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THE CINEMATICS – JOHANN VAN DER SMUT

Ort: Osnabrück - Glanz & Gloria

Datum: 24.02.2010

Mittwochabend, kurz vor 22.00 Uhr, Nieselregen und eine kleine Schlange vor dem Eingang des Glanz & Glorias. Während sich die arbeitende Bevölkerung langsam zur Nachtruhe bettete, läutete die Osnabrücker Studentenschaft das Wochenende mit Live-Musik ein. Schotten-Mucke stand auf dem Programm, allerdings wie nicht anders zu erwarten ohne Dudelsäcke, sondern mit einem Haufen Gitarren, viel Drive, Einflüssen der Achtziger und vier Jungs aus Glasgow. DIE CINEMATICS machten auf ihrer „Love & Terror“-Tour Halt im Keller des alten Kreistagsgebäudes, der sich zwischenzeitlich gut mit überwiegend jugendlichem Publikum gefüllt hatte.

Bevor der neueste schottische Rockexport nach FRANZ FERDINAND und BIFFY CLYRO die Stage enterte, nahmen jedoch zunächst drei sehr juvenile Herrschaften aus dem Sauerland Aufstellung. Der Name JOHANN VAN DER SMUT dürfte den Liebhabern der James-Bond-Parodien von Mike Myers ein Begriff sein, denn im dritten Teil teilten sich Mister Myers und John Travolta die Rolle des Johann van der Smut, der auch als Goldständer bzw. Goldmember bekannt war. Derart albern wie im Film ging es auf der Bühne allerdings nicht zu. Stattdessen schickte sich das Trio an, das Publikum eine gute halbe Stunde lang mit deutschen Texten (die jedoch nicht immer wirklich zu verstehen waren, so dass zwischendrin auch schon mal im Auditorium die Frage aufkam, ob schon die ganze Zeit muttersprachlich gesungen wurde) und viel Tempo auf Betriebstemperatur zu bringen. Mit dabei hatten Max (Gesang, Gitarre und Keys), Hannes (Bass & Gesang) sowie Timm (Drums) Songs ihrer ersten, selbstproduzierten EP, die allesamt in jugendlicher Unbekümmertheit und sehr tanzbar vorgetragen wurden. „Gleichgewicht“ war hingegen ein neues Produkt aus der JVDS-Ideenschmiede, kam mit NDW-mäßigem Gesang im flotten Rhythmus daher und veranlasste Hannes, sich seiner dicken schwarzen Hornbrille zu entledigen, während Drummer Timm seinen Strohhut schon längst in die Ecke gepfeffert hatte. Mit „Dynamik“ ließen es die Sauerländer zumindest am Anfang etwas ruhiger angehen, nur um alsbald wieder in gewohnt treibende Fahrwasser zurückzukehren. Zum Abschluss gab’s für die Anwesenden im Glanz & Gloria mit „Neonfarben“ noch die Tanznummer der Band auf die Ohren, die sich sehr rhythmusbetont und britpop-orientiert zeigte. Hier kam auch das Tasteninstrument noch einmal zu Ehren, für dessen problemlose Bedienung Max seine Langaxt am auffallend kurzen Gitarrengurt trug. Es gab verdienten freundlichen Applaus und noch eine kurze Umbaupause, ehe die Hauptprotagonisten des Abends um kurz vor 23.00 Uhr loslegten.

Setlist JOHANN VAN DER SMUT
Kapitel
23 Grad
Druck
Gleichgewicht
Verwirrtheit
Dynamik
100 km Norden
Neonfarben

Bevor man die vier charismatischen Schotten zu Gesicht bekam, erklang zunächst ein Intro, das jeder Indie-Disco die Tanzfläche gefüllt hätte und ganz offensichtlich hatten die Osnabrücker ihre übliche Scheu angesichts der CINEMATICS vergessen und warteten dicht gedrängt vor der Stage auf das Kommen der Band, die als Einflüsse THE CURE, TELEVISION, WIRE, die TALKING HEADS und THE SMASHING PUMPKINS nennt. Lange mussten die Fans nicht ausharren und schon begann mit „All These Things“, dem Opener der aktuellen Langrille „Love And Terror“ die wilde Fahrt. Der unwiderstehliche Sound des Vierers ging umgehend ins Bein, weshalb schon beim Indie-Hit „Keep Forgetting“ und dem sehr treibenden „Race To The City“ vom 2007er Debüt „A Strange Education“ eifrig mitgetanzt wurde. „Hospital Bills“ wurde insbesondere von der starken Gitarrenfraktion dominiert, die nach einem an U2 erinnernden Midtempo-Start wieder in die Vollen ging. Larry Reid verfügte dafür auf der linken Seite über allerhand Effektgerät, das bei „You Can Dance“ in den Vordergrund trat, während rechts Adam Goemans am Stahlsaiter für die tiefen Töne sorgte. Hervorgehoben sei der Titeltrack der Tour „Love And Terror“ dessen fetter Bass wohlig durch Mark und Bein ging. Ross Boneys Stunde hinter der Schießbude war bei „Hard For Young Lovers“ gekommen. Es wurde ordentlich auf die Felle eingedroschen, was auch für „New Mexico“ galt, das abging wie der Teufel und zu meinen Favoriten des Abends zählte. Derweil hingen die Damen an den Lippen von Fronter Scott Rinning, dessen weißes Hemd zum Schluss schweißgetränkt war und auch dem Auditorium dürfte bei so tanzbaren Songs wie dem emotionalen „A Strange Education“ oder dem krachenden „Don’t Look Down“ warm geworden sein. Nicht minder energiegeladen ging’s mit „Break“ zu Sache und einen Moment lang sah es so aus, als wollte Scott mitsamt seines Sechssaiters ein Bad in der Menge nehmen, doch dann stoppte er am Bühnenrand und versprach, nach ihrem ersten Besuch in der Hasestadt bald wieder zurückzukommen, ehe mit „Maybe Someday“ das passende Stück zum Abschied nehmen kam.

Natürlich bekamen die Fans noch einen Nachschlag, der als erstes einen neuen Song in petto hatte. „Cinema“ zeigte sich nicht weniger temperamentvoll als seine Vorgänger und wurde in gleicher Weise abgefeiert, auch wenn naturgemäß das Mitsingen dieses Mal ausfallen musste. Dazu war dann aber bei „Rise & Fall“ wieder Gelegenheit, bevor sich die CINEMATICS mit dem hochenergetischen „Moving To Berlin“ nach einer guten Stunde verabschiedeten. Inhaltlich zwar nicht ganz richtig, denn das nächste Ziel des Tourbusses war Würzburg; die bundesdeutsche Hauptstadt hatten die fantastischen Schottens bereits im letzten Jahr im Handstreich für sich eingenommen und auch in Osnabrück sah man ausschließlich in begeisterte Gesichter. Es würde mich wundern, wenn wir von THE CINEMATICS nicht noch eine Menge Gutes hören würden…

Setlist THE CINEMATICS
All These Things
Keep Forgetting
Race To The City
Hospital Bills
New Mexico
Hard For Young Lovers
You Can Dance
A Strange Education
Don’t Look Down
Love And Terror
Break
Maybe Someday

Cinema
Rise & Fall
Moving To Berlin

Copyright Fotos: Ulrike Meyer-Potthoff

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