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TONY MONO

Ort: Bielefeld - Ringlokschuppen

Datum: 21.03.2011

Was für ein Tag: Frühlingsanfang und strahlend blauer Himmel. Grund genug für den Recklinghausener Starproduzenten, selbsternannten „Pimp des Pop“ und den Schrecken DIETER BOHLENs, mal wieder Station in Bielefeld zu machen, denn die letzte Show des 1Live Comedian vor Ort wurde, wie auch in anderen Städten, frenetisch bejubelt. Kein Wunder also, dass es mittlerweile zur dritten Tourverlängerung gekommen ist.

Und wie es sich für einen richtigen Star gehört, ließ der erst einmal sein Publikum eine geschlagene Viertelstunde warten, ehe sich dann Rapper EMINEM anschickte, im Aufzuge eines Boxers die Bühne zu entern. Natürlich steckte „the One and Only“ TONY MONO hinter dieser Verkleidung, die er im Nu abgelegt hatte und sich von den ca. 800 anwesenden Fans feiern ließ. Tony hatte sich vorab über Bielefeld informiert und stellte fest, dass auf der Startseite der Bielefeld-Homepage Führungen über die städtischen Friedhöfe angeboten werden und dass ein Seifenkistenrennen ausfällt. „Ich komme gern nach Bielefeld … für viel Geld“, ja damit kann man ihn in diesen Ort mit den vielen Stadtteilen wie Ummeln oder auch Schröttinghausen locken. Aber er sympathisierte mit dem krisengeschüttelten Fußballverein, indem er sich einen Schal umwarf und den ÄRZTE-Hit „Junge“ auf „Arminia“ umtextete und brachte schonungslos auf den Punkt, wo es beim Traditionsverein hapert: nämlich, dass der Abstieg in die dritte Bundesliga wohl nicht mehr abzuwenden ist. Da es im Fernsehen à la DSDS recht gut funktioniert bzw. zumindest die Quoten stimmen, versuchte der „Popproduzent der ganz Großen“ auch aus dem Publikum jemand „ganz Beliebigen“ zu casten und ihn megamäßig rauszubringen. Das ist dann immer der Punkt, an dem die Leute sich auf ihren Sitzen ganz klein machen und so tun, als wären sie gar nicht da. Es gibt Menschen, die auf jemanden zeigen, damit derjenige Aufmerksamkeit erhält und auf die Bühne gebeten wird. Diesem Jemand blieb aber auch keine andere Wahl, denn freiwillig meldete sich ja niemand. „Also nehme ich den, der gemeldet wurde – so wie früher bei der Stasi“. Die Annemarie hatte es getroffen und etwas schüchtern stand sie jetzt auf der Bühne und wurde vom Meister persönlich am Piano zum CELINE DIONs Hit „My Heart Will Go On“ begleitet. Das machte sie schon recht gut, nur Tony`s Leitspruch lautet: „Das geht besser“ und siehe da, sie schmetterte den Song fast perfekt durch die große Halle. Spätestens jetzt war auch dem Letzten klar: das kann kein Zufall sein. Was störte, war doch das etwas biedere Äußere des Mädels. Aber auch da wußte Herr Mono Rat: In einem Stoffschlauch, wie sie auch Zauberer benutzen, sollte sie sich umziehen und plötzlich stand Sexy AnnemaRIHANNA auf der Stage und sang „Tonys Bühnengirl“. Derweil postierte sich TONY MONO auf der Empore inmitten des Ringlokschuppens um endlich das „F“ Wort in den Mund zu nehmen. Ja es wird „F“rühling und als COMEDIAN HARMONISTS gab er „Barbara“ im LADY GAGA-Stil zum Besten. Der Graf von UNHEILIG ist in Wirklichkeit GRAF DRACULA, auch das erfahren wir auf musikalische Weise. Und auch warum die Band um den Grafen so viel Erfolg hat: „Erst kommt Twilight in die Kinos und die Plattenfirma schickt UNHEILIG hinterher. Dann die erschreckende Pisa Studie und die Katzenberger veröffentlicht eine Single. Und mitten in der Fastenzeit erscheint das neue Album von GOSSIP.“ Erfolg ist eben doch kein Zufall. Aber wie erklärt sich der Starproduzent den imensen Erfolg seiner Schützlinge, die sich in seinem Studio die Klinke in die Hand geben, seien es nun SHAGGY, PETER FOX, SHAKIRA, die BLACK EYED PEAS oder auch MADONNA? „Ganz einfach: „Man nehme den schlechtesten Teil des Songs und pimpt ihn um 90% auf “ So wird z.B. aus der Musik von STROMAEs „Alors On Danse“ gemixt mit den ATZEN der Kracher „Was Geht Ab“. Aber auch SCOOTERS „Lambada“ animierte die Zuhörer auf ihren Sitzen zum Mitgrölen, kein Wunder, denn die eingestreuten Texte von „Biene Maja“ und „Pipi Langstrumpf“ kennt doch jeder. Nach der wirklich gelungenen Volksmusikpersiflage des MADONNA Titels „Hung up“, hier in der MARIANNE und MICHAEL Version „Hang Ab“ war leider auch schon Schluß. Als Zugabe gibt es für Freunde der Oper die geniale Arie „Hammer“ von CULCHA CANDELA in Verbindung mit „Geile Zeit“ von JULI, hier natürlich „Geile Maid“ von Annemarie geträllert.

Seit den legendären TILL und OBEL Ende der 80er, Anfang der 90er, endlich mal wieder Musikcomedy vom Feinsten, wobei mir einige Schmankerl auch bekannt vorkamen. Sicher wurde einiges von den beiden übernommen und verfeinert. Das Programm unterschied sich vom letzjährigen nur minimal. Die Musikstücke können ganz fix ausgetauscht werden, das wird auch in Zukunft nicht das Problem sein. Nur das Casten der Bühnenpartnerin wird sich spätestens beim dritten Mal abnutzen. Ich habe es jetzt zum zweiten Mal gesehen und wusste bereits, was jetzt passieren würde. Beim ersten Mal ist man schon erstaunt, was für einen Glücksgriff TONY MONO da getätigt hat und kam ganz schön ins Grübeln. Später lacht man über sich selbst, dass man doch kurzzeitig darauf reingefallen ist. Es gibt aber auch Situationen, die können eben passieren, da ist kein Star vor gefeit. Getroffen hat es dieses Mal LADY GAGA, die während ihres „Pokerstrips“ auf Hilfe aus dem Publikum angewiesen war, da der Verschluß ihres Kleides nicht aufging. Als dann endlich die Hüllen fallen sollten, war die Musik zu Ende und das Licht ging aus. So ein Scheiß aber auch, muß das denn gerade heute in Bielefeld passieren.

Was beim Radiosender 1Live mit dem Wettervorhersong anfing, funktioniert auch auf der Bühne hervoragend. Aber auch die Vergangenheit holt TONY MONO ein, denn als er ein Stück von HERBERT GRÖNEMEYER, der erst vor kurzen sein aktuelles Werk „Schiffsverkehr“ veröffentlichte, zum Besten gab, mischten sich Ernie und Herr Bert ein, die mittlerweile auch Comedyklassiker des Senders sind. Wie hieß noch gleich der Titel vom Herbert: „Wann ist der Mann eine Memme“ oder so ähnlich.

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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