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THE DEVIL’S BLOOD – GRIFTEGÅRD – VERDUNKELN

Ort: Leipzig - Hellraiser

Datum: 20.11.2009

Satan feiert doch Weihnachten

Für mich persönlich gab es in diesem Jahr viele neue tolle musikalische Entdeckungen. Mit einigen Jahren Verspätung haben SABATON sich in mein Herz geballert und nach unbemerkten 20 Jahren Bandhistorie WHILE HEAVEN WEPT in meinen Kopf geschippert. Doch eine Band übertrumpft sie alle: THE DEVIL’S BLOOD. Diese Atmosphäre, dieser Vibe – dazu möchte man einfach Drogen nehmen, satanische Rituale abhalten oder doch nur mit einem süßen Mädel über die Autobahn Cruisen und ein Eis essen. Nun ist der heilige Tag gekommen und die Holländer spielen drei Häuser weiter im Hellraiser zu Leipzig. Gespannt war ich, wie viele Teufelsanbeter den Weg zur Location finden würden, immerhin gestaltet sich der Eintrittspreis mit 13€ als sehr günstig. Am Club angekommen, schaut es noch sehr überschaubar aus, was sich aber bereits beim Betreten des Hellraisers ändern sollte. Die Organisatoren entschieden sich nämlich, aufgrund des schlechten Vorverkaufs (so wurden bis vier Tage vor der Show gerade einmal zehn Karten abgesetzt und bis zum Showtag nur 50), die „große“ Halle zuzulassen und daher das Konzert im kleineren „Saal“ (der sonst als Raucherbereich dient) abzuhalten. Sicher keine dumme Entscheidung, aber im Nachhinein sicher die Falsche, denn bei 13 Euro Eintritt hätte ich mir auch im Vorverkauf keine Karte geholt sondern wäre gemütlich zur Abendkasse gegangen. Und genau das taten die Fans.

Ergo platzte bereits bei VERDUNKELN die Location aus allen Nähten, so dass man sich genötigt sah, das Sold Out-Schild am Eingang zu befestigen, was für wahnsinnig viele traurige Gesichter sorgte. Geschätzte 250 Besucher drängten sich auf engstem Raum, um den Aachenern beim fröhlichen Musizieren zuzuschauen. Diese kommt beim Großteil des Publikums auch gut an, auch wenn sich die Bewegungsfreudigkeit mangels Platz in Grenzen hält. Jedoch sollte sich das im Laufe des Abends bessern. Atmosphärisch, düster und spannungsvoll präsentiert sich das Material, welches jedem Fan von SOLSTAFIR zumindest ein leichtes Lächeln auf die Lippen setzen sollte. Dennoch ist der Spaßfaktor beiweiten nicht so hoch wie bei den Isländern, was auch an der vergleichsweise geringen Bühnenpräsenz liegt. Nachdem ich mit meinem ehemaligen Professor über Sinn und Unsinn des kleinen Raumes philosophiert habe, geht es erst einmal an die frische Luft. Das hält echt keine Sau aus hier.

Zurückgekehrt, beginnen GRIFTEGÅRD gerade ihr Konzert. Ich weiß nicht warum, aber diese Art von Musik geht bei mir links rein und rechts wieder raus. Ja ich weiß, alle Magazine haben die Schweden euphorisch gefeiert und die Jungs haben es sich auch tierisch drauf, aber mir fehlen einfach die Emotionen. Zu sehr Kopf und zu wenig Herz… aber was zählt schon meine Meinung. Dass mir mein Professor mitteilt, dass es da vor 15 Jahren eine Band gab, die genauso klang und auf den Namen CANDLEMASS hörte, bestätigt mich in meiner Meinung. Sehr zur Freude meines Professors durfte ich ihm dann natürlich mitteilen, dass die Schweden immer noch existieren und nach wie vor hervorragende Alben produzieren. Zurück zur Gegenwart. GRIFTEGÅRD stellen heute vorrangig ihr Album „Solemn.Sacred.Severe“ vor, was von den Fans auch gefordert wird. Sänger Thomas steht während des Vortrags hinter einer Kanzel, was auch hier die Bühnenpräsenz sehr einschränkt. Der Rest der Truppe spielt emotionslos ihre Instrumente – mehr gibt es zur Bühnenaction eigentlich nicht zu sagen. Ah doch: Die Musik ist so langsam, wie das Offensivspiel des 1. FC Köln. Das fiel mir beim Lauschen der Songs ein und ich wollte das einfach mal aufschreiben ;-).

