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THE HIVES – HERRENMAGAZIN

Ort: Bremen - Pier 2

Datum: 28.03.2008

THE HIVES sind zu einer kleinen, aber feinen Tour nach Deutschland gekommen, während der sie neben Saarbrücken, München und einem Festival-Gig in Köln auch Bremen auf ihrem Zettel hatten. Im Stadtstaat waren die Schweden vor drei Jahren schon einmal und haben ihre norddeutschen Fans wohl in guter Erinnerung behalten, so dass sie erneut ihren knackigen Garage Rock an der Weser zum Besten geben wollten. Sehr zur Freude von etwa 2000 jungen Musikbegeisterten, die zunächst Bekanntschaft mit HERRENMAGAZIN aus Hamburg machten.

Die vier Protagonisten dieser Combo zweifelhaften Namens starteten um 20.15 Uhr flott durch, immerhin hatten sie am gleichen Abend noch ein zweites Konzert in ihrer Heimatstadt zu bestreiten und waren so etwas in Eile. Musikalisch boten sie mit „Der längste Tag“ oder „Atzelgift“ Schrammel-Indierock Hamburger Prägung, der hervorragend zu KETTCAR passt, mit denen HERRENMAGAZIN Ende April/ Anfang Mai noch unterwegs sein werden. Offensichtlich kamen Deniz Jaspersen, Philip Wildfang, Rasmus Engler und Paul Konopacka hervorragend beim Auditorium an, denn bereits beim eher verhaltenen „Lichter der Stadt“ hatte sich ein respektabler Mosh Pit gebildet. Sehr schön auch das Zwiegespräch zwischen Gitarre und Bass bei „1000 Städte“, bevor mit „Lilly Lametta“ noch mal Tempo gemacht wurde. Die Ende 2004 gegründete Band bot eine unterhaltsame halbe Stunde, die ganz ohne Schlüpfrigkeiten auskam, wie man sie von einem Herrenmagazin womöglich erwartet hätte. Übrigens laufen zzt. die letzten Arbeiten am Debütalbum „Atzelgift“, das noch in diesem Halbjahr erscheinen soll.

