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THE GASLIGHT ANTHEM – SELIG (ZELTFESTIVAL RUHR 2013)

Ort: Bochum - Kemnader See

Datum: 20.08.2013

Seit mehr als 20 Jahren treibe ich mich nun auf Konzerten herum und habe in dieser Zeit auch unzählige Festivals unterschiedlichster Art kennengelernt. Zunächst als Gast und Fan und seit fast 10 Jahren auch als Fotograf und/ oder Redakteur. Und gerade wenn man denkt, man habe schon alles gesehen, war auf umsonst und draußen Festivals jeglicher Größe sowie kommerziellen Festivals aller Genres und mit den unterschiedlichsten Konzepten, dann wird man noch einmal so richtig überrascht.

So geschehen gestern bei unserem ersten Besuch des Zeltfestivals Ruhr am Kemnader See in Bochum. Hier wurde auf 25.000qm eine eigene kleine Zeltstadt geschaffen. Für den geringen Eintritt von 3 Euro kann man in der Woche von 17 bis 24 Uhr und am Wochenende von 12 bis 24 Uhr auf das Gelände kommen und dem Alltag entfliehen. Der Terrorverlag war als Musikmagazin natürlich am gestrigen Dienstag vorwiegend wegen des musikalischen Angebotes vor Ort. Im Stadtwerke-Zelt sollten SELIG auftreten und 90 Minuten später dann THE GASLIGHT ANTHEM im weitaus größeren Sparkassen-Zelt folgen.

Da wir jedoch frühzeitig ankerten, waren hatten wir noch etwas Zeit, um das Gelände zu erkunden. Aufgrund der Vielzahl an Möglichkeiten und unterschiedlichen Angebote reichte diese jedoch bei weitem nicht aus. Auf einem großen „Markt der Möglichkeiten“ gab es eine große Auswahl an verschiedensten Angeboten, die von Kunstherdwerkern überwiegend im Bereich Design und Kunst, aber auch Lebensmitteln und Getränke reichten. Hier gab es einige mehr oder weniger außergewöhnlich Dinge zu bestaunen, die man eben nicht in jedem Geschäft findet.

Das gleiche galt für den großen Gastronomiebereich, bei dem in Pagodenzelten die unterschiedlichsten kulinarischen Genüsse angeboten wurden. Von der ganz profanen Currywurst (ohne die wahrscheinlich im Ruhrgebiet gar nichts geht) bis zu erlesenen Fischgerichten und Spezialitäten aus aller Herren Länder. In diesem Zusammenhang ist das umweltfreundliche Konzert erwähnens- wie lobenswert. Man bestreitet das gesamte Festival zu 100% mit Ökostrom und im gastronomischen Bereich verzichtet man komplett auf Einweggeschirr. Das hat zwar zur Folge, dass man auf das Geschirr Pfand bezahlen und diesen später wieder einlösen muss, verhindert aber eine große Menge an Müll.

SELIG

Gestärkt ging es dann also zum ersten Konzert in das Stadtwerke-Zelt, das ca. 2000 Personen fasst. Zum nun anstehenden Konzert von SELIG waren leider nur ca. 800 Fans gekommen, so dass die Location ungefähr zur Hälfte gefüllt war. Der Stimmung tat das keinen Abbruch, denn als Jan Plewka mit seiner Band pünktlich um 19.00 Uhr die Bühne betrat, wurde er von großem Jubel empfangen. Die Band begann stark mit „Ich lüge nie“ und „Sie scheint“ und brachte das Publikum trotz angenehmer Außentemperaturen schnell auf Betriebstemperatur. Wer SELIG und insbesondere Jan Plewka schon einmal live erlebt hat, der weiß, dass dieser Vollblutmusiker ist und bei jeder Show vollkommen in seiner Musik aufgeht. Dementsprechend wurde auch keine halbherzige Show abgeliefert, nur weil das Zelt nicht ausverkauft war. Im Gegenteil: SELIG gaben sich den kommen fast 90 Minuten alle Mühe, den anwesenden Fans ein möglichst perfektes Konzerterlebnis zu bieten.

Die Setlist ließ nur wenige Wünsche offen, der Schwerpunkt der für diesen Tag ausgewählten Songs lag dabei aber auf der zweiten Phase und es überwogen Lieder der letzten 3 CDs „Von Ewigkeit zu Ewigkeit“, „Und endlich unendlich“ sowie der neuesten CD „Magma“, doch auch alte Klassiker wie das gefeierte „Sie hat geschrien“ oder „Wenn ich wollte“ durfte nicht fehlen. Egal ob die Band dabei schnelle Stücke spielte oder langsamere wie „Der Tag wird kommen“, das mit einem monotonen Rhythmus begann, bei dem man sich, so Plewka, vorstellen müsse, am Hamburger Hafen den Dieselmotoren der Frachtschiffe zu lauschen, die Fans sangen textsicher und lauthals alles mit. Als lautstark eingeforderte Zugaben durfte dann natürlich „Ohne Dich“ nicht fehlen, bevor sich SELIG quasi mit dem Versprechen „Wir werden uns wiedersehen“ verabschiedeten. Die meisten anwesenden Fans dürften dem nur zugestimmt haben. SELIG waren, sind und werden immer eine überzeugende Live-Band bleiben.

