Konzert Filter

TORPUS & THE ART DIRECTORS – MORITZ GADOMSKI

Ort: Münster – Gleis 22

Datum: 16.10.2013

Warum nicht mal wieder einen entspannten Abend in der Nachbarschaft Münster verbringen, wenn sich dort Besuch aus dem hohen Norden angesagt hat? Schließlich sind TORPUS & THE ART DIRECTORS ein Garant für beste Unterhaltung in Sachen Folk-Pop. Inzwischen ist es schon wieder ein Jahr her, dass der zweite Longplayer „From Lost Home To Hope“ im Hause Grand Hotel van Cleef erschienen ist und auch die momentane Konzertrundreise ist nach den Frühjahrs-Gigs sozusagen bereits der zweite Tour-Abschnitt oder auch Live-Nachschlag. Nachdem ich beim diesjährigen Hurricane und im vergangenen Jahr als KETTCAR-Support schon das Vergnügen mit den fünf Wahl-Hamburgern hatte, war auch mein Appetit auf mehrstimmigen Gesang und von MUMFORD & Sons oder auch den FLEET FOXES inspirierte Musik erneut geweckt, sodass ich mich pünktlich um 21.00 Uhr im altehrwürdigen Gleis 22 einfand.

Dort war die kleine Stage zunächst einmal für MORITZ GADOMSKI und seine Kumpels Max Kontak und Julian Heidrich präpariert. Zwischen den zahlreichen Instrumenten der Ex-Nordfriesen hatte auch noch Maxens Keyboard Platz gefunden, während Julian im Wesentlichen das Drumkit von TORPUS-Member Felix Roll bearbeitete. Im Vordergrund hielt sich mit seiner Akustikklampfe derweil Bandleader Moritz auf und servierte Singer-/Songwriter-Kost, die überwiegend von seiner dritten DIY-EP „Lawinenhund“ stammte. Wie üblich, hielten die Westfalen einen gehörigen Sicherheitsabstand und ich hätte es zu schätzen gewusst, wenn man dem Trio aus Plettenberg im Sauerland ein wenig mehr Aufmerksamkeit geschenkt hätte. Der Geräuschpegel war im Vergleich zu der doch eher zurückhaltenden Mucke recht hoch, was es den etwas nervös wirkenden Jungspunden auf der Bühne nicht leichter gemacht haben dürfte. Immerhin gab es für die sieben Songs freundlichen Applaus und beim finalen „Spartakus“ bot das Auditorium sogar einen durchaus passablen „Lalala“-Chor.

Setlist MORITZ GADOMSKI
Kopfstand
Zwischen den Bäumen
Bruce Wayne
Stein und Papier
American Football
You Are The Harbour
Spartakus

Den „korrekten“ Chorgesang lieferten zwanzig Minuten später jedoch Sönke Torpus (Gesang, Gitarre, Mundharmonika & Posaune), Melf Petersen (Gesang, Gitarre & Mandoline), Ove Thomsen (Gesang, Banjo, Harmonium, Trompete und Slide Guitar), Jenny Apelmo (Gesang, E-Bass & Kontrabass) sowie der bereits erwähnte Mann hinter der Schießbude. Der Fünfer ging mit seinem „Known, Seen, Jugded”-Doppel gleich einmal in die Vollen und hatte die Fans auf diese Weise direkt am Wickel. Die anwesenden Herren im Publikum hätten es möglicherweise lieber gesehen, wenn die Bass-Dame nicht in die zweite Reihe verbannt worden wäre, aber ihr hölzerner Tieftöner brauchte halt eine Menge Platz, wenngleich er gar nicht in dem Maße zum Einsatz kam, weil es irgendwelche technischen Probleme gab. Dafür griff Lockenkopf Ove immer mal wieder zur Trompete und wechselten bei Sönke und Melf in schöner Regelmäßigkeit die Saiteninstrumente. Mit „Sleeping On The Backburner“ hatte die Truppe ein knackiges neues Lied im Köcher, das ebenso wie die bekannteren bzw. älteren Nummern schnellerer und langsamerer Gangart freudig beklatscht wurde. Ein Stück wie „Modesty / Honesty“ taugt da auch durchaus zum bierzeltfernen Schunkeln und mit dem entspannten „Fall In Love“ waren auch wieder die allseits beliebten „Lalala“-Passagen am Start, für welche die „Musikanten“ allerdings an dieser Stelle selbst sorgten.

Wie im Fluge war eine Stunde vergangen und die Band schickte sich unter Verbeugungen an, die Stage zu verlassen, wurde jedoch durch die lautstarken Akklamationen der Anwesenden zurück beordert. Das heißt, zunächst einmal trat nur Schäffe ins Rampenlicht und wunderte sich, dass er überhaupt noch singen konnte. Der Gesangsvortrag klappte aber ebenso gut wie das Gitarrenspiel und beidem schloss sich nach einer Weile der Rest der Truppe wieder an. Bald darauf ging das flotte „Bring Me Home“ von der „Dancing Kids & Summers Laughter“-EP aus 2010 ins Bein und wurden Banjo- und Mundharmonika-Spiel mit viel Beifall belohnt. Mit dem „Black Harp Girl“ wollte die seit 2009 agierende Combo die Münsteraner besinnlich in die Nacht entlassen, doch die waren noch nicht gewillt, das Quintett ziehen zu lassen, das deshalb nach einem erneuten kurzen Abgang zu einem kleinen Experiment ansetze. Herr Torpus scharrte mit der Mandoline bewaffnet seine Mitstreiter um sich und im Beinahe-A-capella-Modus schmetterte der Fünfer einen letzten Song, um dann um 23.15 Uhr endgültig den Bühnenvorhang zuzuziehen.

So endete ein kurzweiliger Abend mit einer äußerst spielfreudigen Mannschaft, die ganz klar ihren eigenen Stil gefunden hat und damit gute Laune zu verbreiten weiß. Langeweile kam an diesem Mittwoch im Gleis definitiv nicht auf und wenn TORPUS & THE ART DIRECTORS den Zugabenblock noch ein wenig ausgebaut hätten, wäre sicher niemand böse gewesen, auch wenn in den leiseren Momenten selbst beim Hauptact das Geschnatter im Zuschauerraum bisweilen etwas störte.

Setlist TORPUS & THE ART DIRECTORS (ohne Gewähr)
Known, Seen, Jugded – Part II
Known, Seen, Jugded
When I Left My Apartment
The Leaving
DA?
Steps
Sleeping On The Backburner
Bottles Full of Life?
Secret
NF?
Dancing Kids & Summers Laughter
On The Roundabound
Modesty / Honesty
Fall In Love

?
Bring You Home
Black Harp Girl

?

Copyright Fotos: Ulrike Meyer Potthoff

Kommentare sind geschlossen.

Mehr zu MORITZ GADOMSKI auf terrorverlag.com

Mehr zu TORPUS & THE ART DIRECTORS auf terrorverlag.com