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THE WEAKERTHANS – HOUSE & PARISH – JONAS GOLDBAUM

Ort: Münster - Skaters Palace

Datum: 28.11.2007

Als ich um 20.45 Uhr (Beginn war für 21 Uhr angekündigt) beim Skaters Palace ankam und auf Anhieb einen Parkplatz keine 50 Meter vom Eingang entfernt fand, schwante mir schon Böses. Das Konzert schien aber stattzufinden, 2 große Nightliner standen vor der Tür. Dass in Münster, der Studentenstadt überhaupt, viele Besucher mit Bus oder Rad kommen würden, war auch klar, so wenig Autos waren dennoch ungewöhnlich. Drinnen wurden meine Befürchtungen im spärlich gefüllten Raum bestätigt. Wo waren also all die Massen um diesem großartigen Headliner zu huldigen?

Immerhin konnte ich problemlos Richtung Merch schlendern und mir die (Fair trade!) Shirt der WEAKERTHANS anschauen. Der Opener des heutigen Abends, JONAS GOLDBAUM, hatte sich etwas Besonderes einfallen lassen, das ich heute zum ersten Mal sah. An ihrem Teil des Standes gab es einen „Track to go“, man konnte sich per Bluetooth einen Song auf sein Handy laden lassen. Für so einen neumodischen Quatsch hatte ich natürlich gar nix übrig, vielleicht auch einfach keine Zeit herauszufinden, wie ich das mit meinem (immerhin Bluetooth besitzenden) Handy hinbekommen könnte (mit dem ich auch keine MP3s abspielen kann, aber immerhin telefonieren!!!).

Zudem betraten eben gerade jene JONAS GOLDBAUM die Bühne und ich wollte mir dann doch lieber die Musik live anhören als per Handy mitnehmen. Da ich die Band bisher nicht kannte, war ich einigermaßen gespannt, was mich erwarten würde und da ich einem herumliegenden Flyer entnommen hatte, dass deren CD bei Roadrunner erschienen war (kannte ich bisher nur als Label von „härteren“ Formationen), war ich gespannt, wie sie denn bitte zu den WEAKERTHANS passen würden. Als JONAS GOLDBAUM dann loslegten, fragte ich mich allerdings eher, wie sie ins Programm von Roadrunner gekommen waren, denn mit Metal hatte das Dargebotene rein gar nichts zu tun. Es gab deutschsprachige Independent-Musik, die irgendwo zwischen KETTCAR und TOCOTRONIC liegt (erreichen erstere bei weitem nicht, sind dafür besser als letztere). Die Jungs aus Wien zeigten zum einen, dass sie schnellere Rocksongs spielen können, nahmen dann aber wieder den Fuß vom Gas, um ebenso mit gefühlvollen Balladen zu überzeugen. Das Publikum (das nur ganz langsam zahlenmäßig ansteigt) nahm das Ganze mit wohlwollendem Wippen und Kopfnicken auf und applaudierte artig nach jedem Song. Lediglich ein junger Herr mit Afro stand allein vor der Bühne und sang jeden Song mit, wurde dafür dann auch von der Band begrüßt und muss im Oktober, als JONAS GOLDBAUM ihr erstes Konzert in Münster gaben, schon dabei gewesen sein. Insgesamt unterhaltsame 30 Minuten, die Lust auf mehr gemacht haben.

Auch die nun folgenden HOUSE & PARISH aus NEW YORK waren mir bis dato unbekannt. Deren Mitglieder allerdings nicht: Jason Gnewikow, Gitarrist von PROMISE RING, Brian Malone, Schlagzeuger von THE GLORIA RECORD. Ebenfalls dabei ist John Herguth, Gitarrist und Sänger von THE LOVE SCENE, und natürlich Scott Winegard, Bassist von TEXAS IS THE REASON. Somit waren für die Voraussetzungen für mitreißende Indie-Musik mehr als gegeben und die Erwartungen wurden auch nicht enttäuscht. Mittlerweile hatte sich der Platz vor der Bühne gefüllt, ausverkauft sollte das Konzert an diesem Abend bei weitem nicht mehr werden, ich schätze, dass der Raum später bei den WEAKERTHANS zu ca. drei Viertel gefüllt war. Auch HOUSE & PARISH konnten „nur“ überzeugen, keine großartigen Emotionen hervorrufen, dafür war einfach an diesem Abend zu klar, weshalb das Publikum gekommen war. Und so verließen dann H&P nach nicht einmal 30 Minuten die Bühne und machten Platz für den Headliner.

Schon während der Umbaupause drängelten sich alle zur Bühne und auf einmal kam eine merkwürdige Stimmung aus Spannung und Vorfreude auf. Als die Band dann endlich die Stage betrat, brandete sofort großartiger Jubel auf. Mit „Psalm for the elks lodge last call“ vom 2003er Album Reconstruction Site und dem Opener „Civil twilight“ des gerade im September 2007 veröffentlichten Reunion Tour Albums legten THE WEAKERTHANS mächtig los. Songs dieser beiden großartigen Alben sollten dann auch das Grundgerüst des Abends bilden. Zwar waren TW auf Tour, um die neue Scheibe zu promoten, wussten aber natürlich, dass sie um ihre eigenen Klassiker nicht herumkommen würden und wollten dies offensichtlich auch gar nicht. Beim vierten Song „Benediction“ kam dann zum ersten Mal die Steel Pedal Guitar zum Einsatz, die sofort für Gänsehautstimmung sorgte. Das Publikum lauschte jedem Song wie gefesselt und nach Ende der Lieder war immer zunächst ein kleiner Moment der Ruhe, so als müsste man erst einmal realisieren, dass der Titel vorbei ist, bevor dann jedes Mal ein ohrenbetäubender Applaus losbrach. Die Kanadier kamen dabei so natürlich und sympathisch rüber, wie es jedes verdammte Klischee will. Sänger John K. Samson trug ein knallrotes Shirt der Karl Marx Universität Trier, Bassist Greg Smith hielt sein Instrument mit einem Sonnenblumengurt und insgesamt wirkte die Truppe einfach nur liebenswert und charismatisch und bei den rockigeren Songs, wenn man die Gitarren hochriss und herumposte, gar ein bisschen naiv und man musste unwillkürlich lächeln. Auf jeden Fall kam das komplette Konzert erfrischend natürlich rüber und bot eine gelungene Abwechslung zu vielen anderen Bands, bei denen jedes Posing einfach nur noch einstudiert wirkt und die Musik oftmals durch optische Effekte oder Bühnenelemente in der Hintergrund rückt. Genau das Gegenteil war bei THE WEAKERTHANS der Fall. Selbst das Licht wechselte während kompletter Songs nicht einmal, höchstens bei rockigeren Passagen. Diese wechseln sich wohlabgestimmt mit den ruhigen Balladen ab. So folgt dann dem Song „Aside“ gleich wieder das ruhige „Night windows“ und wenn es dann etwas später bei „Left and leaving“ ganz leise wurde, wagte man kaum noch zu atmen um die Atmosphäre nicht zu zerstören. Nach 15 Stücken und weit über 1 Std. Spielzeit war erst einmal Schluss und THE WEAKERTHANS verließen die Bühne, wurde aber sofort mit frenetischem Jubel zurückbeordert. Insgesamt 6 weitere Songs bieten THE WEAKERTHANS noch als Zugabe und eine Spielzeit von 1.5 Std. und hinterlassen nach dem Ausklingen des letzten Tones und überwältigtes Publikum. Ein ganz großer Abend!

Copyright Fotos: Karsten Rzehak

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