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TIM BENDZKO – F.R.

Ort: Bielefeld - Ringlokschuppen

Datum: 05.02.2012

TIM BENDZKO? Passt der zum Terrorverlag? Der beliebte Mitzwanziger, der derzeit im Radio in Endlosschleife läuft und dem man kaum entkommen kann, schaltet man Musikfernsehen an. Im Vorfeld waren wir kurz unschlüssig, ob ein Bendzko ins Portfolio passt, aber schliesslich gab es vor nicht allzu langer Zeit auch einen Bericht über die MÜNCHNER FREIHEIT. Also haben wir kurzerhand unsere Bedenken beiseite gestellt und auf gings es am ersten Februar-Sonntag 2012 in den heimatlichen Ringlokschuppen.

Im Vorfeld waren fast alle Konzerte des Berliners in Rekordzeit ausverkauft, so auch das am heutigen Abend – allerdings bei den vorherrschenden Temperaturen keine Einschränkung. Ganz im Gegenteil momentan kuschelt man sich gern enger zusammen und so war auch die Halle bereits prall gefüllt mit zum größten Teil Vertreterinnen des weiblichen Geschlechts. Der Männeranteil war – wie es zu erwarten war – relativ gering. Das wurde dann auch noch später am Abend thematisiert. Und zwar vom Supportact F.R. – bürgerlich Florian Römer. Er machte sich den Spaß, abwechslend die Damen und die Männer kreischen oder johlen zu lassen. Was damit endete, dass die Frauen auch noch das Johlen der Männer übernahmen, damit man sie überhaupt hörte. F.R. macht deutschen Rap mit sentimentalen, den Zeitgeist treffenden Texten, die offenbar auch den Nerv der Zuhörer trafen. Entgegen aller bisherigen Erfahrungen in OWL ging das Publikum heute abend mit, liess sich animieren und begleitete eine immer schneller werdende Rap-Einlage mit großem Jubel. Trotz seiner Jugend von 21 Jahren hat er bereits einige Alben veröffentlicht und seine letzte CD „Ganz normaler Wahnsinn“ heute ebenfalls im Gepäck. Intelligenter Wortwitz und punktgenaue Formulierungen als Markenzeichen, stach besonders sein Song über den allgemeinen Facebook-Virus („Sind wir nicht alle FB-Opfer“?) hervor. Ich könnte mir vorstellen, dass man in Zukunft noch mehr vom Exil-Braunschweiger hören wird.

Setlist F.R. (Ohne Gewähr)
????
Gefällt Mir
Gut Darin
Flucht Zu Dir
Bester Freund
Rap Medley
So Soll`s Sein

Nach einer kurzen Umbaupause war die Zeit dann reif für den Hauptakteur des Abends: TIM BENDZKO. Dieser allerdings liess die Menge zunächst etwas zappeln, denn zu den fast sphärischen Klängen des ersten Titels „Du warst noch nie hier“ kamen erst nacheinander die Bandmitgleider auf die Stage und man hörte nur Tims Stimme aus dem Off. Als er dann tatsächlich leibhaftig im Rampenlicht erschien, brach ohrenbetäubender Jubel los. Und tatsächlich fiel es schwer, dem jungenhaften Charme des Blondschopfs zu widerstehen. Wie sagte eine Kollegin so bezeichnend: Tim ist so süß, da schiesst einem glatt die Muttermilch ein. Allerdings täte man TIM BENDZKO unrecht, würde man ihn nur auf sein smartes Äußeres reduzieren und vermuten, dass sein Erfolg nur seinem Erscheinungsbild zuzutragen ist. Seine Songs sind Ohrwürmer, die sich in die Gehörgänge hineinwinden und sich dort einnisten. Dazu kommen die intelligenten Texte, in denen sich offenbar eine ganze Generation wiederfinden kann. Große Gefühle in einfache Worte gekleidet: „Du bist die Erinnerung an Leichtigkeit, die ich noch nicht gefunden hab‘.“ Klar, das könnte auch ein Schlagerbarde von sich geben, aber da steht ein schlaksiger junger Mann auf der Bühne, dem man das doch irgendwie einfach glaubt. Und funktionierte dies auch live? Zu meinem eigenen Erstaunen stellte ich fest: es funktionierte live. Der Sound war in der großen Halle wie immer hervorragend. Unterstrichen wurde die Stimmung durch eine fast reduzierte Lightshow mit sieben Moodlights im Hintergrund. Aber auch die Musiker, die TIM BENDZKO um sich gescharrt hatte, verstanden ihr Handwerk. Daniel Hoffknecht (Gitarre), Arne Nitzsche (Bass), Peter Wanitschek (Drums), Fabian Sennholz (Keyboards), Daniel Hassbecker (Orgel/Akkordeon/Cello) und last but not least Philipp Ritzmann (Backing Vocals) sind ein eingespieltes Team, das auf der Bühne zu Höchstform aufläuft und Spaß an dem hat, was es da tut. Aber man konnte auch immer noch das ehrliche Staunen über soviel Zuspruch in den Augen der Protagnisten entdecken. Selbstverständlich wurde die im letzten Jahr erschienene CD „Wenn Worte meine Sprache wären“ rauf und runter gespielt, aber es gab auch Material, das nicht von dieser CD kam, wie zum Beispiel „In dein Herz“ oder „Ich will zu dir“. Besonders bejubelt wurden natürlich beide Singles. „Welt retten“ sang er zusammen mit F.R. kurz vor dem Ende des regulären Sets und „Wenn Worte meine Sprache wären“ dann im Zugabenblock. Textsicher war das Publikum allerdings bei absolut jedem Song!

Fast wider Erwarten ein angenehmer Trip in deutsche Singer-Songwriter-Gefilde. Man darf gespannt sein, wohin sein Weg TIM BENDZKO noch führen wird, hat er doch an Preisen schon alles abgeräumt, was eben geht und sind die Konzerte ausverkauft. Konstante Qualität wäre wünschenswert, denn die Herausforderungen kommen jetzt sicher erst mit dem steigenden Erwartungsdruck.

Setlist TIM BENDZKO (Ohne Gewähr)
Du Warst Noch Nie Hier
Es Fängt Wieder An
Auf Den Ersten Blick
Das Letzte Mal
Es Kommt Zurück
Ich Laufe
Keiner Weiss
Es Wird Nicht Einfach Sein
Ich Kann Alles Sehen
Welt Retten feat. F.R.
Zweifellos feat. F.R.
Das Ende Der Welt
Das Wissen Wir Beide
Schall & Rauch
Weitergehen
Ich Will Zu Dir
Sag Einfach Ja
Ich Hör Nicht Auf

Mehr Davon
Wenn Worte Meine Sprache Wären

In Dein Herz
Keine Zeit

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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