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THE FLYING EYES

Ort: Hamburg – Astra Stube

Datum: 04.04.2011

„Good evening, we are from Baltimore, and we are called LUCIFER’S DEMONS!“ schallte es pünktlich eine geschlagene Stunde nach dem angekündigten Konzertbeginn, also um 22.30 Uhr, aus den Boxen. Damit hatten THE FLYING EYES bereits den ersten von vielen Grinsern des nun beginnenden Abends auf ihrer Seite.

Den Zweiten konnten sie bereits wenige Takte später für sich verbuchen, als dem zahlreich anwesenden Publikum klar wurde, dass man es hier tatsächlich mit ein paar höllisch heißen Fuzz-Dämonen zu tun zu haben schien. Die vier Psychedelic-Blueser legten mit dem Titelsong ihres brandneuen Albums „Done So Wrong“ los und katapultierten die Astra Stube damit sogleich per Zeitmaschine direkt zurück in die glorreichen Siebziger. Und damit machten sie an diesem Abend so gar nichts falsch, sondern – im Gegenteil – alles richtig. Der Gesang von Will Kelly weckte mehr als nur zarte Erinnerungen an die legendären DOORS (Glenn Danzigs Tage als Jim Morrison-Soundalike sind hiermit offiziell abgelaufen!), und auch der Rest des Sounds schlug eindeutig in die selbe Kerbe. Lediglich die Hammond-Orgel wurde ersetzt durch die zweite Gitarre, gespielt von Adam Bufano, die neben den Vocals gleichzeitig das zweite zentrale Element in der Musik der FLYING EYES darstellte. Dank des unermüdlichen Einsatzes von jeder Menge Hall- und Fuzz-Effekten und vor allem des Wah-Wah-Pedals verwandelte sich das gemütliche kleine Venue im Verlauf des insgesamt zweistündigen (!!) Gigs in eine angenehm vertrippte Hippie-Psychedelic-Höhle inklusive elegisch tanzender oder mindestens mit geschlossenen Augen die Mähne schüttelnder Menschen in Schlaghosen. Apropos vertrippt: Vollblutmusiker erkennt man ja gemeinhin daran, dass sie auch in nicht nüchternem Zustand ihre Instrumente und ihr Repertoire aus dem ff beherrschen. Dass THE FLYING EYES ebensolche Vollblutmusiker sind, konnten sie an diesem Abend mehr als deutlich unter Beweis stellen. Von einigen wenigen minimalen Verspielern abgesehen, musizierten sich die vier US-Boys, angespornt von dem begeisterten Publikum, in einen regelrechten Rausch. „We started out with a setlist, but then got lost somewhere in the middle of the show and did a kind of random thing. Must have been the alcohol or the spacecakes we had for breakfast.” So kommentierte Bufano es nach der Show im Plausch mit den Gästen. Im Ernst, wer braucht schon eine Setlist, wenn eine Band auf der Bühne steht, die mit Spontanietäten wie „Jam in G“ oder wahlweise auch „Jam in B“ ihr Publikum bei bester Laune halten kann? Hier ging es um etwas ganz anderes, nämlich einen Abend unter Freunden im Zeichen originärer und fühlbarer Retro-Musik, die einen gekonnten Spagat zwischen spacigem Psychedelic á la HAWKWIND und Swamp-Blues (SIXTEEN HORSEPOWER, anyone?) hinlegte und Band wie Publikum gleichermaßen in seelige Begeisterung zu versetzen vermochte. Nicht nur dem Letztgenannten sondern auch Bassist Mac „I just can’t stop playing“ Hewitt war es zu verdanken, dass nach 90 Minuten noch ein etwa halbstündiger Zugabenblock folgte, der mehr den Charakter einer nicht enden wollenden Jam-Session hatte, Instrumenten-Rochade inklusive. Wer hätte gedacht, dass Drummer Elias Schutzman die Mundharmonika beherrscht, als hätte er niemals etwas anderes gespielt, während Sänger Kelly den langsamen Blues am Schlagzeug vorgab? Ein wenig machte es den Eindruck, als wäre die Band selbst positiv überrascht von sich.

Fazit: ein großartiges Konzert einer fantastischen und obendrein sehr sympathischen jungen Band, die den Geist der Siebziger offensichtlich genüsslich inhaliert und verinnerlicht hat und gleichzeitig den Beleg lieferte, wo der heutige, viel beschriene Stoner Rock in Wahrheit seine Wurzeln hat. Vielen Dank und bis zum nächsten Mal.

Copyright Fotos: Wiebke Tamke

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