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THE ROCK 2009

Ort: Dresden - Junge Garde

Datum: 27.06.2009

Qualität statt Quantität ist das Motto von The Rock. Bereits zum dritten Mal geht dieses kleine aber feine Festival an den Start. Leider hat man sich von der wunderschönen Festung Königstein im letzten Jahr verabschiedet und ist in die nicht weniger schöne Junge Garde inmitten Dresdens gezogen. Cleverer Schachzug, oder? Ob es am schlechten Wetter oder doch am Verlust der Einzigartigkeit liegt, kann nicht abschließend erklärt werden, aber es sind bedeutend weniger Fans am Start als noch vor einem Jahr. Vielleicht sind auch SUBWAY TO SALLY im Moment nicht das richtige Zugpferd. Immerhin haben sie erst vor einigen Wochen eine ausgedehnte Deutschland-Tour absolviert. Egal, rein in das leicht verregnete Amphitheater der Jungen Garde.

Leider hat man es verpasst, die Berliner von LUCIA BURNANA vorher anzukündigen, so dass jeder pünktlich anwesende Gast nur noch den Rauch der Jungs und Mädels zu sehen bekommt. Schade!

Pünktlich um 17 Uhr startet mit FEJD der offizielle Teil des Programms. Nordic Folk aus Schweden kommt eigentlich immer gut und so beginnen die Jungs mit manch fröhlicher Melodie aus ihrem Debütalbum „Storm“. Leider kommen die Zuschauer bei solch regnerischem Wetter noch nicht so richtig unter ihren Regenschirmen hervor. Die Jungs rund um das Brüderpaar Rimmerfors geben lecker Muckenfutter, doch die Weitläufigkeit der großen Jungen Garde macht der Stimmung einen Strich durch die Rechnung. Da können sie auch noch sonst wie viele Hurdie-Gurdies, Bouzoukis und andere folkloristisches Instrument auf die Bühne packen, auf der Festung Königstein hätte es einfach besser gepasst. So sahen sie ein wenig verloren aus, auch wenn es musikalisch alles Hand und Fuß hat und für manch schwingendes Tanzbein gesorgt hat.

Ganz anders bei den alten Recken von TANZWUT. Hier weiß jeder vorher schon, was kommen wird und genau das bekommt man auch. „Ihr wolltet Spaß“ (den könnt ihr haben) schreit Teufel in die tobende Masse, die bei Songs Marke „Meer“ oder „Auferstehung“ mächtig abfeiert. Zwar unterscheidet sich das Programm nur in Bruchteilen vom Auftritt auf dem Zita Rock – stören tut sich daran hier und heute aber keiner. Nach dem eher ruhigen Auftritt von FEJD bekommen nun die starken Stromgitarren ihren verdienten Platz und vertreiben bei „Lügner“ oder „Vulkan“ die schlechte Laune wie im Flug. Langsam erscheint auch ein etwas hellerer Himmel am Horizont. Offensichtlich sind TANZWUT genau die Band, die es braucht, um Schlechtwetterwolken zu beseitigen. Wenn man diesen Auftritt mit dem Mega-Geklotze CANTUS BURANUS vergleicht, dann sieht man schnell, wo die Stärken der Formation liegen. Energisch, rockig, verspielt und immer gerade aus – das sind die Attribute, die zum langatmigen CANTUS BURANUS irgendwie nicht passen. Also lasst die Kostüme im Schrank und beeilt euch mit einem neuen TANZWUT-Album. „Bitte bitte“ sag ich zwar nicht, plauzt aber wie bei jedem TANZWUT-Gig aus den Boxen. Feine Nummer, macht einfach immer Spaß. Zum Abschluss erklingt „Schattenreiter“, bevor der Teufel und seine Schar die Bühne dem nächsten Act übergeben.

Und der lässt sich ebenfalls nicht Lumpen: die Finnen von THE 69 EYES rocken nach gewohntem „Lost Boys“-Intro mit Krachern wie „Framed In Blood“, „Don’t Turn Your Back On Fear“, „Never Say Die“ und „Gothic Girl“ ordentlich vorwärts. Der gute Jyrki69 wirkt zwar stellenweise leicht verpeilt, als er beispielsweise „Don’t Turn Your Back On Fear“ als „Never Say Die“ ankündigt, aber das tut der guten Stimmung keinen Abbruch. Oder wie Kollegin Nadine es so treffend zum Ausdruck bringt: der Mob tobt! Nach dem anschließenden „Rocker“ macht Jyrki69 Appetit auf das Ende August erscheinende Album „Back In Blood“, zum Besten geben tut die Band leider trotzdem keinen der taufrischen Songs. Stattdessen gibt es Titel älterer Baujahre, wie „Betty Blue“, „Sister Of Charity“ und „Feel Berlin“. Jyrki69 danct hierzu in gewohnter Manier wahlweise im Moonwalk-Style oder Steptanz quer über die umjubelte Bühne. Auch seine Kollegen sind mittlerweile ordentlich in Fahrt gekommen: Während Archzie mit vereinzelten Besucherinnen flirtet was das Zeug hält, heizt Timo den Massen so richtig am Bühnenrand ein. Auch Jussi und Bazie rocken die Wurst vom Tisch. Zu Stücken wie „Perfect Skin“, „The Chair“, „Brandon Lee“ oder „Dance d’Amour“ serviert der Frontmann der finnischen Formationen den Fans einen wilden Cocktail aus nackter Haut und ordentlicher Sonnebrillen-Action. Den Abschluss macht nach einer guten Stunde „Devils“, das die Fans in einer beinahe Ekstase zurück lässt.

