Konzert Filter

THEES UHLMANN – ROB LYNCH

Ort: Osnabrück – Rosenhof

Datum: 14.11.2013

An diesem Donnerstagabend im November musste niemand frieren. Zumindest niemand, den es in den ausverkauften Rosenhof verschlagen hatte. Kuschelig warm war’s in dem ehemaligen Kino am Osnabrücker Rosenplatz – fand auch der Hauptprotagonist des Abends: THEES UHLMANN. Nichtsdestotrotz zählt der Club nach eigenem Bekunden zu seinen Lieblingskonzertstätten und blieb auch die Jacke an. Neuerdings übrigens nicht mehr zwingend das Modell aus Leder, sondern eine Jeans-Variation. Ansonsten war eigentlich auch anlässlich der Tour zum zweiten Solo-Longplayer „#2“ des TOMTE-Fronters alles wie immer: viel mitreißende Musik, amüsantes Gequatsche vom Herren Uhl und am Ende ein glückliches Publikum.

Den Anfang machte jedoch pünktlich um 20.00 Uhr ein Trupp Engländer, der eine tolle Melange aus Folk, Pop und Punk servierte. ROB LYNCH aus London steht dem Vierer seit 2011 vor und am 22.11.2013 erscheint das Debüt „All These Nights In Bars Will Somehow Save My Soul“, von dem das Auditorium schon einmal eine gehörige Portion auf die Ohren bekam. Das Quartett legte einen beschwingt-schrammelnden Start hin und verriet, dass man ja eigentlich aus Stamford in Lincolnshire stamme. Der alten Heimat ward sogleich auch ein Song gewidmet, mit dem es umgehend in den Punk-Schunkel-Modus ging, den man auch vom Kollegen FRANK TURNER kennt und schätzt. Die aktuelle Single „Broken Bones“ machte mit viel Rhythmus Tempo, ehe schließlich die Jungs am Schlagwerk, Tieftöner und elektrifizierten Sechssaiter die Stage verließen und Rob mit seiner Akustikklampfe allein „Feeling Good“ und „Blame“ performte. Wie er uns bald wissen ließ, hat er in der Vergangenheit bereits vor zehn Leuten im örtlichen Bastard Club gespielt. Am heutigen Abend dürfte sich die Zuhörerschaft locker um das Hundertfache vergrößert haben. Was allerdings auch zur Folge hatte, dass der Lärmpegel bei diesen ruhigen Nummern doch vergleichsweise hoch und auch ein wenig störend war. Dafür war der Chor bei „Hawking“, das wieder in voller Besetzung zum Besten gegeben wurde, mit Sicherheit kraftvoller, auch wenn noch Luft nach oben war, wie man später hören sollte. Die Anwesenden zollten auf jeden Fall freundlichen Applaus und klatschten auch beim verspielten „Plans“ kräftig mit, ehe „My Friends & I“ das knackige Finale markierte und ROB LYNCH und seine Mannen nach rund 40 Minuten Adieu sagten. Ein gelungener Einstieg, der Lust auf mehr machte und eine ideale Aufwärmübung für die kommenden 95 Minuten mit THEES UHLMANN & BAND war.

Setlist ROB LYNCH
31/32
Hand Grenade
Stamford
Broken Bones
Whiskey
?
Feeling Good
Blame
Hawking
Plans
My Friends & I

