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THE CRÜXSHADOWS – AYRIA

Ort: Osnabrück – Lagerhalle

Datum: 24.11.2009

Wenn man im Sonnenstaat Florida zu Hause ist, muss es doch extrem deprimierend sein, im November durch Mitteleuropa zu touren. Wenn man dann auch noch wie die CRÜXSHADOWS einen Abstecher in das Regenloch Osnabrück macht, ist es schon fast vorprogrammiert, dass das Wetter mies sein muss. So erging es auch CXS-Gründer Rogue, der mit seiner Truppe die Lagerhalle zum Beben bringen wollte. Das letzte Studioalbum „Dreamcypher“ ist zwar schon zwei Jahre alt, aber die Crüxies werden des Reisens nicht müde und hatten sich zudem einen Support mitgebracht, mit dem sie schon einige Tourerfahrungen teilen.

Die Rede ist von AYRIA, hinter der sich Jennifer Parkin aus Toronto/ Kanada verbirgt. Die Dame hatte zusätzlich noch einen Herrn für die Regler und Tasten auf der Bühne und präsentierte über 45 Minuten eingängigen Synthie-Pop, der das Publikum durchaus in Bewegung brachte. Kein Wunder, agierte das blonde Fräulein im knappen Kunstlederröckchen Marke Lendenschurz doch fast wie in einem Aerobic-Video auf der Stage und war kaum ruhig zu halten. Das übertrug sich wohl schnell ins Auditorium, auch wenn die Musik im Grunde über wohlwollendes Mittelmaß nicht hinaus kam. Zum Warm machen reichte die Darbietung jedoch allemal und so ernteten AYRIA für ihre Songs auch freundlichen Applaus. Ein Großteil stammte vom letztjährigen Album „Hearts For Bullets“, dessen Cover auch in Form eines kleinen Backdrops auf der Stage vertreten war. Natürlich wurde auch der temporeiche Titetrack gespielt, doch auch Songs der beiden anderen Longplayer hatten Platz auf der Setlist gefunden. Etwa das finale „My Revenge On The World“ vom 2005er „Flicker“ oder „Disease“ vom Debüt „Debris“ aus 2003, die natürlich allesamt zum Tanzen einluden

Das Schöne bei Gothicbands ist ja, dass üblicherweise die Umbaupausen kurz sind. So kamen auch THE CRÜXSHADOWS mit schlanken 20 Minuten aus, bis Jen „Pyromantic“ Jawidziks Keyboard auf einer kleinen Erhöhung im Hintergrund in Position gebracht worden war und David Wood links sowie JoHanna Moresco rechts von ihr mit den charakteristischen E-Violinen Aufstellung genommen hatten. Fehlten nur noch CXS-Neuzugang Cassandra Luger am Sechssaiter, die beiden blonden Tänzerinnen und Backgroundsängerinnen Jessica und Stephanie und natürlich der Mann mit der stacheligen Frisur und dem Mikro: Rogue, der sich in den kommenden 100 Minuten gewohnt fannah zeigte. Immer wieder trieb es ihn ins Publikum, so performte er „Solus“ vom letzten Longplayer in der Mitte der Zuschauer auf einem Hocker stehend , während seine knapp bekleideten Tänzerinnen, deren größtes Kleidungsstück die roten Plüschstulpen waren, damit wenigstens die Waden warm blieben, auf der Stage kleine Fesselspielchen andeuteten. Im Laufe des Abends kamen jedoch alle Beteiligten ordentlich ins Schwitzen, so auch ein männlicher Gast, mit dem Rogue zu „Desepction“ ein wildes Tänzchen wagte. Zuvor war er jedoch beim emotionalen „Memorare“ mit Jessica Lackey zu einem Duett in der Menge untergetaucht, wo er bereits das gefühlvolle „Sophia“ zu Gehör gebracht hatte. Zwischen den Songs lag die Bühne derweil häufig komplett im Dunkeln, die einzigen Lichtquellen waren die Lämpchen, die der Fronter an den Oberarmen und den Handinnenflächen trug und mit denen er (neben der gelungenen Lightshow) für eine passende visuelle Untermalung sorgte, wenn nicht gerade die beiden knackigen Damen die Aufmerksamkeit des (männlichen) Publikums für sich beanspruchten. Gern räkelte man sich am Boden, schwenkte zu „Dragonfly“ aber auch gekonnt große Fahnen, ehe der Chef mit seinen Deutschkenntnissen kokettierte. Die sind nämlich deutlich besser als er seine Fans Glauben machen wollte. Sehr zur Freude der Osnabrücker stellte er seine Band ganz im Sinne von Guido Westerwelle („Wir sind in Deutschland, da wird dann auch Deutsch gesprochen!“) in der Landessprache vor und freute sich über den Erfolg der letzten Single „Quicksilver“, die es daheim in den USA bis an die Spitze der Dance-Billboard-Charts geschafft hat. Ein absoluter Höhepunkt war natürlich „Winterborn (This Sacrifice)“ vom 2003er „Ethernaut“, das Bewegung bis in letzten Reihen der Lagerhalle brachte. Die war übrigens mit ca. 150 Personen nur locker gefüllt, was den Vorteil hatte, dass alle genug Platz zum Tanzen hatten. Mit „Birthday“ ging die Party nahtlos weiter, bevor sich die Band um 22.35 Uhr kurz ins off verabschiedete, um sich für den Zugabenblock zu sammeln. Der startete mit „Monsters“auf sphärisch-geheimnisvolle Weise, bevor wieder Tempo angesagt war und mit „Deception“ ein weiterer Höhepunkt erreicht wurde. Natürlich durfte auch „Marilyn, My Bitterness“ nicht fehlen. Zu dieser Nummer vom Debüt „Telemetry of A Fallen Angel“ holten sich die CRÜXSHADOWS wie gewohnt jede Menge Fans auf die Stage und gemeinsam wurde der letzte Song amtlich abgefeiert. Im Anschluss ließ es sich Rogue zudem nicht nehmen, alle noch einmal persönlich zu umarmen und stand ebenso wie seine Bandkollegen noch für Smalltalk und Autogrammwünsche zur Verfügung.

Persönlich hätte ich auf den Support verzichten können, aber den übrigen Anwesenden hat AYRIA offensichtlich gefallen und deshalb will ich nicht meckern. Nichts zu meckern gab es definitiv am CXS-Auftritt, der nur als rundum gelungen bezeichnet werden kann. Die Crüxies strahlten jede Menge Spielfreude aus und ihr elekronisch-düsterer Geigen-Synthierock hebt sich immer noch angenehm von der Masse ab.

Setlist THE CRÜXSHADOWS (ohne Gewähr)
…And I Believe
Quicksilver
Immortal
Tears
Solus
Ariadne
Sophia
Forever Last
Memorare
Dragonfly
Avalanche
Winterborn (This Sacrifice)
Birthday

Monsters
Deception
Marilyn, My Bitterness

Copyright Fotos: Dirk Ruchay

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