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THEES UHLMANN & BAND – ZUGEZOGEN MASKULIN

Ort: Gütersloh – Alte Weberei

Datum: 14.03.2014

Gütersloh hat nicht nur Miele und Bertelsmann, sondern auch die Weberei, in die es immer wieder auch die Bewohner aus der nahen Großstadt Bielefeld und dem OWL-Umland zieht, wenn in dem historischen Gemäuer gerockt wird. An diesem Freitag waren es THEES UHLMANN & BAND, die dafür sorgten, dass der Laden „ausverkauft!“ melden konnte. Am vorletzten Abend der aktuellen Konzertreise hielt der Tourbus mit der blonden Quasselstrippe und seiner Mannschaft also in der ostwestfälischen Provinz und wenn mir im Osnabrücker Outback die Gartenarbeit schneller von der Hand gegangen wäre, hätte es für mich auch noch ZUGEZOGEN MASKULIN auf die Ohren gegeben (von denen wir wenigstens Fotos anbieten können), derer ich nur noch bei ihrer Verabschiedung ansichtig wurde. Die beiden Berliner Rapper hatten im Vorfeld bereits angekündigt, für den anstrengenden Touralltag mit dem Kollegen Uhl mit reichlich Korn üben zu wollen und wirkten zumindest bei ihrem Abgang um 20.45 Uhr noch standfest und gut gelaunt.

Nun galt es aber fix die Stage für THEES UHLMANN & BAND zu präparieren, damit der Hauptprotagonist des Abends Gelegenheit bekam, den Fans des Arminia Bielefelds Mut zu machen. Eigens für den Besuch in Gütersloh trug der St-Pauli-Anhänger sogar ein Armband der Abstiegskandidaten, um seine Verbundenheit mit den Kellerkindern zu symbolisieren, während „Weiße Knöchel“ vom jüngsten Silberling „#“2 den Gig musikalisch eröffnete. Auditorium und Band zeigten sich in bester Feierlaune und so wurde von der ersten Sekunde an vor der Bühne mitgeklatscht und –gesungen, wohingegen Thees sein Publikum mit seinem ganz besonderen Ausdruckstanz beglückte. Einzig die Euphorie der beiden Viva-con-Agua-Girls verwirrte den Mann am Mikro etwas, weshalb den Damen das Fahnen schwenken verboten wurde, weil Herr Uhlmann sich bei diesem Anblick für der Papst persönlich vorkam und sich nicht auf die Songtexte konzentrieren konnte. Immerhin versprach er den Mädels EUR 100,00 für die Spendenkasse und auch ein junger Irokesen-Träger durfte sich über die Großzügigkeit des Band-Leaders freuen, der so begeistert davon war, einen derart frisierten Zeitgenossen unter den Zuschauern zu entdecken, dass er gleich einmal eine passende Geschichte unters Volk brachte und dem Typen einen Freifahrtschein für den Merch-Stand ausstellte. Zuvor wurden mit den wunderbaren Nummern „& Jay-Z singt uns ein Lied“ und „Vom Delta bis zur Quelle“ (beide vom selbstbetitelten 2011er Debüt) zwei Highlights gesetzt, bei denen die Anwesenden ihre Textsicherheit und Uhl seine Fähigkeiten als Dirigent beweisen konnten. Mit dem Wechsel zur Akustikgitarre hätte sich Tobias Kuhn für „Der Fluss und das Meer“ durchaus Zeit lassen können, denn der gut gelaunte Fronter hatte Bock, ein wenig zu sabbeln, weshalb die Ansage zu diesem tollen Lied lockere zehn Minuten dauerte. Dafür wussten die Gütersloher im Anschluss aber auch bestens über Thees’ 18. Geburtstag und die Erziehungsansätze von Vater Uhlmann Bescheid. Mal ganz davon abgesehen, dass sie bestens unterhalten wurden und genau diese kleinen Geschichten auch den besonderen Charme eines Konzertes ausmachen, bei dem THEES UHLMANN am Mikro steht. Dort stand er für das folgende Cover im Übrigen ganz allein. Bewaffnet mit einer Mundharmonika und seiner Wanderklampfe erinnerte er an seine letztjährige Stadiontour, bei der auch eine Punkband aus Düsseldorf mit von der Partie war, der er eine große Zukunft voraussagte und mit dem „Liebeslied“ zu supporten gedachte. Die Rede war natürlich von den TOTEN HOSEN und ich habe beileibe schon schlechtere Adaptionen eines Hosen-Songs gehört. Für die „Römer am Ende Roms“ kehrte zunächst einmal Julia Hügel, die Dame an den Tasten“ an ihren Arbeitsplatz zurück und während Thees weiterhin in die Mundharmonika blies, nahm auch der Rest der Mannschaft langsam wieder Aufstellung, damit unter Lichtblitzen eine volle Breitseite abgeliefert werden konnte. Tobias bekam im Anschluss zwei Küsschen von Thees und schon konnte das druckvolle „Es brennt“ zur Freude aller abgefackelt werden. Nicht fehlen durfte auf der Setlist selbstverständlich die erste Single „Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf“, mit der die Solo-Erfolgsstory des TOMTE-Sängers und Mitbegründer des Indie-Labels Grand Hotel van Cleef begann. Die prägnanten „Uhhhhhuuu“-Gesänge erfüllten deshalb auch schon bald den Saal und mit den ersten Klängen von „17 Worte“ musste schließlich auch die Jeansjacke dran glauben, die Thees zuvor trotzdem tropischer Temperaturen nicht ausziehen wollte. Auch hier wurde kräftig mitgesungen und natürlich konnte das Stück um 22.15 Uhr unmöglich das Ende der Show markieren.

