endlich vorbei war. Auch wenn sie sich spürbar Mühe gaben, sprang der Funke nicht über – was man zum Teil auch auf die sehr starken technischen Probleme mit Rückkopplungen etc. zurückführen kann.

PROJECT PITCHFORK

Ergo fanden PROJECT PITCHFORK die Halle in einer nicht mehr ganz so optimalen Stimmung vor. Somit mussten sie die Leute erstmal wieder aus dem „Keller“ holen, bevor das Partyvolk wieder richtig Spaß verbreiten konnte. Von Lied zu Lied aber wurde es besser und die Feierlaune der Anwesenden stieg wieder, auch wenn einige sicher schon ihre letzten Reserven mobilisierten. Geboten wurde ein bunter Strauß aus Altem und Neuen – auch die beiden Hits „Timekiller“/ „Existence“ waren mit von der Partie. Gefehlt haben mir diesmal „Alpha & Omega“ und „Steelrose“, welche ich schon eine Weile nicht mehr live hören durfte. Nun ja, nächstes Mal vielleicht. Die Jungs zeigten sich hoch motiviert, Sänger Peter Spilles beanspruchte den kompletten vorderen Bereich der Bühne für sich und Tastenmann Dirk „Scheubi“ Scheuber animierte immer wieder die Menge zum Mitmachen und schüttelte seinen Wuschelkopf hinter seinen Tasten. Auch die Lightshow konnte sich sehen lassen, mit einem Laser wurde in die Menge geleuchtet und mit kleinen Rauchschwaden ergab es ein fast mystisches Bild. Sehe gelungener Auftritt, wenngleich man merkte, dass der Menge langsam ein wenig die Puste ausging, wurden deutlich mehr Reserven mobilisiert, als man es nach 3 Bands in Folge erwarten konnte. Respekt und Daumen hoch!

Setlist PROJECT PITCHFORK
Conjure
Endless Infinitiy
Timekiller
En garde
Souls
Beholder
Human chrossing
Carnival
Continuum
Longing
Fire & ice
Existence
Rescure

AND ONE

Zu guter Letzt wurde für den heutigen Headliner AND ONE die Bühne mit Tarnnetzen im Camouflage Look präpariert, so dass alles für die nun bevorstehende Tanzomat-Fulltimeshow vorbereitet war. Es ging auch recht fix, so dass man gar nicht allzu viel Zeit hatte, die doch schon deutlich ermüdeten Knochen etwas auszuruhen, bis das Intro vom I.S.T Album erklang und ein gut gelaunter Dauergrinser mit Namen Steve auf die Bühne sprang, um diese für die nächste Zeit unsicher zu machen. Gut gelaunt und stets zu kleinen Späßchen aufgelegt ging es durchs Programm, das mit „Sometimes“ und „Men in Uniform“ erst ruhig losging, dann aber mit „Deutschmaschine“ und „Panzermensch“ richtig tanzbar wurde. Sehr gefreut hat mich, dass die „Traumfrau“ wieder ihren Weg in die Setlist gefunden hat. So wurde sich durch ein buntes Potpourri getanzt, zwischendurch noch mal Werbung für die kommende Tour 2011 gemacht, wo besonders der Auftritt in Peine angepriesen wurde. Man will ja schließlich das versammelte Volk noch mal mit einer Fulltime-Show begeistern. Den neueren Klassiker „Military Fashion Show“ hob man sich erwartungsgemäß bis zum Ende auf, so dass man noch mal vorhandene Kraftreserven mobilisieren konnte, bevor es dann mit der Aftershowparty weiter im Programm ging. Leider fehlten Stücke wie „Technomann“ oder „Pillemann“, die normalerweise die Stimmung auf die Spitze treiben. Trotz allem war AND ONE ihrem Headliner Status würdig und haben den Abend für uns zu einem sauberen Abschluss gebracht.

Im Anschluss gab es wie schon erwähnt noch eine Aftershowparty, für die wir nach fünf Bands aber viel zu platt waren, so dass wir es vorzogen, uns wieder Richtung Heimat zu begeben und dann friedlich zwischen den Kissen zu schlummern, statt weiter überschüssige Pfunde von den Hüften zu tanzen. Es war doch mit fünf Bands wieder ein wenig viel auf einmal und auch die fehlenden Sitzmöglichkeiten haben es nicht unbedingt besser gemacht. Trotzdem kann man sagen: Wie immer ein klasse Abend, wie immer gute Bandauswahl, auch wenn mir persönlich LAIBACH nicht so ganz zusagten und ich mir auch gern eine etwas andere Setlist von AND ONE gewünscht hätte – man kann nicht immer alles haben – und das was geboten wurde, kann man nur unter „Klasse“ und „Nächstes Jahr wieder“ verbuchen.

Copyright Fotos: Cynthia Theisinger

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