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TOOL – BRASS AGAINST

Ort: Hamburg – Barclays Arena

Datum: 28.04.2022

Acht Monate ist es her, dass ich auf einem Konzert war. Ja, Corona hat mein Freizeitverhalten zweifellos wesentlich verändert. Wer hätte vor COVID-19 gedacht, dass man mal FFP2-Masken während eines Live-Gigs tragen müsste? Bei TOOL war dies heuer in der Barclays Arena angesagt. Ebenso wie Tatsache, dass auch der Innenraum komplett bestuhlt war. Für ein Rockkonzert nicht eben Standard, aber wie sich zeigen sollte, nicht völlig unpassend für den perfekt durchgestylten Gig der 1990 gegründeten Prog-Metal-Kapelle aus Los Angeles, die 2019 mit „Fear Inoculum“ nach 13 Jahren Studiopause ihr fünftes Album in die Plattenläden gebracht hat.

Bevor die Herren Maynard James Keenan (Gesang), Adam Jones (Gitarre), Danny Carey (Schlagzeug) und Justin Chancellor (seit 1995 am Bass) jedoch die Stage betraten, sorgten zunächst BRASS AGAINST für eine gelungene Aufwärmübung in der nahezu ausverkauften Halle. Als die sieben Herren und die stimmgewaltige Fronterin ihr Set mit dem AUDIOSLAVE-Cover „Cochise“ begannen, hatten allerdings längst noch nicht alle Besucher ihre Plätze eingenommen. Die Einlasskontrollen gestalteten sich einfach ziemlich zeitaufwändig, auch wenn die Überprüfung des Impfstatus eher oberflächlicher Natur war. Diejenigen, die nicht pünktlich um 19.30 Uhr in der Halle waren, verpassten ein Kollektiv aus New York, das aus zwei Dutzend Musikern besteht und sich auf die Fahnen geschrieben hat, in unterschiedlichen Besetzungen Songs von TOOL, RAGE AGAINST THE MACHINE, SOUNDGARDEN, BLACK SABBATH oder auch RUN THE JEWELS – aber auch eigenen Kompositionen – ein druckvolles Brass-Gewand zu verpassen. Mit „Stinkfist“ vom 1996er „Ænima“ hatte die Truppe auch gleich einen absoluten TOOL-Überhit im Programm, der vom Auditorium begeistert aufgenommen wurde. Gleiches galt auch für die eröffnenden Klänge des letzten Stückes, denn hier war „Lateralus“ vom gleichnamigen Longplayer aus 2001 zu hören, ehe „Killing In The Name“ von RAGE AGAINST THE MACHINE nach allen Regeln der Bläser-Kunst zelebriert wurde. Auch dazwischen gab es während des 45-minütigen Supports nichts zu benstanden – das gespannte Publikum war zweifelsohne auf Betriebstemperatur!

Setlist BRASS AGAINST

  • Cochise (AUDIOSLAVE- Cover)
  • Bulls On Parade (RAGE AGAINST THE MACHINE-Cover)
  • Stinkfist (TOOL-Cover)
  • Umbra
  • Kashmir (LED ZEPPELIN-Cover)
  • Guerrilla Radio (RAGE AGAINST THE MACHINE-Cover)
  • Forty Six & 2 (TOOL-Cover)
  • Killing In The Name (RAGE AGAINST THE MACHINE-Cover mit Intro „Lateralus“ von TOOL)