Setlist THE 69 EYES
Framed In Blood
Turn Your Back On Fear
Never Say Die
Gothic Girl
Rocker
Betty Blue
Sister Of Charity
Feel Berlin
Perfect Skin
The Chair
Brandon Lee
Dance d’Amour
Devils

Nach halbstündiger Umbaupause folgt dann schließlich der Headliner des Abends: Subway TO SALLY. Schon bevor die Band überhaupt die Bühne entert, ertönen die nicht unüblichen „Julia und die Räuber“-Chöre aus der Menge. So ist der Jubel dann auch groß, als die Band zu einem recht schwachen Intro von der Bühne Besitz ergreift. Gleich zu Anfang gibt es natürlich Pyroeffekte und Feueraction, was aber leider doch nicht vollständig über die Tatsache hinwegtröstet, dass die 90-minütige Show der Formation um Frontmann Eric Fish wenig Neues zu bieten hat. Bei Songs wie „Meine Seele brennt“, „Aufstieg“, „Besser, du rennst“ und „Knochenschiff“ rocken SUBWAY TO SALLY wie gewohnt vor sich hin. Eric Fish heißt die Fans in seiner „Lieblingsstadt Dresden“ willkommen und verrät auch gleich, dass es seit 15 Jahren sein Traum war, „einmal in der Jungen Garde zu spielen“. Nun denn, Traum erfüllt. Weiter geht es mit „So fern, so nah“, „Judaskuss“, „Veitstanz“ und dem unvermeidlichen Klassiker „Kleid aus Rosen“. Währenddessen tut sich an der Absperrung zum Backstage-Eingang so einiges: Nacheinander laufen alle Mitglieder der 69 EYES auf und geben den in einer großen Traube versammelten Fans eifrig und ausführlichst Autogramme und lassen sich fotografieren. Mitten in dieses interessante Szenario am Rande, beichtet Eric Fish, dass er Massen nur mag, wenn er auf der Bühne steht und ansonsten lieber für sich ist. Passend zu dieser Ansage folgen „Einsam“ sowie „Eisblumen“ und „Falscher Heiland“. Beim zwölften Song schließlich ein definitives Highlight der Show: Zu den Klängen von „Mephisto“ kann der geneigte Zuschauer eine Triple Neck-Gitarre in Aktion bewundern und außerdem Eric Fish beim Feuer spucken bestaunen. Nach „Tanz auf dem Vulkan“ und dem Bundesvision Song Contest-Hit „Auf Kiel“ verabschieden sich STS zunächst von den Fans. Letzteres kündigt Eric Fish mit durchaus fragwürdigen Worten an, die im Publikum auf einigen Widerstand stoßen: Er meint, das folgende Lied sei mittlerweile aus Funk und Fernsehen bekannt und dürfte in der Zwischenzeit sogar im „Tal der Arbeitslosen“ angekommen sein. Nachdem in der Masse zahlreiche Buh-Rufe aufkommen, entschärft er das Gesagte als angeblichen Witz, „den man doch mal machen darf“. Nichtsdestotrotz kommen, kaum das SUBWAY TO SALLY die Bühne verlassen haben, natürlich die ersten Zugabe-Rufe sowie „Julia und die Räuber“-Gesänge auf. Die Band lässt sich nicht lange bitten, und gibt mit „Ohne Liebe“, „Sieben“ und schließlich auch „Julia und die Räuber“ die erhofften Zugaben. Bei letzterem kennt der Enthusiasmus der Menge fast keine Grenzen, so klar tönt der Gesang durch die Junge Garde. Vereinzelte Glühwürmchen bahnen sich ihren Weg durch den nächtlichen Park und Johnny Cash begleitet die Zuschauer mit den passenden Zeilen „We’ll meet again my friend“ auf ihrem Weg nach Hause.

Setlist SUBWAY TO SALLY
Meine Seele brennt
Aufstieg
Besser, du rennst
Knochenschiff
So fern, so nah
Judaskuss
Veitstanz
Kleid aus Rosen
Einsam
Eisblumen
Falscher Heiland
Mephisto
Tanz auf dem Vulkan
Auf Kiel

Ohne Liebe
Sieben

Julia und die Räuber

Copyright Fotos: Tine Kersten

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