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THE CRÜXSHADOWS – EGO LIKENESS

Ort: Herford - Club X

Datum: 13.11.2006

Obwohl der Terror-Chef einen Tag “off” von seinem derzeitigen Konzertmarathon sicherlich nötig gehabt hätte – wenn die Ami-Gother THE CRÜXSHADOWS schon im Einzugsgebiet aufspielen, werden noch mal alle Kräfte mobilisiert. So nahmen wir sogar zähneknirschend den für einen Montag nicht arbeitnehmerfreundlichen Starttermin von 21 Uhr hin.

Es ging dann auch pünktlich los in einem akzeptabel gefülltem X. Dazu hatten die CRÜXSHADOWS erneut EGO LIKENESS im Gepäck, mit denen sie nicht nur die Heimat und das Label verbindet, auch musikalisch beackert man ähnlichen Boden: Elektro-Rock mit Goth- und Darkwave-Einflüssen. Die Hälfte des Sets bestand aus Material ihres aktuellen Albums „The Order of the Reptile“, so auch der Opener „Severine“. Im Mittelpunkt steht die aparte Sängerin Donna Lynch flankiert von einem sehr zurückhaltend agierenden Tastenklimperer und Gitarrist Steve Archer, der seine Zottelmähne zunächst dekorativ mit Leuchtstäbchen auf seinem Haupt drapiert hatte, die er nach dem zweiten Stück ins Publikum warf, um mit rollenden Augen das etwas härtere „Burn witch burn“ anzustimmen. Durchs Publikum laufend versuchte er Stimmung zu machen, was jedoch noch nicht so recht gelang. Zu „Above the soil“ trat er gemeinsam mit Donna ans Mikro und verstärkte so den düster-bombastischen Anstrich. Nach dem schön getragen-verträumten „You’d better leave the stars alone“, das sich übrigens auf einem Sampler zur Huldigung von Comic-Zeichner und Autor Neil Gaiman wieder findet, ging es mit „Second skin“ von ihrem Debüt „Dragonfly“ wieder tanzbarer zur Sache. Mit einem gehauchten „Danke schön“ verabschiedete sich Donna nach 45 Minuten mit dem sanften „Aviary“ von einem artig applaudierenden Publikum, welches zu dieser Zeit bereits eher dem Hauptact des Abends entgegenfieberte.

Und der hatte sich Konzerttechnisch in letzter Zeit zumindest in Deutschland eher rar gemacht, vergleicht man die extensiven Tourneen der letzten Jahre. Von daher war ich doch ein wenig überrascht, dass „nur“ 400 schwarze Gestalten das X bevölkerten, darunter einige sehr modische Damen und Heren. Im Gepäck hatte die Formation ihre neue EP „Sophia“, zu der Rogue süffisant anmerkte, dass man mit dem Titeltrack sogar BEYONCÉ in den Tanz Charts geschlagen habe. Er selber bahnte sich zu Beginn des Konzerts natürlich wieder den Weg von hinten durchs Publikum, dort sollte er sich im weiteren Verlauf noch einige Male aufhalten. Auf der Bühne geballte Frauenpower: Die beiden Tänzerinnen Jessica und Sarah (für mich meine erste Begegnung mit der hübschen Dame) sorgten für einen hohen Erotikfaktor und die sehr begabte Violinistin Rachel fügte dem noch ihre Spielkunst hinzu, wenngleich sie vielleicht nicht gar so streng schauen müsste. Dagegen hielten sich die neue Keyboarderin Jen und Gitarrist George praktisch ausschließlich im Hintergrund auf, bei den Crüxies hat eben alles seine Ordnung. So abwechslungsreich und unterhaltsam die Performance der 6 auch immer ausfällt, ein wenig habe zumindest ich immer das Gefühl, das alles gut durchkalkuliert ist. Irgendwie fehlt mir da das Spontane, vielleicht bin ich aber nur neidisch, dass Rogue und nicht ich von den hübschen schwarzen „Spinnen“ angebetet wird. Soundtechnisch bewegt man sich zwischen Electro Goth Rock, Dark Wave und ein paar Future Pop Einflüssen, was die Beats angeht. Vielleicht wurden deshalb auch einige FEINDFLUG Shirts im X gesichtet. Die Setlist jedenfalls ließ kaum zu wünschen übrig, neben dem schon angesprochenen „Sophia“ waren auch alle bekannten Hits der Nordamerikaner an Bord. „Winterborn“, „Deception“, „Tears“, „Foreverlast“ oder „Wake the White Queen“, zu dem sich Rogue und seine Tänzerinnen dekorativ maskierten. Die beiden Mädels führten auch einen sehr ansprechenden (zumindest für die Jungs) Tüchertanz auf, der ihre gegenseitige Zuneigung offensichtlich werden ließ. Der edel gestylte Fronter hielt mit einer Leiter-Einlage im Publikum dagegen: „Rogue’s Ladder“ sozusagen. Auch das Kokettieren mit seinen durchaus ordentlichen Deutschkenntnissen durfte nicht fehlen. Einige Titel waren mir allerdings unbekannt, hier dürfte es sich um neues Material gehandelt haben, stilistisch ohne Bruch versteht sich. Richtig klassisch wurde es in der doppelten Zugabe: Zu „Cassandra“ holte man sich den Opener komplett mit auf die Bühne und Rogue intonierte zusammen mit Donna ein sehr gelungenes Duett, teilweise schmachtete er sie dabei aus dem Publikum an. „Marilyn, my Bitterness“ durfte natürlich nicht fehlen – spätestens jetzt brachen alle Dämme und haufenweise kletterten alsbald die Fans mit auf die Bühne, darunter einige bekannte OWL-Szene-Originale. Die letzten Tracks („Return“, „Go Away“) performte Rogue, während er gleichzeitig einigen Damen ihre Herzenswünsche erfüllte. Damit meine ich natürlich Autogramme! Schon erstaunlich, wie ergreifend eine einzige Unterschrift sein kann…

Nach Mitternacht endete das Spektakel dann und die CRÜXSHADOWS waren ganz sicher ihr Eintrittsgeld wert. Vielleicht eher Belletristik als schwere Literatur aber auf die Inszenierung, den Unterhaltungsfaktor kommt es an und da macht Rogue und Co. so gut wie niemand etwas vor. Ein schöner Start in die Woche und jetzt erstmal 2 Tage Konzertpause bitte…

Setlist EGO LIKENESS
Severine
16 Miles
Burn witch burn
Above the soil
You’d better leave the stars alone
Second skin
Weave
Save your serpent
Water to the dead
Aviary

Setlist THE CRÜXSHADOWS
Pygmalian’s Dream (opener)
Sophia
Forever Last
Wake the White Queen
Deception
Solus
Ariadne
Memorare
Tears
Windbringer
Elissa
Winterborn
Birthday

plus Zugabe

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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