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TOCOTRONIC

Ort: Bielefeld – Forum

Datum: 01.11.2013

Lust auf ein wenig Diskurs Rock zu Allerheiligen? Hamburger Schule am Feiertag? Der Tourstart von TOCOTRONIC im Bielefelder Forum sollte derlei Genüsse befriedigen. Die 4 Herren aus dem Norden der Republik sind musikalisch längst etabliert, erkennbar u.a. an den Chart-Ergebnissen ihrer Alben – was die Band selbst wahrscheinlich eher kalt lässt. Wenn aber sogar der deutsche Andy Warhol HEINO die „Kapitulation“ in seine Cover-Sammlung aufnimmt, dann ist doch der Olymp der Populärkultur erklommen oder? Von Lowtzow erklärte hierzu launig, dass der greise Schlager-Barde stimmlich dabei wie eine „Mischung aus LEE MARVIN und LAIBACH“ daherkäme, man ansonsten aber maximal desinteressiert bis amüsiert wäre. Aber zurück zum 1. November, passend zur Bühnenreise hat man auch gleich eine neue digitale Single am Start, „Warte auf mich auf dem Grund des Swimmingpools“, mit Remixen u.a. von WESTBAM. Auch empfehlenswert das Video hierzu vom Hamburger Regisseur Aron Krause. Mit diesem Wissen und viel Neugier im Gepäck ging es gegen 20 Uhr zur bekannten Konzertstätte an der Meller Strasse, vor der bereits lebhaftes Treiben herrschte.

Am Ende sollte die „legendäre Kaschemme“ (Zitat: von Lowtzow) zwar nicht ausverkauft aber dennoch brechend voll sein, von meinen Platz auf der Treppe hatte ich aber eine gute Übersicht auf das Treiben. Ein sehr hoher Brillenanteil dafür kaum gezückte Handys – ergo ein angenehmes, studentisches Publikum, das durchaus rocken konnte, wie sich später noch zeigen sollte. Nach einem Intro traten die 4 Tocotronics (auf eine Vorband wurde verzichtet) vor dem Banner einer Raubkatze an, die Bühne von unzähligen Kuscheltieren geschmückt. Ohne großes Blabla ging es direkt in die Vollen, mit den beiden Klassikern „Let there be rock“ und „This Boy is Tocotronic“ an Position 2 und 3 sorgte man gleich für die richtige Stimmung im aufgeheizten Rund. Natürlich wurde auch der aktuelle Longplayer gewürdigt („Ich will für dich nüchtern bleiben“, „Abschaffen“, „Die Revolte ist in mir“), der wieder den üblichen, leicht monoton wirkenden TOCOTRONIC-Schrammel-Rock mit intelligenten Texten verbindet. Dazwischen eher sparsam eingestreute Ansagen und Kommunikation mit den Ostwestfalen. So wurde z.B. Bezug genommen zu den Kollegen von FEINE SAHNE FISCHFILET, die unlängst in Bielefeld ein traumatisches Erlebnis hinnehmen mussten. Ihnen wurde im AJZ glatt der Saft abgedreht, als der Drummer es „gewagt“ hatte, oben ohne zu spielen. Derart Gefahr bestünde an diesem Abend nicht, betonte der gute Dirk, ob dies nun optische Gründe hatte, bleibt an dieser Stelle unbestätigt. Gepogt wurde jedenfalls ganz ordentlich an vorderster Front, aber nicht so, dass der einsame Security Mensch hätte eingreifen müssen. „Macht es nicht selbst“ sorgte mit seinen nach vorne preschenden Gitarren richtig Laune, das nachfolgende „Jackpot“ kam extrem basslastig rüber und Rick McPhail spielte auch ganz „rebellisch“ mit einer Zigarette im Mundwinkel. Extrem cool dann das Ende des ca. 80 minütigen Hauptteils: „Ich bin viel zu lange mit euch mitgegangen“ wurde von einem ausufernden Instrumental-Teil abgerundet, der in Sachen Dynamik keine Wünsche offen ließ.

Doch das konnte es noch nicht gewesen sein. Wenngleich von Lowtzow Bielefeld etwas übertrieben schleimig lobte (er sah es dann auch selber ein), war der Wunsch nach einer Verlängerung doch immens und so gab es 3 plus 1 Zugabe. Das eingängige „Mein Ruin“ z.B. oder auch das leicht „doomige“ Freiburg, bevor es mit dem kommunistischen Gruß abermals hinter den imaginären Vorhang ging. Das abschließende „Explosion“ klingt auch ein wenig so wie der Titel – ergo ein lärmig-launiger Abschluss eines fast 2 Stunden währenden Konzerts, das sich kaum Schwächen erlaubte. Höchstens dass mein persönlicher Liebling „Im Zweifel für den Zweifel“ nicht auf der Setlist stand…

Setlist TOCOTRONIC
Wie wir leben wollen 
Let there be rock 
This Boy is Tocotronic 
Sag alles ab 
Abschaffen 
Die Revolte ist in mir 
Gegen den Strich 
Drüben auf dem Hügel 
Ich will für Dich nüchtern bleiben 
Aber hier leben, nein danke 
Macht es nicht selbst 
Jackpot 
Hi Freaks
Ich möchte irgendetwas für Dich sein 

Mein Ruin
Ich bin viel zu lange mit euch mitgegangen
Freiburg

Explosion

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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