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THE RASMUS – FRÄULEIN WUNDER

Ort: Dresden - Alter Schlachthof

Datum: 29.01.2009

Schwarz sind die Rosen und schwarz ist der Himmel über Dresden. THE RASMUS spielen in der sächsischen Metropole – da darf man natürlich nicht fehlen. Also düst das Team im Eiltempo zur Reithalle. Und nun? Kein Mensch da, haben wir was verpasst? Offensichtlich, wie uns der Tourmanager aufklärt – das Konzert findet im Alten Schlachthof statt. Ein Blick in die Tourdaten hätte wohl gereicht – ups.

Also fix durch die halbe Stadt gejagt und eingeparkt: THE RASMUS – wir sind da. Ebenfalls eine ganze Menge Fans, die schon eine halbe Stunde vor dem offiziellen Einlass vor der Halle warten. Dennoch frage ich mich, ob der riesige Schlachthof nicht doch ein wenig zu groß für die Finnen ist. Drinnen angekommen, wird mir diese Frage sofort beantwortet: Ja! Daher ist die Band in die kleine Halle der Location ausgewichen. Übermut tut selten gut, aber das haben in den letzten Wochen schon ganz andere Künstler zu spüren bekommen.

Das gute am Wechsel ist, dass der Raucherbereich nun direkt neben/ vor der Bühne ist, so dass man von überall einen tollen Blick auf die Stage hat. Eröffnet wird der Abend mit den Mädels von FRÄULEIN WUNDER. Obwohl sie noch recht jung an Jahren sind, zeigen sie, dass schon einiges auf der Bühne gelernt haben und so manchen altem Hasen in Punkto Bühnenpräsenz locker das Wasser reichen können. Mit ihrem fröhlichen Pop-Rock und Songs wie „Mein Herz ist Gift für dich“ oder „Fick Dich“ stoßen sie zwar nicht unbedingt überall auf Gegenliebe, aber richtig mies findet es auch keiner. Mal sehen, wann das erste Duett mit TOKIO HOTEL kommt. Chanty am Mikro läuft rum, wie manch einer ins Bett geht – Geschmackssache. Eingängig und radiotauglich ist es allemal, so dass wir von den vier Mädels in Zukunft noch einiges hören und sehen werden. Als nächstes großes Highlight steht der Bundesvision Songcontest auf dem Fahrplan. Ob sie für Hessen den Sieg einfahren können?

So richtig voll ist auch die kleine Halle nicht. Es ist schon ein Phänomen, dass vermeintlich bekannte Bands derzeit mit solch schlechten Ticketverkäufen leben müssen, während so mancher „unbekannter“ Act die Hallen locker voll macht. Hier in Dresden ein besonders auffälliges Merkmal. So machen WELLE:ERDBALL die Reithalle voll, OOMPH! nur so zu gut drei Viertel und THE RASMUS hätten die Reithalle wohl auch lieber anvisiert. Das hätte ein weitaus positiveres Bild abgeben, selbst wenn sie nicht voll gewesen wäre. Schnell noch ein Bier geschnappt und zur Musik aus der Konserve gerockt. Von QUEEN, über MÖTLEY CRÜE, GUNS N’ ROSES und sogar ROBBIE WILLIAMS ist alles dabei – na prima. Endlich sollte es beginnen. Schrei-Alarm ist ausgelöst – Ohren zu!

Mit „Livin’ In A World Without You“ stürmen (oder schleichen) die Finnen die Bühne und rocken sofort munter los. Die Mädels schreien, was das Zeug hält, hüpfen, tanzen und schmachten vor Glück. Sänger Lauri legt sich kräftig ins Zeug, während sich Gitarrist Pauli keinen Zentimeter bewegt. Kilometergeld bekommt er auf keinen Fall – wie festgeklebt hält er Position. Basser Eero macht es da schon besser, wenngleich sich sein Bewegungsdrang auch in Grenzen hält. Mit „Justify“ wird zu Beginn gleich noch ein Song des neuen Albums gespielt, bevor ein buntes Programm aus den letzten fünf Alben gezockt wird. Die Begeisterung der Fans zeigt, dass gerade die neuen Songs live um einiges besser und druckvoller aus den Boxen geblasen werden. Richtig laut wird es natürlich bei den Klassikern wie „In The Shadows“ und „First Day Of My Life“. Textsicherheit ist oberstes Gebot und so hätte Lauri auch daheim in Finnland oder im gemütlichen Tourbus verweilen können. Dann und wann holt Lauri die Akustikgitarre raus – leider kann sie sich doch nur selten durchsetzen, im Zusammenspiel mit der elektrischen Ausgabe zieht sie zu oft den Kürzeren. Aber hey, es sieht gut aus.

Auch wenn der Sound gut und die Stimmung bestens ist, so richtig mag der Funke nicht überspringen. Ist die Zeit der Finnen schon wieder vorbei? Oder ist die Orientierung an den Mainstream in die Hose gegangen? Wenn man die aktuellen Zuschauerzahlen mit denen von vor ein paar Jahren vergleicht, kann man fast zu diesen Schlüssen kommen. Oder ist es doch nur die Wirtschaftskrise? Man kann sich viele Gedanken machen, denn bis auf die gute Musik bleibt wenig hängen. Der Lichtmann versucht ein wenig Abwechslung in das monotone Musiktheater zu bringen – mit Erfolg. Ob das allerdings das singfreudige Publikum bemerkt, bleibt fraglich. Sie feiern, als ob es keinen Morgen gäbe – mit „Guilty“ endet das reguläre Set. Laut bleibt es, denn die Dresdner wollen mehr! Gesagt, getan – THE RASMUS kehren zurück und beenden mit „Sailaway“ die Show. Spaß hat es gemacht – keine Frage. Doch bleibt bei relativ schwach besuchten Shows prominenter Künstler immer ein recht schaler Beigeschmack. Musik und Fans Topp – Bühnenpräsenz Flop. Ganz einfach.

Setlist THE RASMUS
Livin’ In A World Without You
No Fear
In My Life
Justify
F-F-F-Falling
Immortal
Liquid
Your Forgiveness
Ghost Of Love
First Day Of My Life
Not Like The Other Girls
Ten Black Roses
Chill
Live Forever
The Fight
Rakkaus Lauluuu
Guilty

Sail Away

Copyright Fotos: Tine Kersten

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