Ort: Bielefeld – Movie
Datum: 26.03.2025
Es ist nicht leicht, sich an einem gewöhnlichen Wochentag nach der Arbeit aufzuraffen, um zu einem Konzert zu gehen. Und wie ich festgestellt habe, fällt es mir immer schwerer, um so älter ich werde. Egal, wenn die TRAITRS in der Stadt sind, wird das alles über Bord geworfen und ich machte mich auf ins Movie. Rechtzeitig vor Ort musste ich feststellen, dass doch wenige Besucher den Weg zur Konzertstätte gefunden hatten. Das würde mir für die Bands und auch für den Veranstalter und sein Team leidtun, denn alle haben eine Menge für diesen Event investiert.
Den Support an diesem Abend übernahmen IN MITRA MEDUSA INRI, deren Sound zwischen Cold Wave, Dark Wave und Post Punk einzuordnen ist und deren Biographie bis in die Anfänge der 90er zurückreicht. Das erste Album „Long Forgotten World“ wurde 1996 veröffentlicht und aus eben diesem Longplayer begannen die Vier ihr Set mit „Pleasure Garde“. Mit „Dreams“ und „Violate“ gab es noch ein paar ältere Tracks auf die Ohren, bevor es für den Rest der Show ausschließlich Songs vom aktuellen Silberling „Second Life“ gab. Tracks wie „The Circle“, „Shadows“, „Home“ und „Broken Dreams“ sowie „There Is No One Calling“ wurden vom Publikum gut angenommen, welches sich mittlerweile zahlreich vor der Bühne des ehemaligen Kinos versammelt hatte. Meine Bedenken, die ich zu Anfang des Konzertes hatte, waren zu diesem Zeitpunkt ausgeräumt. Fast volle Hütte würde ich sagen und das schon bei der Vorband. Mit ihrem Düstersound und der stimmungsvoll ausgeleuchteten Stage erinnerten IN MITRA MEDUSA INRI an die ganz frühen SISTERS OF MERCY und THE MISSION. So ungefähr würde ich das einsortieren, wobei IMMI ihren ganz eigenen Stil gefunden haben und dies als Band, bestehend aus Michael Gronau (git), Holger Meyer (voc), Susanne Tialupa (bass) und Andreas Kaut (synth), auf der Bühne sehr gut rüberbrachten. Das Zusammenspiel und der Sound der Musiker passte und gab zusammen mit der angenehmen Stimme von Sänger Holger ein stimmiges Bild. Nach mehr als 45 Minuten Spielzeit verabschiedeten sich das Quartett sichtlich begeistert von der Bühne und ich denke, sie werden an diesem Abend noch ein paar Fans dazu gewonnen haben.
Setlist (ohne Gewähr)
- Pleasure Garde
- Dreams
- Violate
- The Circle
- Shadows
- Home
- Broken Dreams
- Tragic Reflection
- Lonely Souls
- There Is No One Calling
Fast im Jahrestakt tauchen die beiden Kanadier Sean Patrick Nolan und Shawn Tucker mit ihrem Cold-Wave/Post-Punk-Projekt TRAITRS in Bielefeld auf. Sei es als Support oder wie beim letzten Mal an gleicher Stelle als Hauptact. Mit „Oh, Ballerina“ und „Mouth Poisons“ rockten die beiden fulminant los und bei mir wrden Erinnerungen wach, denn es war der gleiche Einstieg wie im letzten Jahr. Prompt folgten „Seven Fiction“ und „Japanese“, zwei bis dato unveröffentlichte Tracks, die vom Publikum auch frenetisch abgefeiert wurden, bevor das Duo mit „The Suffering of Spiders“, „Magdalene“ und „Still From Her Sores“ wieder Altbekanntes zum Besten gab. Mit seiner schlaksigen Figur sah Shawn so ungelenk aus, wie er sich mit seiner Gitarre hüpfend über die halbe Bühne bewegt und dabei abstruse Bewegungen machte. Auch Mr. Nolan stand dem im nichts nach, abgedreht und in sich versunken bewegte auch er sich nicht gerade rhythmisch hinter seinen Synthies. Mit „Pale“ und dem ebenfalls neuen Track „I Was III“ endete schon der reguläre Teil ihrer schweißtreibenden Show. wobei ich angenehm überrascht wurde, denn dieses Mal konnte ich den Gesang von Herrn Tucker sehr gut wahrnehmen, da der Sound sehr gut abgemischt war. Daran wurde offensichtlich gearbeitet. Kurze Zugabe-Rufe seitens des Publikums und die beiden standen schnell wieder auf der Bühne, um die beiden Rausschmeißer „Youth Cults“ und das hymnische „Thin Flesh“ zu performen, ehe sie sich verabschiedeten und die Fans in die laue Frühlingsnacht entließen.
Leider gab es an diesem Abend so gut wie keine Lichtshow und nur eine spärlich beleuchtete Bühne bei ihrer Show. Kann es vielleicht daran liegen, dass die beiden von der strapaziösen Anreise doch etwas gezeichnet waren und dies vor den Fans verbergen wollten? Spielte man Tags zuvor noch im französischen Marseille und keine 24 Stunden später hier in Bielefeld. Apropos Bielefeld, Shawn und Sean Patrick bezeichneten diese Stadt auch als ihr zweites Zuhause und das kommt nicht von ungefähr. Eine Bekannte von mir kümmert sich seit ein paar Jahren um die beiden inclusive ihrer Gefolgschaft und da kann es passieren, dass sie ein paar Tage länger bei ihr in Bielefeld bleiben und die Stadt so im Laufe der Zeit besser kennengelernt haben. Das ist also keine abgedroschene Phrase, die andere Künstler gern ihren Fans ins Micro stammeln, um sich wichtig zu tun, nein, bei den TRAITRS ist es ernst gemeint, als Shawn überschwänglich von Bielefeld schwärmte. Ich bin mir sicher, sie werden der Stadt auch weiterhin treu bleiben.
Setlist (ohne Gewähr)
- Oh, Ballerina
- Mouth Poisons
- Seven Fiction
- Japanese
- The Suffering of Spiders
- Magdalene
- Still From Her Sores
- Ghost And The Storm
- The lovely Wounded
- Skinning
- The Way Through a Bird`s Love
- Pale
- I Was III
- Youth Cults
- Thin Flesh
Auch wenn ich die TRAITRS jetzt schon zum dritten Mal live gesehen haben, sie machen immer wieder Spaß und hatten auch neue Songs im Gepäck. Da könnte demnächst ein neuer Longplayer anstehen, denn die letzte VÖ „Horses In The Abattoir“ ist auch schon etwas her. Und für mich gab es auch mal wieder etwas neues zu entdecken, denn obwohl ich konzerttechnisch viel rumkomme und auf unzähligen größeren Festivals war, habe ich IN MITRA MEDUSA INRI an bei dieser Gelegenheit zum ersten Mal live erleben dürfen. Und sie wussten zu gefallen!
Copyright Fotos: Jörg Rambow

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