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THE FLOWER KINGS

Ort: Bielefeld - Movie

Datum: 17.11.2007

Die derzeit einzig legitimen Nachfolger der 70er-Prog-Größen wie YES oder GENESIS machten an diesem kalten Samstagabend halt in Bielefeld. Allerdings im Movie, was zeigt, dass die Blumenkönige hierzulande nicht die ganz große Nummer sind (ohne damit etwas gegen die Location zu sagen). Vollkommen unverständlich! Sind die Herren um Bandkopf und Multi-Genie Roine Stolt doch Lichtjahre von den Künsten anderer Musiker entfernt und legen Jahr für Jahr exquisite (Doppel)Alben vor, die im Genre ihresgleichen suchen. Noch erstaunlicher, dass doch nur etwa hundert Nasen (und ich zählte endlich mal nicht zu den Ältesten!…) den Weg ins schöne Movie fanden und das an einem Samstag! Spricht mal wieder nicht für Bielefelder Konzertevents… aber das kennt man ja.

Eine Vorband gab’s nicht und so wurde Punkt 8 losgelegt und der Hörer sogleich in ein Paralleluniversum befördert, aus dem es die nächsten Zweieinhalb Stunden kein Entrinnen gab! Roine an Mikro und Gitarre brillierte, wie kaum ein anderer Prog-Musiker es derzeit vermag. Und das mit scheinbarer Leichtigkeit sowie mächtig Spaß innne Backen. Die Kommunikation mit dem Publikum mutet fast schon familiär an und die ellenlangen Beifallsstürme nach jedem (!) Song wurden wohlwollend entgegen genommen. Roines Sidekicks Tomas Bodin an den Keyboardtürmen und Jonas Reingold am Bass stehen dem Meister in nichts nach und sorgen für gebannt lauschende Besucher. Gegen dieses geballte Improvisationstalent, welches die Songs auch mal gerne auf eine halbe Stunde ausufern lässt, sehen selbst DREAM THEATER wie eine Schülercombo aus! Na ja, fast. Neben Special Guest-Drummer Pat Mastelotto von den ebenso legendären KING CRIMSON sorgte vor allem Hasse Froberg an der zweiten Klampfe (und Tamburin, Cimbals etc.)für offene Ohren! Besonders sein Gesang, etliche Passagen veredelte er alleine, stach nochmals aus dieser Wahnsinnsperformance heraus! Wie begnadet man alles in Grund und Boden musizieren kann, bewies man mit den häufigen mehrstimmigen Gesängen. Einfach phänomenal! Welche Ultralangtracks man Live zelebriert ist dabei völlig nebensächlich, „Paradox Hotel“ gehört aber derzeit dazu, ebenso wie neues Material von der aktuellen Wundertüte „The Sum of no Evil“. Dass natürlich im Publikum bei solch anspruchsvoller Mucke nicht die Post abgeht, versteht sich von selbst. Zuhören ist angesagt. Und schmunzeln, wenn sich die Musiker mit ihren jeweiligen Instrumenten gegenseitig „bekriegen“. Auch in den fast komplett stillen Momenten lauscht man gebannt und wartet gespannt darauf, was wohl als nächstes passiert. Nicht nur musikalisch hängt man im 70er-Prog (allerdings mit etlichen härteren Passagen zwischendurch!), auch optisch kann man (fast) mit damals mithalten. Mit dem Balladen-Quasi-Hit „Stardust we are“ setzt man einen geilen Gänsehautschlusspunkt unter über 2 Stunden Prog-Lehrstunde.

Definitiv DIE Prog-Band der Gegenwart!

Copyright Fotos: Nina Schütz

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