Setlist SELIG
Ich lüge nie
Sie scheint
Schau schau
Wenn ich an Dich denke
Ist es wichtig?
Der Tag wird kommen
Bring mich heim
5000 Meilen
Magma
Von Ewigkeit zu Ewigkeit
Alles auf einmal
Die alte Zeit zurück
Sie hat geschrien
Wenn ich wollte

Ohne Dich
Wir werden uns wiedersehen

THE GASLIGHT ANTHEM

Zeit zum Verweilen blieb uns keine, denn im Sparkassen Zelt ging es direkt mit der nächsten grandiosen Liveband weiter. Leider gab es hier einen ähnlich Anblick wie zuvor bei SELIG. Nur alles eine Nummer größer, denn im 5000 Personen fassenden Zelt hatten sich um die 1500 Fans eingefunden, um THE GASLIGHT ANTHEM aus New Brunswick zu sehen.

Diese versammelten sich aber glücklicherweise allesamt direkt vor der Bühne und hießen BRIAN FALLON und seine Bandgefährten, die live von einem Tour Gitarristen verstärkt wurden, herzlich und ebenfalls mit großem Jubel willkommen. Dafür wurden sie gleich beim Opener des Konzertes mit „Handwritten“ dem Titeltrack der aktuellen CD, die es in Deutschland auf einen beachtlichen Platz 2 der Charts geschafft hatte, empfangen. Der Titel sagt dann auch schon eine Menge über die Band aus. THE GASLIGHT ANTHEM sind nicht die typischen Rockstars, die Bühne war schlicht gehalten, lediglich mit einem großen Backbanner mit Totenkopf und Bandnamen versehen sowie einer Menge Fußballschals von Werder Bremen und Co. an den Boxen (was auch immer es nun damit auf sich hatte). Ebenso schlicht im positiven Sinne ist auch die Musik der Band, gerade heraus und auf dem Boden geblieben und damit klischeemässig perfekt zum Ruhrgebiet passend. Ohne weiteren Schnickschnack stellten THE GASLIGHT ATHEM klar, warum sie da waren: „We came to dance“ und die Fans spielten dabei gerne mit.

Nach dem furiosen schnellen Beginn des Sets zeigten THE GASLIGHT ANTHEM dann aber auch, dass sie ebenso die etwas leiseren Töne beherrschten. Im Vordergrund dabei die ganze Zeit (ohne sich jedoch in den Vordergrund zu drängen) BRIAN FALLON, der zwischen den Songs meist immer etwas schüchtern und zurückhaltend wirkte, nur um dann wieder spitzbübisch grinsend seine kleinen Späßchen mit dem Publikum zu machen. Sobald aber der Song und der Gesang begannen, ging auch BRIAN FALLON genau wie zuvor JAN PLEWKA vollends in der Musik auf und sang mit verzerrtem Gesicht mitleidend seine Songs. Die Band spielte dabei immer kraftvoll und ambitioniert mit, hielt sich aber vornehm etwas im Hintergrund. Übertragen wurde die Show zusätzlich auf 2 Großleinwänden zu beiden Seite der Bühne, die man nicht unbedingt benötigt hätte, die bei ausverkauften Konzerten aber auf jeden Fall eine großen Bereicherung für das weiter hinten stehende Publikum sind.

THE GASLIGHT ANTHEM spielten über eine Stunde eine muntere Mischung ihrer größten Hits und beendeten ihr reguläres Set mit dem großartigen „American Slang“. Natürlich durfte auch bei THE GASLIGHT ANTHEM die Zugabe nicht fehlen und die Band kehrte noch einmal zurück um 3 weitere Songs zum Besten zu geben und dann nach 90 Minuten Spielzeit ihre Fans in die doch recht kühle aber immerhin trockene Spätsommernacht und das Gelände des Zeltfestivals zu entlassen.

Noch bis zum 01. September ist das Zeltfestival Ruhr geöffnet und hat noch einige weitere Highlights zu bieten. Ein Besuch auch ohne konkretes Konzert lohnt sich allemal, wer sich über die genauen Angebote und Veranstaltungen informieren möchte kann dies auf der eigens angelegten Homepage tun:
www.zeltfestivalruhr.de/

Setlist THE GASLIGHT ANTHEM
Handwritten
We came to dance
Mulholland drive
Howl
Biloxi parish
45
Halloween
Blue Dahlia
Old haunt
Too much blood
The patient ferris wheel
Blue jeans & white t-shirts
Wherefore art thou, Elvis?
The queen of lower Chelsea
I could´da been a contender
Here comes my man
Great expectations
American slang

The diamond church street choir
She loves you
1930

Copyright Fotos: Karsten Rzehak

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