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TIAMAT – THE 69 EYES – AVA INFERI

Ort: Hamburg - Markthalle

Datum: 10.02.2009

TIAMAT zusammen mit den 69 EYES auf Tour, bösen Zungen könnten ja behaupten, die Vorreiter des Gothic und ihre weniger schmeichelhafte Kopie laden zum allseitigen Vergleich ein. Wie fast zu erwarten, war das Aufgebot an gotischen Damen in Korsett, Mörderstiefeln, Miniröcken und künstlichen Haarteilen immens und genau diese stürmten bei Öffnung der Türen auch gleich im Affenzahn auf die ersten Reihen zu, um ja den besten Platz zu ergattern. Zunächst schienen Platzprobleme aber kein Thema zu sein, denn nach einer Stunde Wartezeit ließen selbst bei Beginn der zusätzlichen Vorband geschätzte 250 Leute die Markthalle noch recht spärlich besucht aussehen. Nicht erst seit der Wirtschaftskrise leidet ja auch die eine oder andere hochrangige Band an Zuschauerschwund, gehören TIAMAT nun auch dazu? Dass das letzte Album „Amenethes“ nun auch schon ein Dreivierteljahr zurückliegt, bietet sicher keine optimalen Bedingungen.

Jetzt aber zum eigentlichen Geschehen: AVA INFERI stellten sich als höchst eintönige, wenn nicht die eintönigste, Angelegenheit seit langem heraus. Während ich sonst mit gotisch, doomig, düster angehauchten Bands leicht zu begeistern bin, war das, was diese portugiesische Formation präsentierte, allenfalls als langweilig zu bezeichnen. Wenig Inspiration, eine doch recht monotone Sopranistin und null Interaktion auf Bühne ließen die 45 Minuten Spielzeit zu den endlos erscheinendsten meines bisherigen Konzertlebens werden.

Die THE 69 EYES erwiesen sich dann als Publikumsmagnet, denn nun war die Halle doch recht gut gefüllt mit vornehmlich weiblichem Publikum. Ein paar Songs brauchten die „Helsinki Vampires“, wie sich die Finnen selbst gern titulieren, um die Menge so richtig in Fahrt zu bringen, doch dann war kein Halten mehr, es wurde munter mitgerockt und sämtliche Refrains auswendig mitgesungen und auch die typischen Mädchenhaftenfanallüren Marke „oh Gott, er hat mich angelächelt“, selbst von gestandenen (oder doch zumindest volljährigen) Damen fehlten am heutigen Abend nicht. Sänger Jyrki gab beim Hüftschwung aber auch alles und Frauenschwarm Jussi verausgabte sich vor lauter großen Posen hinterm Schlagzeug regelrecht. Irgendwie muss man sich ja von so weit hinten bemerkbar machen, wenn schon der musikalische Anspruch nicht ganz so hoch ist. Für Fans sicher die Erfüllung ihrer Träume!

Setlist THE 69 EYES
Framed in Blood
Never Say Die
Gothic Girl
Rocker
Christina Death
From Dusk till Dawn
Stolen Season
Feel Berlin
Stigmata
Dance D’Amour
Brandon Lee
Perfect Skin
Devils

Lost Boys
L.A. Woman

Fast hatte ich es befürchtet, ein beträchtlicher Teil der Horde war nur wegen der Finnen erschienen, da musste man fast schon Mitleid mit den schwedischen Nachbarn haben. Dabei ging TIAMATs Show von der ersten Sekunde an unter die Haut, ohne große Posen strahlte Frontmann Johan auf so eine subtile Weise ein so unglaubliches Charisma aus, dass man regelrecht in seinen Bann gezogen wurde. Minimale Ansagen, kleinste Gesten, sparsam dosierte Interaktion mit dem Publikum und trotzdem vermisst man nicht das Geringste. Hier wird die Musik für sich sprechen gelassen, was bei den Düsterurgesteinen bestens funktionierte. Musikalisch gab man mit dem sanften Opener „Will They Come?“ zugleich den Ton des Sets vor, dabei hätte der Kracher „Equinox of the Gods“ doch eigentlich prima als Einheizer gepasst. Wie zu erwarten lag der Fokus eher auf dem letzten Album, dabei hätte sicher niemand etwas dagegen gehabt, wenn das gesamte „Wildhoney“ von A bis Z durchgespielt worden wäre. Immerhin gab es davon „Do You Dream of Me“ und „Gaia“ zu hören, meine persönlichen Höhepunkte neben dem wohl härtesten Stück des Abends „The Sleeping Beauty“, wo kurzzeitig kollektives Mattenschwingen angesagt war. TIAMAT bewiesen ohne Frage, wo der musikalische Hammer hängt, wenn auch nicht alle Anwesenden diese Meinung geteilt haben werden.

Setlist TIAMAT
Will They Come?
Raining Dead Angels
Cain
Until The Hellhounds Sleep Again
Do You Dream of Me?
Divided
Vote for Love
Equinox of the Gods
For Her Pleasure
Brighter Than the Sun
Wings of Heaven
Via Dolorosa

The Sleeping Beauty
Gaia

Copyright Fotos: Juliane John

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