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THE WHIP – DOVER – THE BLOOD ARM (JÄGERMEISTER ROCK:LIGA)

Ort: Bielefeld - Ringlokschuppen

Datum: 05.02.2009

Pünktlich zum Rückrunden-Start der Fußball-Bundesliga kommt Deutschlands einziges Rockturnier, die Jägermeister Rock:Liga, aus der Winterpause zurück. Es geht in die zweite Saisonhälfte und am 5. Februar gastierte im Bielefelder Ringlokschuppen die Gruppe C dieses Happenings. Die Spielregeln sind schnell erklärt: ein Konzert mit drei Bands, die jeweils 45 Minuten spielen. Am Ende eines jeden Abends wird dann der Sieger per „Applausometer“ ermittelt, durch die Abende führt Axel Bosse und ermittelt die Gruppensieger. Die Band, die nach den fünf Vorrundenkonzerten ihrer Gruppe die meisten Punkte erspielt hat, erreicht das Finale. Im Endspiel treffen die vier Gruppensieger aufeinander und einer dieser vier wird am Ende (am 16. Mai 2009) „Jägermeister 2009“ in Berlin. In den letzten Jahren waren bereits namhafte Bands mit dabei, u.a. haben wir von der LENINGRAD COWBOYS/ CLAWFINGER-Beteiligung 2006/07 berichtet. Die einzige Band, die in diesem Jahr teilnimmt und bereits einen Namen hat, hatte aber auch bereits Ende der 90er, Anfang des neuen Jahrtausends ihre „Blütezeit“: Die LEMONHEADS. In Bielefeld in der Gruppe C sollten aber die LEMONHEADS nicht auftreten, angesagt hatten sich die spanischen DOVER, die britischen THE WHIP und die US-Amerikaner THE BLOOD ARM. Herr Bosse, Namensgeber der gleichnamigen Band, die Anfang des Jahres an gleicher Stelle MADSEN supporteten, eröffnete pünktlich um 20:30 Uhr den Contest und bat die ca. 200 Leute doch ein bisschen näher an die Stage zu kommen, dann ließe es sich für die Bands besser rocken.

Starten sollte der Abend mit THE BLOOD ARM aus Los Angeles, die 2004 für den LA Weekly Music Award als Best New Artist nominiert wurden. Nicht zu Unrecht, wie sich im Laufe der folgenden 45 Minuten herausstellen sollte, denn die 3 Jungs plus Mädel legten meiner Meinung nach die Meßlatte für die nachfolgenden Combos ganz schön hoch. Gleich nach dem ersten Song nahm Fronter Nathaniel Fregoso Kontakt zum Publikum auf und bezog die Anwesenden in seine Performance mit ein. Eine Performance, die sich übrigens nicht nur auf der Bühne des kleinen Saals des Ringlokschuppens beschränkte, denn auch die 10m lange Theke rechts neben der Bühne und die vorderen Reihen boten Nathaniel eine Möglichkeit, sich darzustellen. Wie gut, dass das Mikrokabel lang genug war und auch der Security immer wieder Beschäftigung bot! Ganz gefährlich seine akrobatische Einlage auf dem Boxenturm, aber er hatte es unverletzt überstanden. Auch musikalisch konnten die Kalifornier überzeugen: Alternative Rock mit leichtem Hippie-Einschlag und stampfendem Rhythmus, routiniert umgesetzt von Zachary Amos an den Drums, Zebastian Carlisle an der Gitarre und Dyan Valdes am Keyboard. Eine Nähe zu FRANZ FERDINAND ist nicht zu überhören, gleichfalls supporteten sie die Schotten vor ein paar Jahren. Ihr Mitgrölsong „Suspicios Character“ durfte natürlich im Set nicht fehlen und zwischendurch schaffte es sogar ein durchgeknallter Fan auf die Stage und unterstützte Bandleader Nathaniel lautstark.