Üblicherweise lüftet sich zu Beginn eines Konzertes der Vorhang, wenn die Bühne bei TOOL stattdessen von einem halbtransparenten Sichtschutz aus langen Schnüren verdeckt ist, wundert das nicht weiter. Schließlich ist Mr. Keenan nicht gerade als Rampensau bekannt und so überraschte es auch nicht weiter, dass es (wie üblich) keine Fotografen im Graben gab und sogar ein grundsätzliches Foto- und Videoverbot ausgesprochen worden war. Der besagte Vorhang diente jedoch auch als Projektionsfläche für die zahlreichen Videoinstallationen, mit denen die großartigen Songs, die zum Großteil vom aktuellen Silberling stammten, optisch untermalt wurden. Auch die Erhöhungen, auf denen sich das Drumkit und die Arbeitsbereiche von Maynard befanden, dienten als Leinwand, überhaupt wurde viel Wert auf die Optik gelegt – sei es durch die eingespielten Videos oder durch die opulente Lightshow, zu der sich gegen Ende noch eine Unmenge an Flitter gesellte, der auf die Menschen im Innenraum hinuntersegelte. Dass der TOOL-Vokalist (als Fronter kann man Maynard James Keenan kaum bezeichnen, es gibt wohl wenige Bandkonstellationen, in denen der Drummer mehr in Szene gesetzt wird als der Sänger) immerhin der Zuschauerschaft zugewandt war, wenn er auf den Emporen rechts bzw. links des Kollegen Carey agierte, war schon deutlich mehr als man dies aus der Vergangenheit (auch von seinem Zweitprojekt A PERFECT CIRLCE) kannte. Ehrfürchtig lauschten die Fans den Klängen der vermutlich besten Prog-Metal-Kapelle der Welt, sodass der Mann mit dem Iro nach einer Weile fragte, ob die Leute müde seien, weil doch alle saßen. Dass ließen sich die Nordlichter natürlich nicht zweimal sagen und es kam Bewegung in den Saal und auch auf der Stage tat sich was, denn der Vorhang wurde entfernt. Insgesamt lieferten TOOL über 95 Minuten ein wahres Feuerwerk aus Sound und Optik ab, um dann eine zwölfminütige Pause einzulegen (es wurde in großen Ziffern runtergezählt), bevor es mit Danny auf einen „Chocolate Chip Trip“ ging. Der Mann hinter der Schießbude agierte hier allein und begeisterte mit allerlei visuellen Spielereien und natürlich einer Musik, die über jeden Zweifel erhaben war. Für das ruhige „Culling Voices“ versammelte sich der Vierer zu einer Art Akustikset im vorderen Bereich, am Ende fanden sich alle wieder auf ihren Positionen ein und die fesselnde Nummer fand ihren fesselnden Abschluss. Endgültig Abschied nehmen hieß es dann mit „Invincible“, das jedoch noch einmal zu einem opulenten TOOL-Parforceritt ganz nach dem Geschmack der Fans ausuferte.

Um 23.20 Uhr war dann nach einer Gesamtspielzeit von 140 Minuten tatsächlich Schluss und ein perfektes Konzert fand seine Vollendung. Für meinen Geschmack eine Spur zu perfekt, bisweilen fehlte mir bei der ganzen Inszenierung ein wenig die musikalische Seele und was ich wirklich schmerzlich vermisst habe, waren die alten TOOL-Gassenhauer, ganz vorne weg: „Schism“, das ich nur zu gern gehört hätte und mit dem mich die Amis 2007 auf dem AREA 4 regelrecht mit ihrer Mucke angefixt haben. Aber ich meckere auf hohem Niveau, denn es war wirklich ein eindrucksvoller Gig, der sogar bestuhlt mitreißend war. Bleibt nur zu hoffen, dass wir demnächst irgendwann mal auf die Masken verzichten können ohne damit rechnen zu müssen, uns mit großer Wahrscheinlichkeit infizieren zu müssen. Und ganz ehrlich: 40 Euro für ein Bandshirt sind eine Unverschämtheit!

Setlist TOOL

  • Litanie contre la Peur (Intro)
  • Fear Inoculum
  • Sober
  • The Pot
  • Pushit
  • Pneuma
  • The Grudge
  • Right in Two
  • Descending
  • Hooker With a Penis

Zwölfminütige Pause

  • Chocolate Chip Trip
  • Culling Voices
  • Invincible

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