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THEES UHLMANN & BAND

Ort: Dortmund - FZW

Datum: 11.12.2019

Mit dem Song „Fünf Jahre lang nicht gesungen“ hat es THEES UHLMANN selbst auf den Punkt gebracht und mit der Nummer auch gleich mal das ausverkaufte Konzert im Dortmunder FZW eröffnet. Untätig war der Wahl-Berliner mit Wurzeln an der Nordseeküste natürlich in den letzten Jahren nicht. Mit großem Erfolg hat der inzwischen 45-jährige 2015 seinen ersten Roman „Sophia, der Tod und ich“ veröffentlicht und unlängst ist auch „Thees Uhlmann über Die Toten Hosen“ in den Buchhandel gekommen. Letztlich brennt der Mann aber insbesondere für seine Musik, die Anfang der Neunziger mit der Indie-Band TOMTE ihren Anfang nahm. 2002 gründete Thees gemeinsam mit Marcus Wiebusch und Reimer Bustorff von KETTCAR das Label Grand Hotel van Cleef und nach fünf TOMTE-Alben kam 2011 die erste Solo-Platte raus. Im September erschien mit „Junkies und Scientologen“der dritte Longplayer aus dem Hause Uhlmann – Grund genug für eine ausführliche Konzertreise, womit wir wieder beim Anfang und „Fünf Jahre nicht gesungen“ wären…

Um 20.30 Uhr ging’s mit dem Opener des jüngsten Studio-Outputs los, gefolgt von der Stephen-King-Hommage „Danke für die Angst“, die mit viel Drive übernahm. „Die Toten auf dem Rücksitz“ vom selbstbetitelten Erstling präsentierte sich ein wenig nachdenklicher und Thees in bester Tanzlaune. „Zugvögel“ vom 2013er „#2“ versetzte auch das Publikum in Bewegung und sorgte für eine erste Choreinlage, bevor mit „& Jay-Z singt uns ein Lied“ mein persönlicher Favorit der Uhlo-Diskografie auf dem Programm stand. Herr Uhlmann stellte gekonnt seine Rapper-Skills unter Beweis und überzeugte auch beim kräftig mitgeklatschten „Das Mädchen von Kasse 2“ auf ganzer Linie. Thees war mal wieder in bester Quasselstimmung und erzählte unterhaltsam von der Mail einer Kunststudentin, die ihren Lebensunterhalt als Kassiererin verdient, weshalb der Track gleich mal allen Kunstschaffenden gewidmet wurde. Derweil freute sich der Hauptprotagonist über die ‚entspannten, leicht angesoffenen Gesichter‘ im Auditorium und wunderte sich über die Allüren in HipHop-Kreisen, was seine musikalische Entsprechung in „Ich bin der Fahrer, der die Frauen nach HipHop Videodrehs nach Hause fährt“ fand. „Was wird aus Hannover“ war eine drängende Frage, die im Anschluss geklärt werden musste, ehe Thees seinen Fans mit „Ich sang die ganze Zeit von dir“ eine ganz besondere Freude machte. Das Lied stammt natürlich von TOMTE, genauer gesagt vom 2006er „Buchstaben über der Stadt“ und allein das Durchschnittsalter im FZW ließ erahnen, dass sich eine erkleckliche Zahl TOMTE-Fans unter den Anwesenden befand. Entsprechend begeistert wurde der Song, den die neue belgische Gitarristin Nitzan Hoffmann anmoderierte, dann auch aufgenommen. Der Bandleader war mittlerweile ‚emotional angeraut‘ und berichtete von seiner offensichtlich ziemlich schlauen Tochter, die schon als Achtjährige erkannt hatte, dass ihr Vater ein Typ vom Dorf ist, der in der großen Stadt nicht klarkommt. Welches Lied hätte an dieser Stelle besser gepasst als „Lat: 53.7 Lon: 9.11667“ aka „Hier komm‘ ich her, hier bin ich geboren“? Nahtlos schloss sich „100.000 Lieder“ an, bevor „17 Worte“ begeistert mitgesungen wurde und wir erfahren durften, wie das war, als Thees mit Label-Buddy Malek Scharifi zum Spiel Liverpool gegen Borussia Dortmund auf dem britischen Eiland war und man unverhofft auf die Hosen traf. Der Freundschaft zu der Düsseldorfer Kapelle ist ein ganzes Buch gewidmet, heuer gab es das „Liebeslied“ Der TOTEN HOSEN in der Uhlmannschen Solo-Darreichungsform auf die Ohren. Für das getragene „Ein Satellit sendet leise“ fand sich die gesamte Mannschaft wieder an ihren Arbeitsplätzen ein. Neben der bereits erwähnten Nitzan Simon Frontzek an den Tasten, Max Perner hinter der Schießbude, Martin Kelly am Sechssaiter und Hubert Steiner am Bass. Ein langsames Stück sollte noch folgen und selbiges war allen Beteiligten ganz besonders wichtig. Die Rede ist vom wunderbaren „Junkies & Scientologen“, dann ging es mit „Katy Grayson Kelly“ wieder in die Vollen und auch „Vom Delta bis zur Quelle“ wurde nach allen Regeln der Kunst abgefeiert. Dazu gehörte auch der Zwiegesang zwischen Thees und der Zuschauerschaft, die bei „Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf“ gleich auch mal den berühmten FZW-Gefangenenchor mimte und die Combo so auch wieder auf die Stage zurücklockte.

