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THE OCEAN – KODIAK

Ort: Dortmung - FZW

Datum: 07.06.2010

Mit viel Vorfreude im Gepäck wurde an einem sommerlichen Montagabend das FZW in Dortmund aufgesucht, um den Wochenanfang gebührend mit den progressiv lärmenden Metal-Innovatoren von THE OCEAN zu beginnen. Doch bevor der geneigte Musikfan seine Hauptmahlzeit einnehmen konnte, hieß es zuerst durchzuhalten und den aus Bochum stammenden Supportact namens KODIAK zu überstehen! Das Trio enterte um 20.30 Uhr die Kunstnebelverhangene Bühne des Clubs im FZW um den Anwesenden ihr komplett ohne Gesang auskommendes Süppchen aus Experimental, Ambient und Rock vorzusetzen. Dachte man anfangs noch, die Combo würde als Einstieg in ihr Set ein stimmungsvolles und düsteres Intro erklingen lassen, machte sich nach einigen Minuten Ernüchterung breit und die Gewissheit, dass hier schon der erste und auch einzige Song zum besten gegeben wurde! So war es dann ein Instrumentalmix aus wabernden Sounds und doomig angehauchten Riffs, der klare Songstrukturen höchstens in weiter Ferne erahnen ließ und von den Musikern mit stoischer Anmutung dargeboten wurde. Dazu passend fand keine Kommunikation mit dem Publikum statt, was bei mir einfach nur ein Gefühl der Langeweile aufkommen ließ und meine Vorfreude auf den Hauptact nur noch steigerte! Nach gut 45 Minuten war dann Schluss und mir kam es so vor, als wäre ein Aufatmen in den Reihen der Zuschauer zu vernehmen gewesen. “Den Sänger fand ich am besten!“ war dann ein humorvoller und passender verbaler Einwurf eines Zuschauers, während die Musiker von KODIAK unter Höflichkeitsapplaus (immerhin!) die Bühne verließen!

Nach einer Umbaupause, die ich nutzte, um vor dem FZW noch etwas von der Dortmunder Abendsonne zu erhaschen, legten endlich die Jungs von THE OCEAN mit ihrem Auftritt los! Da ich die Band bereits zwei Mal live erlebt hatte und diese sich beide Male als Garant für ein fantastisches Liveerlebnis erwiesen hatten, war ich besonders gespannt, wie sich der neue Sänger Loic Rosetti ins Bandgefüge einbringen würde. Wobei bei THE OCEAN der klassische Band-Begriff als solches nur bedingt zutrifft, da sich die musikalische Zusammenrottung, zusammengehalten durch den in Berlin lebenden Mastermind und Gitarristen Robin Stabs, bis dato eher als Kollektiv verstand! Doch seit der “Precambrian“ CD kristallisierte sich anscheinend doch immer deutlicher eine mehr oder weniger feste Besetzung heraus. Diese Besetzung war es dann auch, die nach dem Intro der aktuellen Veröffentlichung „Heliocentric“ eine durch die Lightshow in warme Rot-Töne versetzte Bühne mit dem ersten Song namens „Firmament“ mit Leben füllte. Sofort fiel die Bewegungsfreude der Musiker auf, welche besonders durch den wild agierenden und moshenden Gitarristen Jonathan Nido getragen wurde, der sich auch im weiteren Verlauf des Konzerts als einer der Aktivposten erweisen sollte. Doch auch der Rest der Truppe strahlte Spielfreude aus und als der Set mit „The first commandmentof the Luminaries“ weitergeführt wurde empfand ich es als wahre Wohltat nach der doch ziemlich anstrengenden Vorband diese Darbietung genießen zu dürfen. Besonders hervorzuheben war die passend zu den Songs abgestimmte Lightshow, deren zentrales Element eine im Backdrop befindliche Leinwand war, auf der Bilder und Filmeinspielungen die Show noch untermauerten und für ordentlich Atmosphäre sorgten. Herr Stabs und seine tight aufspielenden eidgenössischen Mitstreiter führten das Publikum so im weiteren Verlauf durch ein Best of Programm der beiden letzten Scheiben, wobei schnell ersichtlich wurde, dass Sänger Rosetti den Spagat zwischen cleanem, melodischem Gesang und derbem Gebrüll mit Bravour meisterte. In diesem Punkt konnte er die auf der „Heliocentric“ abgelieferte Leistung auch in der Livesituation bestätigen und scheint sich so als echter Glücksgriff für die Truppe zu erweisen! Das Publikum honorierte die Leistung der Musiker dann auch mit etwas mehr Bewegungsfreude in den ersten Reihen. Der Funke schien nach einigen Songs auf die Anwesenden übergesprungen zu sein und ich war auch erneut durch die musikalische Mischung aus Metal, Prog, Hardcore, atmosphärischen Sounds und den ,in der Livesituation vom „Apfelcomputer“ abgerufenen klassischen Arrangements begeistert. Die Musik von THE OCEAN lebt einfach von der Dynamik, die durch den Wechsel von einerseits brettharten und andererseits melodisch verträumten Parts erzeugt wird: erst warme Pianoklänge und dann wieder die geballte Urgewalt! Als Referenzleistung und eigenes Gesellenstück der Jungs muss an dieser Stelle der im letzten Drittel der Show gespielte Track „Metaphysics of the hangman“ genannt werden. Hier wurde das ganze Können ersichtlich und ich erblickte sogar eine zaghaft tänzelnde Konzertbesucherin in der ersten Reihe! Scheint der „Hit“ des neuen Albums zu sein. Mit ordentlich Dampf auf dem Kessel wurden dem Publikum bis zum Schluss der regulären Spielzeit noch zwei Songs der aktuellen „Heliocentric“ Scheibe vor den Latz gehauen, bis sich ein gut aufgelegter Robin Stabs beim Publikum für dessen Kommen bedankte und er mit seinen Musikerkollegen den Backstagebereich aufsuchte. Da das Dortmunder Publikum trotz des Montagabends noch hungrig auf weitere Stücke war, erschien die Band nach kurzer Zeit, um im ersten Zugabeteil noch den MESHUGGAHlastigen Track „Hadean“ zu kredenzen um schlussendlich bei der zweiten Zugabe zwei ältere Songs zum besten zu geben! So lautet mein Fazit, dass „der Ozean“ ein mal mehr bewiesen hat, wie gut gemachte harte Musik klingen muss und nach gut anderthalb Stunden Spielzeit dürften die Konzertbesucher allesamt zufrieden nach Hause gegangen sein.

Copyright Fotos: Karsten Rzehak

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