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TOMTE – GHOST OF TOM JOAD

Ort: Osnabrück - Rosenhof

Datum: 28.03.2009

Es war schon wieder mehr als zwei Jahre her, dass die Indie-Rocker von TOMTE zuletzt den Rosenhof besucht hatten. Genau wie im Oktober 2006 war das ehemalige Kino bis auf den letzten Platz ausverkauft, nur war leider diesmal das Wetter alles andere als schön und ich kam zu spät in der Location an, so dass ich nicht den kompletten Gig von GHOST OF TOM JOAD mitbekommen habe.

Der Auftritt Münsteraner Post-Punks waren schon im vollen Gange, als ich im kurz vor 20.00 Uhr den ersten Blick auf die Bühne werfen konnte und offensichtlich kam die Mucke meiner westfälischen Nachbarn nicht nur in Osnabrück gut an, denn Sänger und Gitarrist Henrik Roger musste verkünden, dass ihnen in den acht Tagen auf Tour mit TOMTE die CDs ausgegangen seien. Zweifellos ein gutes Zeichen und tatsächlich verstand es das Trio auch ganz hervorragend, der Meute einzuheizen. Neben Songs vom letztjährigen Debüt „No Sleep Until Ostkreuz“, spielten die Jungs, die sich nach einem Lied von BRUCE SPRINGSTEEN benannt haben und seit 2006 aktiv sind, natürlich auch Tracks ihres im Februar veröffentlichten zweiten Album „Matterhorn“. Zwischendrin wechselte Bassist Jan Mehring, der nebenbei auch das Mikro bedient auch einmal an Henriks Sechssaiter, damit dieser in die Keyboard-Tasten hauen konnte, während Drummer Christoph Schneider stets für einen druckvollen Rhythmus sorgte. Alles in allem ein gelungener Start in den Abend!

Nach einer halben Stunde Umbaupause war es dann um 20.50 Uhr so weit: Zunächst einmal begaben sich Schlagzeuger Max Schröder und TOMTE-Neuzugang Simon Frontzek, der den Job an den Tasten im vergangenen Jahr von Schröder nach dem Ausstieg des alten Drummers Timo Bodenstein übernommen hatte, an ihre Arbeitsplätze, dann kam auch der Rest auf die Stage und legte mit „Für immer die Menschen“ vom 2003er Longplayer „Hinter all diesen Fenstern“ auf das Feinste los. Was folgte, war ein abwechslungsreicher Abriss der bisherigen TOMTE-Discografie – natürlich mit einem Schwerpunkt auf der aktuellen Langrille „Heureka“, die es nicht nur in den Charts bis auf Position 9 gebracht hat, sondern auch im Rosenhof immer wieder zu begeisterten Publikumsreaktionen führte, wenn Fronter Thees Uhlmann einen Titel der letzten VÖ ankündigte. Thees trug selbstverständlich wieder eine seiner geliebten Lederjacken und unterhielt sein Publikum mit seinen Wortbeiträgen ebenso gut wie mit seinem etwas speziellen Gesang. So hat er beispielsweise seinen Wunsch, nie mehr einen Schlafanzug anziehen zu müssen (hat wohl erotische Gründe), in dem Song „Du bringst die Stories (ich bring den Wein)“ verpackt, der ganz hervorragend im Rosenhof ankam. Übrigens wusste Thees sogar, dass der Club unter die drei besten Venues Deutschlands gewählt wurde und hatte als „Osnabrück-Kenner“ auch mitbekommen, dass es Überlegungen gibt, in der Hasestadt eine große Mehrzweckhalle zu bauen. Herr Uhlmann scheint jedoch eher ein Freund kleiner Schuppen zu sein, genauso wie er nicht verheimlichte, dass er vom Dorf komme und diese Herkunft auch in den Gesichtern seiner Osnabrücker Fans entdeckte. Natürlich gab es als Erinnerung an Landjugendparties und die damit verbundenen Schlägerein den „Rick McPhail Song“, bei dem Simon mit großem Einsatz das Tamburin schlug. Herr Frontzek schien wie bereits beim letzten TOMTE-Gig im Rosenhof, bei dem er mit seiner Band SIR SIMON BATTLE noch das Vorprogramm bestritt, eine große Anhängerschar zu besitzen, denn immer wieder waren „Simon“-Rufe aus dem Auditorium zu hören, wenn der Herr wahlweise an den Tasten, Gitarrensaiten oder Rhythmusgeräten seines Amtes waltete. Neben sehr tanzbaren Stücken wie die erste „Heureka“-Singleauskopplung „Der letzte große Wahl“ mit der entsprechenden farbenfrohen Lightshow, hatten TOMTE auch ruhigere Nummern im Gepäck. Etwa den gerade erwähnten Titeltrack, für den die Bühne nur mit einigen Standscheinwerfern ausgeleuchtet wurde oder das ebenso emotionale wie orgellastige „Nichts ist so schön auf der Welt, wie betrunken traurige Musik zu hören“, mit dem die Wahl-Berliner nach einer Stunde ihr reguläres Set beendeten.