So kam zunächst einmal die Band zurück in die blauen Nebelschwaden, um sich schon mal einzuspielen, bevor Herr Uhlmann die Herkunft seiner Fans abfragte, um das lang erwartete „Hier komm’ ich her, hier bin ich geboren“ oder wie die Ode ans Dorf offiziell heißt: „Lat: 53.7 Lon: 9.11667“ zu performen. Mann muss nicht unbedingt in einem Kaff wie Hemmoor im Landkreis Cuxhaven groß geworden sein, um den Track zu lieben, genauso wie man nicht in einer Millionenstadt wie Berlin leben muss, um das groovende „Sommer in der Stadt“ ins Herz zu schließen. Verbunden mit diesem Titel war ein wenig Werbung für OLLI SCHULZ, der Teil der Entstehungsgeschichte des Liedes ist, das mit dem weisen Satz „Was man in der Jugend sündigt, zahlt das Alter einem heim.“ aufwartet. Olli kommt nämlich am 27.03.2014 mit seiner Kapelle in die Weberei und Thees hat versprochen, auch ein Lied zu spielen, sofern das Konzert ausverkauft sei. Man darf also gespannt sein – übrigens auch ohne einen Gastauftritt von Buddy Thees, denn Schulz ist ein ebenso begnadeter Laberkopp und Musik machen kann der Hamburger Jung mit Wohnsitz in Berlin auch. Für „Die Nacht war kurz (ich stehe früh auf)“ griff der Gastgeber abermals zur Mundharmonika, bevor er sich am Ende in bester Punk-Manier beinahe die Lunge aus dem Hals schrie und erneut kurz im Off verschwand. Den zweiten Zugabenblock startete Thees im Alleingang, berichtete von seiner What’s-App-Gruppe, der eine ausgesuchte Anzahl Unterstützer unterschiedlicher Fußballclubs angehören, erklärte den norddeutschen Bier-Buddhismus, warum er kein Pop-Schwein sein will und weshalb die Besucher seiner Konzerte breit grinsend vor der Bühne stehen, obwohl weder eine Wall of Death noch ein Moshpit geboten werden. „Kaffee & Wein“ war ein ruhiger und eindringlicher Song für die Liebe zum Fußball und gegen die Gewalt, bei dem er von Tobias begleitet wurde und für den auch noch einmal der Gütersloher Gefangenenchor – sprich das Publikum – gefragt war. Mit dem finalen „Die Toten auf dem Rücksitz“ ging die gesamte sechsköpfige Combo, zu der neben den bereits genannten auch noch Markus Perner am Schlagzeug, Hubertus Steiner am Bass und Martin Kelly am zweiten Sechssaiter gehören, ein letztes Mal gehörig steil; die Zuhörerschaft belohnte den Vortrag mit Stakkatoklatschen und auf diese Weise endete ein vergnüglicher Abend kurz vor 23.00 Uhr mit einer ausführlichen Verabschiedung und dem besagten breiten Grinsen auf den Gesichtern der Besucher, die nach fast zwei Stunden mit THEES UHLMANN & BAND sehr zufrieden in die junge Nacht entlassen wurden.

Es war auch mir wieder eine ausgesprochene Freude und selbst nach diversen TOMTE- und TUB-Konzertbesuchen macht es immer wieder ohne irgendeine Form von Abnutzungserscheinung Spaß, der Musik und den kleinen Stories von THEES UHLMANN zu lauschen. In diesem Sinne: Ich freue mich schon jetzt auf’s nächste Mal!

Setlist
Weiße Knöchel
Das Mädchen von Kasse 2
Am 07. März
& Jay-Z singt uns ein Lied
Vom Delta bis zur Quelle
Zugvögel
Der Fluss und das Meer
Liebeslied (DIE-TOTEN-HOSEN-Cover)
Römer am Ende Roms
Es brennt
Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf
17 Worte

Lat: 53.7 Lon: 9.11667
Sommer in der Stadt
Die Nacht war kurz (ich stehe früh auf)

Kaffee & Wein
Die Toten auf dem Rücksitz

Copyright Fotos: Marcel Linke

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