Konzert Filter

THURSTON MOORE

Ort: Bielefeld - Forum

Datum: 18.08.2014

Wie schlägt sich ein Künstler nach dem Ehe-Aus nach 27 Jahren und dem damit verbundenen Ende seiner Band? Verliert er an Relevanz? Am Ende des bevorstehenden Abends sollten die Anwesenden die Antworten auf diese Fragen gefunden haben. Überrascht werden diese allerdings kaum jemanden haben.

Dieser spätsommerliche Abend zählt eindeutig zu denen, für die man einen Club wie das Forum Bielefeld lieben muss. Eine musikalische Legende wie THURSTON MOORE in Berlin (wo er einen Tag vorher im Lido gespielt hat) oder Hamburg zu sehen, ist ja nichts Besonderes. In der ostwestfälischen Stadt erscheint das ehemalige SONIC-YOUTH-Mitglied noch unwirklicher, als er es sowieso schon tut. Da brauch es auch keine Vorband, um das Venue bis zur Theke zu füllen. Gekommen sind vor allem SONIC-YOUTH-Fans der ersten und zweiten Stunde. Kaum jemand im Forum wird ausschließlich wegen des Solo-Outputs hier sein, auf das sich MOORE hier allerdings erwartungsgemäß strikt bezieht. Immerhin ist mit Steve Shelley ein weiterer YOUTH-Mitstreiter an Bord. Dazu gesellen sich MY BLOODY VALENTINEs Debbie Googe und Ex-NOUGHT-Frontmann James Sedwards.

In dieser Besetzung lässt das SONIC-YOUTH-Gefühl nicht lange auf sich warten: Gleich beim ersten Schrappen über die Saiten wird klar, wer da vorne steht. Insgesamt etwas kompakter als die letzten Auftritte mit der mittlerweile aufgelösten Hauptband präsentiert MOORE hier einen angedeuteten Querschnitt durch seine Soloarbeit, der knackig und homogen vorgetragen wird. „Psychic Hearts“ und „Ono Soul“ sind immerhin schon über 20 Jahre alt und stehen den Songs des im Herbst erscheinenden neuen Albums gegenüber, das übrigens in der gleichen Besetzung aufgenommen wurde, wie sie da auf der Bühne steht. Der Titelsong erinnert entfernt an ein 2014-Update zu „Teenage Riot“, ohne auf irgendeine Weise retrospektiv zu wirken. Überhaupt finden SONIC-YOUTH-Reminiszenzen nur im Kopf des Publikums statt. Insgesamt also gute Vorzeichen, für das was kommt. Routiniert unspektakulär ist die Show nach einer guten Stunde schon vorbei. Subtrahiert man die zwei bis drei fünf- bis zehnminütigen Feedbackorgien heraus bleibt eine Nettospielzeit von 40 Minuten. Mehr hat der Meister nicht zu sagen, mehr musste das Publikum auch nicht hören. Das reicht vollkommen, um einen grandiosen Abend zu haben.

Copyright Foto: Michael Heiber

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu THURSTON MOORE auf terrorverlag.com