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THOMAS D – DAS GEZEICHNETE ICH

Ort: Osnabrück - Rosenhof

Datum: 27.05.2009

Ob die Osnabrücker wohl nach der erst kürzlich beendeten Maiwoche momentan ein wenig konzertmüde sind? Anders kann ich mir eigentlich nicht erklären, dass der Rosenhof zwar gut gefüllt, aber nicht ausverkauft war, immerhin hat sich mit THOMAS D ein wirklich hochkarätiger Act angesagt, den ich im Dezember bereits mit seiner „Kennzeichen D“-Tour in Köln erleben durfte, weshalb es für mich gar keine Frage war, dieses Heimspiel mitzunehmen.

Als Support hatte der ehemalige Frisör eine Kapelle namens DAS GEZEICHNETE ICH mit auf Tour genommen. Das Quintett bestand aus einem Herrn am Klavier, der auch den überwiegenden Gesangspart übernahm, einem Bassisten, der ebenfalls am Mikro tätig war, einem Drummer sowie einer Streichersektion aus Violine und Violincello. Vorgetragen wurde deutschsprachiger Pop mit viel Poesie und klassischen Elementen, der mit Hip Hop und Rap nun so gar nichts zu tun hatte, weshalb auch wohl der Funke nicht so recht überspringen wollte. Trotzdem wurden die Songs der Berliner von freundlichem Applaus begleitet, der nach dem abschließenden „High“ sogar kurz aufbrauste – wir gehen selbstverständlich nicht davon aus, dass so die Erleichterung zum Ausdruck gebracht werden sollte, dass diese erste musikalischen halbe Stunde ein Ende gefunden hatte.

Deutlich treibender sollte es kurz vor 21.00 Uhr mit dem inzwischen 40-jährigen Thomas Dürr und seiner Begleitband weitergehen. Leider zeigte sich das Osnabrücker Publikum nicht gerade von seiner empathischen Seite und so wurden beim Handtuchsong „Keine Panik“ des aktuellen Albums auch verschwindend wenig Frottierwaren geschwenkt, das sah in Köln aber mal deutlich anders aus! Um endlich aus dem Quark zu kommen, brauchte die große Mehrheit der Anwesenden dann auch fast bis zum Zugabenblock – wer dachte, die Ostwestfalen seien zurückhaltend, wurde hier eindeutig eines Besseren belehrt. Dabei bot das FANTA-4-Member wirklich einen kurzweiligen Abend und wartete zudem mit einer Combo auf, die rundum zu überzeugen wusste. Der Rastamann hinter den Percussions zog bereits zu „Wir brauchen Dich“ sein Shirt aus, bei „Der eine Schlag“ folgte THOMAS D seinem Beispiel und präsentierte seinen durchtrainierten Body, während er mit fluoreszierenden Drumsticks auf eine Trommel eindrosch. Dazwischen gab es natürlich auch ruhige Passagen, etwa den Song „Neopytha“, den Thomas für seine Tochter geschrieben hat und schon zu einem seiner Lieblingstücke geworden ist. Für die Nummer wurde das ehemalige Kino am Rosenplatz in stimmungsvolles Licht getaucht, das sich auch beim genialen 2000er Hit „Liebeslied“ vom zweiten Longplayer „Lektionen in Demut“ wiederfand. Von diesem Silberling gab es noch das instrumentale „Die Speicherstadt“ zu hören, das Hauptaugenmerk legte der bekennende Veganer heute jedoch eindeutlich auf seine neuen Tracks, die durchgängig in Ohr und Bein gingen und grundsätzlich viel Gelegenheit zum Mitsingen und Tanzen boten, wenngleich diese Optionen allerdings vergleichsmäßig wenig genutzt wurden. Beim „Freestyle Jam“ kam das Auditorium dann doch noch in Wallung. Offensichtlich hatten die Hasestädter Spaß an den wortakrobatischen Stand-up-Reimen der Bühnenakteure, denen standesgemäß die knackige Danksagung „Thank U For The Music“ und der rasend schnelle Zwiegesang „Rennen“ zwischen THOMAS D und seinem männlichen Backgroundsänger folgten. Für das wunderbare „Wish“, seinen bisher größten Solo-Charterfolg, den der „Hausmeister“ 1998 gemeinsam mit Franka Potente für den Film „Lola rennt“ gemacht hat, versicherte er sich der Mithilfe seiner beiden Sängerinnen, bevor es mit der gesamten Mannschaft und dem Kirchentags-Highlight „Vergebung, hier ist sie“ weiterging. Mit dem Titel konnte der Schwabe beim evangelischen Kirchentag in Bremen am letzten Freitag ganz klar punkten, aber auch in der Stadt des Westfälischen Friedens fand der emotionale Song, der erst zum vierten Mal live gespielt wurde, Gefallen. Mit krachenden Gitarren gab „Fighter“ im Anschluss ordentlich Gas und auch „Fluss“ verbreitete Partylaune, selbst wenn hiermit um 22.15 Uhr schon das Ende des regulären Sets gekommen war. Thomas stellte noch seine siebenköpfige Band vor, die mit allerlei Saiten-, Rhythmus- und Elektrogeräten und natürlich dem Gesang beschäftigt waren und ihre Sache wirklich ausnehmend gut machten.

Für die Zugabe ließen die Damen und Herren Künstler sich derweil etwas bitten, doch schließlich schafften es sogar die drögen Niedersachsen noch mal richtig abzugehen – komisch, dass die Menschen das in manchen Regionen immer erst auf den letzten Metern hinbekommen… Ausgelassenes Gehüpfe bis in die hinteren Reihen hätte ich mir nicht nur beim finalen „Rückenwind“om „Solo“-Debüt, sondern während der gesamten 90 Minuten gewünscht. Aber auch so war es wieder ein klasse THOMAS-D-Konzert, auch ohne die Videoshow aus Köln und den ein oder anderen Favoriten aus meiner TD-Discografie, der nicht den Weg auf die Setlist gefunden hatte.

Setlist THOMAS D
Get On Board
Keine Panik (Der Handtuch Song)
Wir brauchen Dich
Ride On
15 Min. of Fame
Neopytha
Freestyle Jam
Thank U For The Music
Rennen
Liebesbrief
Der eine Schlag
Die Speicherstadt
Wish
Vergebung, hier ist sie
Fighter

Alle für jeden
Rückenwind

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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