Für den ersten Zugabenblock mussten zunächst einige Stühle in Position gebracht werden, weshalb ein Kinderchor vom Band die Zwischenzeit überbrückte, bevor neben Simon, Max, Dennis Becker (Gitarre) und Nikolai Potthoff (seit 2008 für Oliver Koch am Bass) Gunnar Vosgröne von ESCAPADO mit seinem Cello Platz nahm. Einzig Thees blieb stehen, um am letzten Abend der Tour ein letztes Mal das Gefühl zu erleben, wenn wie in Osnabrück etwa 1.000 Zuschauer bei „New York“ seinen Namen singen. Nicht fehlen durfte natürlich der TOMTE-Hit „Schreit den Namen meiner Mutter“, aber auch neue Titel wie „Voran voran“ oder „Es ist so, dass du fehlst“ (eine Verbeugung vor dem 2004 verstorbenen Musikjournalisten Rocco Clein) wussten in der reduzierten Akustikfassung zu begeistern. Nach einem weiteren kurzen Abgang überraschten TOMTE mit einer kurzen Slow- Motion-Interpretation des KILLERS-Hit „Human“, bevor sie mit „Die Schönheit der Chance“ und „Ich sang die ganze Zeit von dir“ (von der bisher erfolgreichsten LP „Buchstaben über der Stadt“ aus 2005) zwei Indie-Gassenhauer aus dem Hause Grand Hotel van Cleef anstimmten. Den entgültigen Schlusspunkt sollte nach 110 Minuten jedoch das gefühlvolle „Geigen bei Wonderful World“ setzen, nachdem Thees seiner Tourcrew noch ein Ständchen gebracht und sich zum Bürgermeister von Osnabrück erklärt hatte.

Was der bisherige OB Boris Pistorius von dieser Amtsenthebung hält, vermag ich nicht zu sagen. Die Stimmen seiner Fans hätte der GHvC-Mitbegründer bestimmt bekommen. Die machten nämlich einen rundum zufriedenen Eindruck und tatsächlich gab es keinen Grund für etwaige Beschwerden, sieht man mal davon ab, dass die Samstag Nacht aufgrund der Umstellung auf die Sommerzeit eine Stunde kürzer ausfiel. Dabei dürfte das Wochenende nicht nur der erklärte Lieblingstag von Thees Uhlmann sein, der zwar früher Sonntag abends nicht wegen seiner Angst vor Mathe einschlafen konnte (jetzt ist es die Angst von Simon Frontzek, die ihn schlaflos macht), aber gemeinsam mit seiner Kapelle dafür gesorgt hat, dass die Osnabrücker einen fantastischen Samstag Abend hatten.

Setlist TOMTE
Für immer die Menschen
Wilhelm, das war nichts
Wie sieht’s aus in Hamburg
Wie ein Planet
So soll es sein
Was den Himmel erhellt
Du bringst die Stories (ich bring den Wein)
Der letzte große Wal
Küss mich wach, Gloria
Korn & Sprite
The Rick McPhail Song
Heureka
Nichts ist so schön auf der Welt, wie betrunken traurige Musik zu hören

Schreit den Namen meiner Mutter
Voran voran
Es ist so, dass du fehlst
New York

Dein Herz sei wild
Die Schönheit der Chance
Ich sang die ganze Zeit von Dir

Geigen bei Wonderful World

Copyright Fotos: Jan-Hendrik Kruse

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