Setlist THE BLOOD ARM (ohne Gewähr)
Guillotine
Stay Put !
Randy Newman
All My Love
Angela
The Chasers
Starned
Dementia
Do I Have Your Attention
Suspicious Character
P.S. I love you but don’t miss you

Als nächste Band enterten dann die sonnenverwöhnten Spanier von DOVER die Bretter, sollten sie an diesem Abend auch vom Applaus verwöhnt werden? Jedenfalls bretterten die Herren Jesús Antúnez (Drums) und Samuel Titos (Bass) und die beiden Schwestern Amparo Llanos (Git) und Cristina Llanos (Stimme und Gitarre 2) ordentlichen Grungerock um die Ohren der Zuhörer. In Spanien sind die 1992 gegründeten DOVER absolute Stars, man hat sich aber auch hierzulande ein ordentliches Publikum erspielt und gastierte bereits vor einigen Jahren in unserer ostwestfälischen Metropole. Solide gespielt, allerdings mit wenig Herzblut – der Funke sprang nicht über, vielleicht auch, weil man sich vor knapp zwei Jahren mehr in Richtung Pop orientiert hatte? Mich erinnerte der Sound und der Gesang Cristinas ein wenig an LAMBRETTA, eine schwedische Rock-Pop-Band, die leider nicht mehr existiert.

Setlist DOVER (ohne Gewähr)
Keep On Moving
Soldiers
DJ
Salvation
King George
Madrid
Serenade
Cherry Lee
Do Ya
Devil Came To Me
Let Me Out

Last but not least folgten die Briten THE WHIP. Ihr Sound zeichnete sich durch treibende Elektro-Beats und rockige Gitarren aus, mit einigen Anleihen aus den momentan ja (wieder) ziemlich angesagten 80ern. Und Danny Saville, Lil Fee, Nathan Sudders und Bruce Carter verleugnen auch nicht, dass zu ihren Vorbildern DAFT PUNK und NEW ORDER gehören. Und das machte Laune, Partylaune, selbst die beiden Mädels von DOVER tanzten neben der Bühne kräftig mit. Die Darbietung erinnert mich an die Shows von MEDIENGRUPPE TELEKOMMANDER, die übrigens den Contest im letzten Jahr gewannen – etwa ein gutes Omen für die Band aus Manchester? Im Gegensatz zu den vorherigen Bands wurde die Stage in ein blaues Licht getaucht und nur ab und zu konnte man die Member durch die Lichtblitze erkennen. Bleibt da die Frage, warum die Drummerin das komplette Set im Dunklen spielen musste, war sie doch nett anzuschauen. Davon konnte man sich leider erst beim anschließenden Voting überzeugen. Von ihrer Plattenfirma als New Rave bezeichnet, kam der Sound aus „klassisch und neu gemixt“ mit einer Prise britischer Coolness richtig gut an. Ja ich würde sagen die Kapelle hatte richtig Bums, ohne Gehörschutz ging da gar nichts, denn „Sister Siam“, „Muzzel No.1“ vom aktuellen Album „X Marks Destination“ und gerade „Trash“ sind wahre Trommelfell Killer.

Setlist THE WHIP (ohne Gewähr)
Sister Siam
Dive Bomb
Muzzel No.1
Blackout
Fire
Shake
Trash

Jetzt zum Voting. Leider war es nicht mehr ganz so voll wie zu Anfang des Konzertes, haben da die Fans schon schlapp gemacht? Nathaniel Fregoso von den BLOOD ARMs versuchte noch, das Publikum mit kleinen Fläschchen Jägermeister zu schmieren, ob es half? Ja, der Applaus war schon nicht schlecht. Ein paar Dezibel weniger hatten DOVER auf dem Applausometer. Dafür errangen THE WHIP den Tagessieg, so wollten es die Bielefelder. Meiner Meinung nach hätten die Amis den Sieg verdient, denn sie hatten heute eindeutig die beste Performance an den Tag gelegt und Nathaniel steht mit seinem Hüftschwung ELVIS PRESLEY in Nichts nach. Es kann aber sein, dass gerade der Applaus derjenigen, die früher gegangen sind, gefehlt hat.

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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