Kurz nach 21.00 Uhr war es dann so weit: ein Intro kündigte die blonde Indie-Sabbeltasche und seine Instrumentalfraktion an. Tobias Kuhn (Gitarre), Julia Hügel (Keyboard), Markus Perner (Schlagzeug) und Hubertus Steiner (Bass) nahmen schon mal ihre Plätze ein, während an der Position des zweiten Gitarristen ein neues Gesicht zu entdecken war: Martin Kelly bearbeitete nämlich statt Nikolai Potthoff die Strings und bekam gleich beim Opener „Weiße Knöchel“ gut zu tun. Cheffe Thees griff erst beim wunderbaren „& Jay-Z singt uns ein Lied“ vom selbstbetitelten Erstling aus 2011 in die Saiten, nachdem zuvor mit der ersten Single „07. März“ bereits eine kleine Indie-Samba-Party angesagt war. Berührungsängste gab’s ausnahmsweise keine beim sonst schon mal recht zurückhaltenden Osnabrücker Publikum, das aufgrund der begrenzten Platzverhältnisse aber auch gar keine Gelegenheit zum Abstand halten gehabt hätte. Stattdessen wurde die Mucke mit vereinten Kräften abgefeiert, was nicht nur für die Hits des ersten Longplayers galt. Natürlich wurde „Vom Delta bis zur Quelle“ mit Begeisterung aufgenommen und lauthals mitgesungen, aber auch eine gefühlvolle Hymne wie „Der Fluss und das Meer“ wurde ausführlich zelebriert. Dazu gehörte auch, dass Herr Uhlmann die volle Aufmerksamkeit seiner Fans hatte, wenn er von seiner Kindheit in Hemmoor und vom gestrengen Lehrer-Vater erzählte. Oder von seltsamen Kneipenbekanntschaften, denen man über Stunden das Leben erklärt. Die musikalische Entsprechung titelte „Kaffee & Wein“ und brauchte für die emotionsgeladene Umsetzung nur Tobias an der Langaxt und Thees am inzwischen durchgesuppten Mikro. Die Zuschauer bildeten direkt wieder einen großen Chor – schließlich hatte sich Uhl bereits beim knackigen „Zugvögel“ als Chorleiter an der Hase angeboten und auch bei „Lat: 53.7 Lon: 9.11667“ (besser bekannt als „Hier komm’ ich her, hier bin ich geboren“), das mit Schmackes zu Herzen ging, war der Osnabrücker „Gefangenenchor“ wieder ganz vorn dabei. Gleiches galt für „Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf“, das ebenso wie „17 Worte“ ordentlich abgefeiert wurde.

Womit auch schon das reguläre Set nach 70 Minuten im Handumdrehen sein Ende gefunden hatte. Die Zeit war wie im Fluge vergangen, aber selbstverständlich musste noch nachgelegt werden und siehe da: Thees hatte sich doch tatsächlich von seiner Jacke getrennt! Es war dann doch wohl zu warm im Rosenhof, der als einziger Konzertschuppen, in dem THEES UHLMANN bislang backstage rumgehangen hat, einen Fernseher hat. Im Vorfeld der Show hatte die Band dann auch noch ein bisschen die Bambi-Verleihung verfolgt und war zu dem Schluss gekommen, auf einer kleinen Bühne in Norddeutschland besser aufgehoben zu sein als beim Berliner Bambi-Rummel. Vielen Dank dafür und auch für „Römer am Ende Roms“, das Julia an den Tasten und Thees an der Mundharmonika zunächst allein zu Gehör brachten. „Die Nacht war kurz (ich stehe früh auf)“ verwandelte die Venue erneut in einen Hexenkessel, der von zuckenden Lichtblitzen erhellt wurde, bevor die Musiker noch einmal kurz im Off verschwanden, um dann mit „Die Toten auf dem Rücksitz“ zurückzukehren. Oder sollte ich lieber „Die Torten auf dem Rücksitz“ sagen? Diesen Titel hatte nämlich die vierjährige Thea beim Hören der Platte verstanden (was ja auch irgendwie viel mehr Sinn macht, zumindest, wenn man vier Jahre alt ist) und klug kombiniert, dass Thees wohl Bäcker oder aber doch zumindest Auslieferungsfahrer für Backwaren sein müsse. Eine letzte kleine Geschichte vor dem letzten Song, der mit tosendem Beifall bedacht wurde.

In der Tat war es wieder ein großes Vergnügen, einen Abend mit THEES UHLMANN & BAND zu verbringen. Die Musik und auch die optische und akustische Live-Umsetzung waren dabei erneut über jeden Zweifel erhaben. Überwiegend rockig, gab’s hier und da auch ein paar besinnliche Momente und natürlich jede Menge skurrile Augenblicke, wenn der Wahl-Berliner auf seine ganz spezielle, lässige Art vom Leder zog. Oder den Weißwein aus regionalem Anbau lobte. Die Osnabrücker haben auf jeden Fall immer ne Flasche für dich am Start, komm’ bald wieder vorbei, dann köpfen wir den edlen Tropfen gemeinsam!

Setlist THEES UHLMANN
Weiße Knöchel
Das Mädchen von Kasse 2
Am 07. März
& Jay-Z singt uns ein Lied
Die Bomben meiner Stadt
Zugvögel
Der Fluss und das Meer
Vom Delta bis zur Quelle
Es brennt
Kaffee & Wein
Lat: 53.7 Lon: 9.11667
Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf
17 Worte

Römer am Ende Roms
Die Nacht war kurz (ich stehe früh auf)

Die Toten auf dem Rücksitz

Copyright Fotos: Karsten Rzehak

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu ROB LYNCH auf terrorverlag.com

Mehr zu THEES UHLMANN auf terrorverlag.com