Nun hieß es noch eine kleine Umbaupause überstehen, bevor es heiß werden sollte. Um 21.15 Uhr kündigte ein gesprochenes und Instrumentalintro die Ankunft der sweeten Schweden an. Wer bis dato noch nicht wusste, bei welcher Band er überhaupt vorstellig geworden war, konnte dies vermittels eines riesigen roten Neon-Schriftzuges im Bühnenhintergrund nachlesen und dann war es auch schon so weit: Die letzten Orgelklänge waren verklungen und in ihren maßgeschneiderten schwarzen Anzügen mit weißen Paspelierungen an Revers und Taschen und schwarz-weiß gestreiften Krawatten enterten Sänger Pelle Almqvist, sein Bruder und Gitarrist Nicholaus Arson, „Vigilante Carlstroem“ (Mikael Karlsson Åström) an der zweiten Gitarre, Bassist „Dr. Matt Destruction“ (Mattias Bernvall) und Drummer „Chris Dangerous“ (Christian Grahn) die Stage und legten mit „Hey Little World“ vom aktuellen sechsten Album „The Black And White Album“ gleich ordentlich los. Vor der Bühne ließ man sich ebenfalls nicht lange bitten und so wurde von der ersten Minute an eine ausgelassene Party im Pier 2 gefeiert. Untermalt wurde das Ganze optisch mit einem Glühbirnenmeer, das den Rahmen bildete für den bekannten THE HIVES-Schriftzug und bei passender Gelegenheit in verschiedenen Variationen funkelte. Das Hauptaugenmerk der Zuschauer dürfte aber auf dem agilen Fronter Pelle gelegen haben, der seine Crowd 100%ig im Griff hatte. Seine „Ladies-“ und „Gentleman“-Rufe wurden den ganzen Abend über enthusiastisch schreiend beantwortet, wobei die Lautstärke bei Männlein und Weiblein in etwa ausgewogen war. Tatsächlich dürfte die Damenwelt jedoch stärker vertreten gewesen sein, aber Kerle können halt einfach besser brüllen… Bereits bei „A Little More For Little You“ vom 2004er Smasher „Tyrannosaurus Hives“ bearbeitete Christian seine Felle nur noch mit einem Hemd bekleidet und auch Mattias hatte sich seines Sakkos entledigt – ohne Zweifel floss auch auf der Bühne der Schweiß in Strömen. Einen ersten Höhepunkt erlebte Bremen beim folgenden „Walk Idiot Walk“ vom gleichen Silberling. Der Song wurde mit heftigem Klatschen und wildem Tanz begrüßt, während Pelle in seinen weißen Schuhen über die Stage stolzierte. Überhaupt war „Howlin“ Pelle einmal mehr ein Meister der Selbstinszenierung und ließ sich ausgiebig feiern. Mit „Die, All Right“, das der Langrille „Veni Vidi Vicious“ entnommen wurde, mit der THE HIVES im Jahr 2000 riesige Erfolge feierten, setzte es auch die Aufforderung an die Anwesenden, ab sofort nach jeden Stück zu kreischen. Dem kamen die Bremer natürlich gern nach, genauso, wie sie nicht müde wurden, die „Ladies“- und „Gentleman“-Rufe zu beantworten. Zwischenzeitlich hatte der Dresscode der Jungs aus dem Industriekaff Fagersta ziemlich gelitten, nur noch Nicholaus agierte vorbildlich in Schlips und Kragen, der Rest hatte sich Marscherleichterung verschafft. Es sei ihnen verziehen, schließlich war Freitag Abend und es sollte nicht nur im Auditorium gefeiert werden. Bei „Diabolic Scheme“ suchte Pelle die Nähe zu seinen Fans und trieb sich im Graben rum, nachdem er vorher mit der Taschenlampe eines Ordners Morsezeichen gegeben hatte. Zu „You Dress Up For Armageddon“ erstarrte die Kapelle minutenlang in ihrer Bewegung – inzwischen auch ein fester Bestandteil ihrer Show. Passenderweise hakte es beim Runterzählen zu „Two-Timing Touch And Broken Bones“ bei der Zwei, was vom Publikum nur mit begeistertem und ausgelassenem Tanzen quittiert werden konnte. Es folgte Pelles Ansage, man werde nun die Bühne mit Dynamit in die Luft jagen, was natürlich als Ankündigung der letzten Single „Tick Tick Boom“ verstanden werden durfte und gleichzeitig auch den letzten Song des regulären Sets markierte. Eine Stunde war wie im Flug vergangen und THE HIVES hatten einmal mehr bewiesen, dass sie zu den besten Liveband überhaupt gehören, doch das konnte unmöglich alles gewesen sein. Und so erschien zunächst nur Chris Dangerous und trommelte „Bigger Hole To Fill“ ein, bevor der Rest der Truppe ebenfalls wieder mit von der Partie war. Was wäre ein THE HIVES-Konzert ohne den Überhit „Hate To Say I Told You So“? Damit brachten die Skandinavier die Halle dann endgültig zum Überkochen, was Pelle mit einem weiteren Abstecher in den Graben höchstpersönlich kontrollierte. Blieb noch „Return To Favour“, mit dem sich das energiegeladene Quintett von seinen erschöpften, aber glücklichen Fans verabschiedete. Pelle knöpfte eigens noch sein Hemd ein wenig weiter auf und formte mit den Händen ein Herz, um seine Gefühle zum Ausdruck zu bringen, dann gab’s noch mal eine Ladung Drumsticks, die ebenso wie die zahlreichen Plektren, die Nicholaus während des Gigs ins Plenum geworfen hatte, sicher einen Ehrenplatz bekommen werden.

Ohne Zweifel ein rundum gelungener Auftritt! THE HIVES sind ganz einfach eine begnadete Live-Kapelle, deren Spielfreude man sich unmöglich entziehen kann. Wer im Pier 2 nicht spätestens zu „Walk Idiot Walk“ getanzt hat, war entweder taub oder gehbehindert. Auch 15 Jahre nach ihrer Gründung lassen es THE HIVES immer noch krachen, sehr zur Freude ihrer Fans!

Setlist THE HIVES
Hey Little World
Main Offender
Try It Again
A Little More For Little You
Walk Idiot Walk
No Pun Intended
Square One Here I Come
Die, All Right!
Won’t Be Long
Diabolic Scheme
You Dress Up For Armageddon
You Got It All Wrong
Two-Timing Touch And Broken Bones
Tick Tick Boom

Bigger Hole To Fill
Hate To Say I Told You So
Return The Favour

Copyright Fotos: Karsten Rzehak

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