Inzwischen war es nämlich bereits 22.15 Uhr und das reguläre Set Geschichte. Aber es standen noch ein paar Zugaben auf dem Zettel und so ging es noch mal ganz weit zurück in der die TOMTE-Ära. Etwa 20 Jahre ist es her, da waren TOMTE mal Support für ELEMENT OF CRIME und Thees‘ Krachlatte derart verstimmt, dass die EOC-Fans geradezu fassungslos waren. Jetzt haben beide Bands denselben Gitarrenstimmer und es verlangte auch niemand das sofortige Ende des Vortrages, als Herr Uhlmann zum ersten Mal an diesem Abend für „Korn & Sprite“ (“Eine sonnige Nacht“ – 2000) statt zur Akustikklampfe zur E-Gitarre griff. Unterstützt wurde der gut gelaunte Musiker bei dieser Gelegenheit von Max und Hubert, die restliche Truppe fand sich zu „Schrei den Namen meiner Mutter“ (2003 auf „Hinter all diesen Fenstern“ erschienen) wieder ein, das ebenfalls auf große Zustimmung stieß und vom temperamentvollen „Avicii“ abgeklatscht wurde. Es folgte ein weiterer kurzer Break, dann stand Thees mit einer Mundharmonika bewaffnet in den farbigen Lichtgewittern, die „Römer am Ende Roms“ optisch begleiteten, während die Bühne für „Die Nacht war kurz (ich stehe früh auf)“ in blaues Licht getaucht wurde. Dank „Die Schönheit der Chance“ stand noch ein überragender Rausschmeißer an – viel schöner hätte das Finale nach 135 Minuten gar nicht ausfallen können!

Okay, „Was den Himmel erhellt“ hätte mich noch eine Spur glücklicher gemacht, aber das ist jammern auf ganz hohem Niveau. Auf und vor der Bühne wirkten die Menschen durch die Bank sehr zufrieden und da THEES UHLMANN versprochen hat, beim nächsten Mal mit seiner Band an einem Samstag nach Dortmund zukommen und dass dann auch an einer Aftershow-Party mit allem Drum und Dran nicht gespart wird, haben wir doch alle gleich schon wieder was, woraus wir uns freuen können. Bis dahin bleibt die Erinnerung an einen schönen Abend mit fantastischer Musik, einem gut aufgelegten Fronter und seiner spielfreudigen Kapelle sowie einer stimmungsvollen Lightshow. Danke, Thees!

Setlist

  • Fünf Jahre nicht gesungen
  • Danke für die Angst
  • Die Toten auf dem Rücksitz
  • Zugvögel
  • & Jay-Z singt uns ein Lied
  • Das Mädchen von Kasse 2
  • Ich bin der Fahrer, der die Frauen nach HipHop Videodrehs nach Hause fährt
  • Was wird aus Hannover
  • Ich sang die ganze Zeit von dir (TOMTE)
  • Lat: 53.7 Lon: 9.11667
  • 100.000 Songs
  • 17 Worte
  • Liebeslied (DIE-TOTEN-HOSEN-Cover)
  • Ein Satellit sendet leise
  • Junkies und Scientologen
  • Katy Grayson Perry
  • Vom Delta bis zur Quelle
  • Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf
  • Korn & Sprite (TOMTE)
  • Schreit den Namen meiner Mutter (TOMTE)
  • Avicii
  • Römer am Ende Roms
  • Die Nacht war kurz (ich stehe früh auf)
  • Die Schönheit der Chance (TOMTE)

 

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