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THE GASLIGHT ANTHEM – THE PLEA

Ort: Bielefeld – Ringlokschuppen

Datum: 06.07.2013

Nur wenige Bands sind in den letzten Jahren so durch die Decke gegangen wie einige Herren aus New Brunswick, die gemeinhin unter der Bezeichnung THE GASLIGHT ANTHEM bekannt sind. Sah ich sie beispielsweise 2008 noch als Teil eines VISIONS-Packages (u.a. neben FOTOS) vor vielleicht 300 Zuschauern, bespielen sie 5 Jahre später schon Hallen der mittelgroßen Kategorie mit vierstelliger Kapazität. Dazu zählt bekanntlich auch der Bielefelder Ringlokschuppen, der an diesem warmen (ja tatsächlich war der Sommer auch in OWL eingezogen) Samstagabend zu den wenigen Nicht-Festival Locations der deutschen Tour zählte. Entsprechend groß war der Andrang des weitgefächerten Auditoriums, einige schwerst tätowierte HC-/ Emo Kids, viele junge Mädels (die später die vorderste Front bildeten), Studenten, altgediente Rocker, Indie-„Nerds“- sie alle bildeten einen mehr als würdigen Rahmen für das Event, welches freilich zunächst von der obligatorischen Vorgruppe eingeleitet wurde.

Dieser hörte auf den Namen THE PLEA (gleich „Appell“, „Einspruch“, „Plädoyer“), entstammt dem schönen Irland und fabriziert eine (Indie) rockige Mischung aus U2 und COLDPLAY mit vielen Breitwandigen Elementen sowie einer gehörigen Portion Pathos. Neben einer EP („Nothin‘ but trouble“) erschien jüngst der Debüt Longplayer „The Dreamers Stadium“, der zugegebenermaßen in meinem großen Promo-Schrank untergegangen ist. Ebenso zugegebenermaßen zu Unrecht, denn das, was die Band um die Brüder Doherty da zu Gehör brachte, war durchaus überzeugend. 8 Songs (alle vom erwähnten Album), mal treibend à la ältere U2, dann wieder emotional durchtränkt im COLDPLAY-Stil. Das Ganze mit erst 2, dann später 3 Gitarren, als der charismatische Sänger Denny noch eine Akustik-Klampfe auspackte. Der Rest der Band verblieb eher funktional statisch, sorgte aber für einen vielschichtigen Sound, in dem allenfalls die Keyboards etwas zu dominant erschienen. Die Stücke kamen aber allesamt gut an, gegen Ende wurde sogar mitgeklatscht und insbesondere dem weiblichen Publikum dürfte der melancholische Rock-Sound gefallen haben.

Setlist THE PLEA
Praise Be
The Odyssey
Feel It Ticking
Oh Ah Yay
Too Young To Die
Out Like A Light
Glass Waltz
Staggers Anthem

Bevor auch die Jungs richtig abgehen konnten, verstrich eine vergleichsweise lange Umbaupause, die schlussendlich die Bühne ohne großen Schnickschnack präsentierte, lediglich ein großer „Skull-Gaslight“-Backdrop war angebracht worden. Aber bei THE GASLIGHT ANTHEM handelt es sich ja auch um eine (Achtung: Es folgen Klischees!) erdige, authentische Band, die ohne große Effekte auskommt. Zu sechst präsentierte man sich der Bielefelder Zuschauerschar, neben der Stammbesetzung um Fronter Brian Fallon kam auch Tourgitarrist Ian Perkins zum Zuge, der den kompletten Gig über (Kaugummi?)-kauend musizierte. Gleich der Eröffnungsdreier kam furios aus den Boxen: Man ballerte mal so eben die 3 Titeltracks der letzten Alben ins Auditorium. Kann sich auch nicht jeder leisten. „Handwritten“, das aktuelle Werk der Amis, landete in Germany immerhin auf Rang 2 und wird meiner bescheidenen Meinung qualitativ nach nur noch vom 2tling/ Durchbruchs-Werk „The 59‘ Sound“ überboten. Nach dieser musikalischen Breitseite kam Brian erstmal ins Labern, was sich später aber nur noch selten fortsetzte. So gehöre er nicht zu den Sängern, die Standard-Mitsingspiele einfordern, bei ihm müssten die Reaktionen direkt und (sic) authentisch sein. Womit er beim Publikum offene Türen einrannte, ganze Refrains wurden übernommen, die Stimmung war von Anfang an bestens. Herr Fallon ist ja überzeugter Christ, in diesem Zusammenhang fand ich die Aussage „Swear to Jesus, and in the case you don’t believe in him, swear to someone else“ ganz bemerkenswert. Ist also nicht dogmatisch der Kerl. Weiter ging es durch eine buntgemischte Setlist aller Alben, bei der auch das Longplay Debüt „Sink or Swim“ bedacht wurde („The Navesink Banks“, „1930“). Nicht zu vergessen eine fulminante Cover-Version der allseits beliebten RAMONES in Form von „Gonzo goes to Bitburg“. In meinem näheren Umfeld war ein lockenköpfiger, schon etwas älterer Rockfan im roten Shirt so in Wallung, dass er sich alsbald in Ekstase tanzte – das alles aber schön friedlich genau wie die bald gesichteten Crowdsurfer. Keine Frage, die Mischung aus SPRINGSTEEN, Punk und Folk Rock funktioniert und trifft mit ihren eingängigen aber seltenst billigen Rhythmen den Nerv einer breiten Zuhörerschaft. Fallon und seine Mannen schien selbst begeistert und ließen es sich auch nicht nehmen, ein Foto von der Bühne zu schießen für die hauseigene Sammlung.

So ging es schlussendlich natürlich in eine viel geforderte Verlängerung, bei der es dann noch mal Palaver gab und ein wenig mit den ersten Reihen geshakert wurde, in der auch eine St.Pauli-Flagge zum Einsatz kam. Gleich 5 Tracks beinhaltete die Zugabe, die noch mal sämtliche Facetten des TGA-Sounds repräsentierte: hymnisch, melancholisch, treibend und hin und wieder auch mal ruhig bediente man weit-gefächerte Gefühlswelten. Dazu wurde noch Gitarrist Rosamilia zum Bockspringen missbraucht, und vollbracht war ein mitreißender Gig von 6 Jungs, die den Spagat zwischen Coolness und Down-To-Earth-Attitüde bis heute erfolgreich stemmen. In Kombination mit dem guten Support ein wirklich herausragendes Konzerterlebnis dieses schon wieder halb-fertigen Jahres 2013.

Setlist THE GASLIGHT ANTHEM (ohne Gewähr)
Handwritten
The ’59 Sound
American Slang
Biloxi Parish
45
Blue Dahlia
Bonzo Goes To Bitburg (RAMONES cover)
Howl
The Navesink Banks
1930
Here Comes My Man
Too Much Blood
Great Expectations
Keepsake

Mulholland Drive
The Queen of Lower Chelsea
We Came to Dance
Here’s Looking at You, Kid
The Backseat

Copyright Fotos: Karsten Thurau

1 Kommentar

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