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THE CURE

Ort: Oberhausen - König-Pilsener-Arena

Datum: 16.03.2008

“Erst war CURE, dann war Gothic” schrieb eine große deutsche Tageszeitung anlässlich der Tourneeankündigung der Dino-Düster-Popper. Ja, damals in den frühen 80er Jahren, da konnte man mit auftoupiertem Haar, verschwenderischem Kajalgebrauch und dilettantisch aufgetragenem Lippenstift noch zum Elternschreck mutieren. Und zur Ikone einer Generation werden. Live hatte ich Robert Smith und Co damals nie gesehen. Und nun also das große Klassentreffen. Die meisten sind im Establishment angelangt, man fährt mit Kombi und Kindersitz auf der Rückbank vor. Ohne Probleme schlucken die zahlreichen Parkhäuser rund um Oberhausens Konsumtempel Centro alle Jünger, die nicht nur aus dem Rheinland und Ruhrgebiet, sondern auch aus dem benachbarten Ausland angereist sind. Die Stimmung unter den 11.500 Fans, die für ein ausverkauftes Haus sorgen werden, ist familiär, Einigkeit herrscht auch stillschweigend beim Klamottenkodex. Als wir die Arena betreten, haben die Einheizer 65 DAYS OF STATIC bereits ihren Job getan und alles harrt erwartungsfroh dem Hauptact entgegen.

Und um 20.20 Uhr beginnt sie dann, die Zeitreise, leise fast und mit ungeheurer Sogwirkung: „Plainsong“ ist der Opener des Abends, „Prayers for rain“ vom gleichen Album „Disintegration“ hält die gleiche Stimmung aufrecht. Die Fans lauschen nahezu andächtig, lassen erst am Ende der Songs ihrer Begeisterung freien Lauf. Es folgt Material jüngeren und ganz frischen Datums, im Sommer soll es endlich ein neues Release geben, eindeutig rockig orientiert. Post-Punk, Dark Wave, New Wave – THE CURE haben in ihrer Bandgeschichte unter der großen Klammer der Melancholie immer mal wieder die stilistische Ausrichtung verändert und sind sich doch stets treu geblieben. Und auch heute Abend lassen Robert Smith und seine Leidensgenossen Simon Gallup, Jason Cooper und Ur-CURE „Porl“ Thompsen einzig die Musik sprechen, keine großen Gesten, kein Tingel-Tangel mit den Fans, nein, Augen schließen und genießen. Nicht nur den unvergessenen „Lovesong“ hatte ich schon eine Ewigkeit nicht mehr gehört und sorgte für nette Deja-Vus, mit „Pictures of you“ sowie „Lullaby“ folgten weitere herrliche Klassiker. „Just like heaven“ sorgt für erste Tanzeinlagen auch auf den bestuhlten Rängen, es geht mal lärmig, mal psychedelisch weiter, doch am schönsten sind immer noch die Stücke, die einen mit ausufernder Schwermütigkeit umarmen und in Trance versetzen. In der Diskographie wird wild hin und her gesprungen, über 20 Songs nahezu zwei Stunden lang und doch irgendwie kurz. Dann gönnt sich die Band eine erste Verschnaufpause, aber danach geht es eigentlich erst so richtig los. „Play for today“ und „A forest“ gehören zum ersten Zugabenblock und zum ersten und einzigen Mal klatschen Tausende rhythmisch mit. „Friday I’m in love“ eröffnet den zweiten Nachschlag und nun liegen sich Kumpel mit diesem „Weißt-Du-noch?“ Blick tanzend in den Armen und man kann Herrn Smith bis auf die oberen Ränge grinsen sehen. Mit „Freak Show“ bringt man schnell noch einen neuen Song unter, man hätte es fast nicht gemerkt, na wenn das nicht als Kaufreiz zu werten ist… Zu “Why can’t I be you?“ wird noch mal ordentlich Party gemacht, und als das Quartett abermals die Bühne verlässt, sieht man schon die Putzkolonne Aufstellung nehmen, doch es folgt noch ein 5 weitere Songs andauerndes Finale, u.a. mit „Boys don’t cry“ und „Jumping someone else’s train“ und weiteren Frühwerken bis der Abend endet, womit alles begann, der ersten Single „Killing an arab“.

Damit hatten THE CURE ihr vollmundiges Versprechen, 3 Stunden Unterhaltung bieten zu wollen, eingehalten und von „Inbetween days“ und „Close to me“ (beide 1985), über „Never enough“ (1990) bis zu „The end of the world“ (2004) ließ die satte Setlist (außer das überdrehte und für mich entbehrliche „Lovecats“) nichts vermissen. Lange nicht mehr kann ich so guten Gewissens behaupten, dass ein Abend jeden Cent wert war.

Setlist (ohne Gewähr):
Plain song
Prayers for rain
A strange day
alt.end
A night like this
The end of the world
Lovesong
Pictures of you
Lullaby
From the edge of the deep green sea
The figurehead
Kyoto song
Please come home
Push
Inbetween days
Just like heaven
Primary
A boy I never knew
Never enough
Wrong number
The baby screams
One hundred years
Disintegration

At night
M
Play for today
A forest

Friday I’m in love
Freak show
Close to me
Why can’t I be you?

Boys don’t cry
Jumping someone else’s train
Grinding halt
10:15 saturday night
Killing an arab

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