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TRAITRS – ROSI

Ort: Bielefeld – Movie

Datum: 05.06.2024

Was mussten die Fans auf den heutigen Tag warten, denn eigentlich war dieser Gig schon vor mehr als einem Jahr angesetzt. Auf der VNV NATION „Electric Sun“ Tour `23 spielten die TRAITRS im Vorprogramm und wussten schon dort zu begeistern. Und nicht nur das Publikum war von den Kanadiern angetan, nein auch VNV-NATION-Fronter Ronan Harris. Kurz nach ihrem letztjährigen Bielefelder Gastspiel mussten wegen einer Kehlkopfentzündung des Sängers einige Konzerte der Engländer auf neue Termine verschoben werden. Das betraf dann auch ausgerechnet das angesetzte TRAITRS-/ROSI-Konzert im Bielefelder Movie. Ronan wollte sie weiter auf seiner Tour haben, sodass dem Veranstalter Bernd nichts anderes übrigblieb, als seinen Gig zu verschieben und das um mehr als ein Jahr. Zum Glück ist das Line Up so geblieben, aber es wäre beinahe anders gekommen.

Denn ROSI haben sich kurz vor diesem Auftritt aufgelöst und sich dann doch noch einmal zusammengerauft, um ein letztes Mal gemeinsam auf der Bühne zu stehen und ihre Songs aus den zehn Jahren ihres Bestehens zu spielen. Mit etwas Verspätung betraten Sven Rosenkötter und Mirco Rappsilber die kleine Bühne des ehemaligen Kinos und legten mit „Preface#1“ vom letzten Longplayer „Bad Dance Songs“ los. Es ist bestimmt ein komisches Gefühl auf der Bühne zu wissen: Das ist wirklich unsere letzte gemeinsame Show. Aber die beiden haben sich nichts anmerken lassen und spielten sich routiniert durch ihre drei veröffentlichten Alben und das mit unglaublicher Spielfreude. Es machte das Treiben auf der Stage einfacher, dass das Publikum von Anfang an gut mitgegangen ist und die beiden unterstützt hat. Songs wie z. B. „Lametta“, „Schwarzer Kaffee“ und „Ordinary Room“ klingen auf Konserve schon richtig gut, da stand die Liveumsetzung in nichts nach; im Gegenteil, sie klangen live viel authentischer. Da passten die Stimme von Sven und das Gitarrenspiel von Mirco gut zusammen. Auf der Zielgeraden ihres Auftritts wurde dann „Kaltes Land“ performt – was bin ich hinter dieser wirklich liebevoll gestalteten 7inch hinterhergelaufen, bis ich Mirco endlich bei einem Gig getroffen habe und ab da an das Teil mein Eigen nennen durfte! Jetzt aber wieder zum Geschehen auf der Bühne, denn es folgten unzählige Danksagungen und nach den Zugaben „Film“ und „Zustand“ gab es noch eine letzte Umarmung der beiden auf der Bühne und damit war das Thema ROSI Geschichte.

Setlist (ohne Gewähr)

  • Preface#1
  • Kirmes
  • Tanzen
  • Complaints
  • Lametta
  • Trennen
  • Explore/Expanse
  • Walls
  • Schwarzer Kaffee
  • Kopf
  • Ordinary Room
  • Kaltes Land
  • Rationale Liebe
  • Forgotten World
  • Film
  • Zustand

Nach einer kleinen Umbaupause ging es auch schon mit dem Hauptact weiter. Aus den Augenwinkeln sah es so aus, als würde ein Techniker noch einmal die elektronischen Geräte checken, aber nein, Sean Patrick Nolan startete mit einer elektronischen Soundcollage den Gig der Kanadier. Wenig später betrat Sänger und Gitarrist Shawn Tucker die Bühne und beide legten mit dem fulminanten „Oh Ballerina“ los. Nach diesem Song sprang aber wirklich jemand vom Mischpult auf die Bühne und fummelte kurz am Roland Sampler von Sean. Soundtechnisch ist mir da nichts aufgefallen, aber wer für den guten Ton verantwortlich ist, hat für solche Sachen das bessere Gehör und ohne große Unterbrechung konnte es sofort mit „Mouth Poisons“, „Still From Her Sores“ und dem bekannten „Magdalene“ weitergehen. Es gab kaum Gelegenheit zum Luft holen, denn das Duo hat im Laufe der Zeit einige Alben und EPs veröffentlicht und die Songs daraus, sind einfach dafür geschaffen, sie live zu präsentieren. Und die Umsetzung könnte gegensätzlicher nicht sein: Sean in sich versunken und mit theatralischen Posen an seinen elektronischen Geräten agierend und ihm zur Seite wirbelte Shawn mit seinem Saiteninstrument wie ein Berserker über die Bühne, zeitweise eingehüllt im Nebel. Was mir aber auffiel, war die zu leise Abmischung seiner Stimme, ich hatte ab und zu Probleme, den Texten der Tracks zu folgen. Das war bei der Vorband viel besser gelöst, ging das nur mir so? Das tat aber dem Spaß auf und vor der Stage keinen Abbruch, denn es ging weiter mit dem Post-Punk- und Coldwave-Sound der beiden Kanadier. Nach den Tracks „Skinning“, „The Lovely Wounded“ und „Thin Flesh“ verließen die beiden die Bühne, das reguläre Set war zu Ende und ich dachte noch: Entweder war das ein extrem kurzer Gig oder ich habe einfach nur die Zeit vergessen und mich in der Musik verloren. Nach einer kurzen Erholungspause gab es mit den Zugaben „Burn To The Sun“ und „Youth Cults“ noch was auf die Ohren, bevor „The Way Through a Bird`s Love“ vom 2021er „Horses In The Abattoir“-Album den Schlusspunkt dieses Gigs markierte, auf das man ein Jahr gewartet hatte. Ich würde sagen, es hat sich gelohnt.

Setlist (ohne Gewähr)

  • Oh, Ballerina
  • Mouth Poisons
  • Still From Her Sores
  • Magdalene
  • The Suffering of Spiders
  • Witch Trials
  • Ghost And The Storm
  • Prostitution
  • Pale
  • Skinning
  • The Lovely Wounded
  • Thin Flesh
  • Burn To The Sun
  • Youth Cults
  • The Way Through a Bird`s Love

Selten habe ich das Movie so gut gefüllt gesehen, wie bei diesem Gig und das mitten in der Woche. Das spricht für beide Bands, die sich im Laufe der Jahre einen Namen in der Szene gemacht haben. Traurigerweise war es der letzte gemeinsame Auftritt von ROSI, aber keine Angst: Mirco macht mit dem neuen Projekt THE CALM GREY zusammen mit Rio von ATOMIC NEON weiter; wie es bei Sven aussieht, entzieht sich meiner Kenntnis. Noch ein kleiner Funfact am Rande: Während die Kanadier auf der Bühne ihre Show ablieferten, entwickelte sich Rappsilber Senior zu einem Riesenfan des Duos, sodass er Tage später spontan zum nächsten Gig nach Hannover gefahren ist, um die beiden noch einmal live zu erleben. Ja, die TRAITRS sind wirklich eine Band für Jung und Alt und wer noch Gefallen an dem Duo gefunden hat, kommt am 01. September nicht an den TWIN TRIBES vorbei, denn die gastieren in der gleichen Location und auch das verspricht Post Punk/Dark Wave vom Feinsten zu werden.

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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