Nach einer guten dreiviertel Stunde geht es erneut an die frische Luft – die ist auch bitter nötig, denn was nun folgt, hat mit Sauerstoff-Überdosis nur wenig gemein. Nach einer endlosen Umbaupause (obwohl – kann man von Umbaupause sprechen, wenn auf der Bühne eigentlich nichts passiert?) besteigt Chefteufel Selim die Bühne und steckt unter dem Jubel der Fans erstmal 100 Räucherstäbchen an, die zusammen mit den dutzenden großen Kerzen für eine wunderbare Weihnachtsstimmung sorgen. Mit einem kleinen Lächeln und einem gehauchten „Good Bye“ verlässt der Mann die Bühne, bevor nun die komplette Band (noch „ungeschminkt“) erstmal die Instrumente testet. Nachdem alles in Butter ist, geht es erneut runter von der Bühne. Die Zeit verstreicht und die Räucherstäbchen brennen runter. Ach Mensch. Nun aber… aus den Tiefen der Hölle (auch Niederlande genannt) steigen THE DEVIL’S BLOOD auf die Bühne des Hellraisers. Es knistert, die Magie ist förmlich spürbar und als die ersten Takte von „Come Reap“ erklingen, ist das Ritual eröffnet. Komplett in Blut gehüllt rocken die Niederländer wie vom Teufel besessen. Alles scheint in Bewegung, alles ist grell, hell und verzerrt. Nur „The Mouth“ steht starr. Nicht menschlich. Regungslos und völlig abseits der Welt singt sie ihre Texte. Wie ein Medium erscheint sie – nicht wie ein Mensch oder gar eine Frau.

Von einem Konzert im üblichen Sinne kann man bei THE DEVIL’S BLOOD kaum sprechen. Die fünf Medien werden vom Teufel gelenkt und vollziehen seine musikalischen Anweisungen. Diese werden wunderbar dreckig ausgeführt, so dass das okkulte Feeling noch viel deutlicher als auf CD zur Geltung kommt. Warum werden hier keine bewusstseinserweiternden Substanzen verkauft? Bier allein reicht hier nicht. Songs wie „Evermore“ oder „Voodoo Dust“ werden in einer Weise zelebriert, wie sie bislang kaum kannte. Selims Blick wirkt bei seinen Soli wahrhaft besessen. Seine Augen scheinen den Körper verlassen zu wollen – ein normaler Psycho wird bei diesem Anblick zum erwünschten Schwiegersohn. Wer hier nicht den Kopf bewegt, der scheint wirklich auf den Himmel zu spekulieren. Musik und Magie verschmelzen zu einer perfekten Einheit. Der einzelne Song verliert jede Bedeutung, denn die Niederländer lassen die Tracks ineinander übergehen, sodass zu keiner Sekunde Ruhe einkehrt. Die Bewegung, der Strom ist allgegenwärtig und reißt schließlich die komplette Location in seinen Bahn. Gott muss einfach ein Satan sein. Nach „Christ Or Cocain“, inklusiver einer minutenlangen Gitarrenschlacht gehen die Musiker wortlos von der Bühne – die Realität ist wieder eingekehrt. Wie paralysiert wandern die Fans zum Ausgang. Keiner ruft nach Zugaben, lediglich verstörte Blicke werden ausgetaucht. The Devil has left the building.

Setlist THE DEVIL’S BLOOD
Come Reap
River Of Gold
I’ll Be Your Ghost
Queen Of My Burning Heart
The Graveyard Shuffle
Evermore
A Waxing Moon Over Babylon
Rake Your Nails Across The Firmament
The Heavens Cry Out For The Devil’s Blood
House Of 10.000 Voices
White Faces
The Anti-Kosmik Magick
Voodoo Dust
Christ Or Cocain

Copyright Fotos: Enrico Ahlig

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