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TRIUMVIRAT FESTIVAL

Ort: Yverdon - Les Citrons Masqués

Datum: 15.04.2006 - 16.04.2006

Es gibt wohl so einiges, womit man die Osterfeiertage mehr oder weniger sinnvoll füllen kann. Wenn man nicht gerade familiäre Verpflichtungen zu erfüllen hat oder sich im Urlaub befindet, bietet es sich beispielweise an, zwischen der schweißtreibenden Ostereiersuche einfach mal im Bett zu bleiben oder vor dem Fernseher den alljährlichen Hollywood TV Marathon über sich ergehen zu lassen. Genauso gut kann man das verlängerte Wochenende aber zum gepflegten Party-Vergnügen nutzen oder sich je nach Gusto hemmungslos betrinken, um natürlich völlig erfolglos rechtzeitig vor dem nicht nur kalendarischen Frühling seinen Liebeskummer ruhig zu stellen. Wem das allerdings jetzt zu weit führt, der hätte sich in diesem Jahr ebenso wie die beiden Terrorverlag-Redaktionsköpfe in ein kleines Abenteuer stürzen können, das uns in das beschauliche Yverdon-Les-Bains am Fuße des Neuenburger Sees in der französischen Schweiz geführt hat.

Dort fand nämlich erstmals das Triumvirat Festival statt, dessen aus dem alten Rom abgeleiteter Name zugleich ein Indiz für die dahinter stehenden kreativen Köpfe darstellt. Denn auch hier sollte es ein Bündnis von drei Personen, die gemeinsame Interessen verbinden, sein, die für die Organisation verantwortlich zeichneten. Geschmiedet wurde dieses Bündnis von den drei Veranstaltern SoleilNoir, Sonorités Obscures und Schwarze Sonne, die zwei Tage und Nächte voller Konzerte, Kunst, Musik, Ausstellungen, Absinth etc. versprachen. Bei dem Angebot an Künstlern, auf das noch näher einzugehen ist, war schnell klar, dass auch der Terrorverlag eine Abordnung dorthin entsenden musste, zumal es sich bei einem Kartenkontingent von nur 200 Stück um eine sehr exklusive Veranstaltung handeln sollte…

Im Anschluss an eine gut siebenstündige Autofahrt ohne größere Zwischenfälle erreichten wir dann also samstagnachmittags das Ziel unserer Reise. Nach noch einer kurzen Ruhepause im Hotel begaben wir uns etwa gegen acht Uhr erstmals zum Ort des Geschehens, einer Lokalität mit dem Namen „Les Citrons Masques“, welche als Club, Bar und Restaurant fungiert. Zu dieser Uhrzeit weilte bereits eine stattliche Anzahl ebenfalls Interessierter in einschlägiger Szenebekleidung in den Sitzgelegenheiten des Erdgeschosses, das insbesondere mit seinen gemütlichen Sesseln in einer ausschweifenden Lounge zu gefallen wusste. Hier konnte man sich in Ruhe gegenseitig beäugen und schnell feststellen, dass eine Vielzahl verschiedener Nationalitäten, zugereist insbesondere aus Deutschland, Italien, England und Frankreich, zugegen war. Nachdem sich dann irgendwann mit Verspätung der zunächst nur schleppend vorangehende Einlass in die oberen Stockwerke vollzog, konnte man dort im 1. Obergeschoss diverse Label- und Mailorder Stände sowie bandeigenes Merchandise umgeben von einer kleinen Photo-Ausstellung vorfinden. Im 2. Obergeschoss befand sich schließlich der mit einer relativ großen, aber nicht allzu hohen (was noch für besonderen Einsatz der Photografen in vorderster Front sorgen sollte) und unter einem kräftigem Holzgiebel gelegenen Bühne ausgestattete Mittelpunkt des Spektakels. [Einleitung: pk]

Dort wurde dem italienischen Duo DER FEUERKREINER nach einiger Zeit des Wartens, die durch den bereits tätigen DJ und einen weiteren Thekenbereich noch recht kurzweilig verlief, die Eröffnungsehre zuteil. Ihr Set bestand aus 10 Stücken und war im Wesentlichen gekennzeichnet durch ein Wechselspiel zwischen härteren Industrialnummern und ruhigeren, insbesondere von der geschulten Stimme Valentina Castellanis geprägten Songs. Die ausgewählten Tracks deckten nahezu die gesamte noch recht kurze Bandgeschichte ab, wobei das Debutalbum mit den vertonten Gedichten des Poeten Christian Morgenstern etwa mit „Der Wuerfel“, „Die Westkuesten“ oder „Nein!“ und die nachfolgende EP „La ‚Nvidia“ mit dem folkigen Titelstück und dem orchestralen „Tanz“ berücksichtigt wurden. Für die Umsetzung des Materials, dessen Grundgerüst maschinell wiedergegeben wurde, hatte man sich einige Spielereien ausgedacht. So wurden beispielsweise bei „Der Wuerfel“ zwei Walkie-Talkies in der Weise verwendet, dass Valentina ihre Gesangspassagen in eines der beiden Geräte artikulierte und ihr Mitstreiter Federico Flamini diese Vocals über das zweite Gerät einem Mikrophon zuführte. Daneben bediente er im weiteren Verlauf gelegentlich auch eine Trommel und einen Bass oder saß einfach mit manischem Blick eine Weile auf dem Bühnenboden herum. Im Hintergrund wurde das Ganze durch interessante Filmprojektionen untermalt, die teilweise von der eigenen, selbstbetitelten DVD stammten. Insgesamt ein gelungener Einstand, nach dem man gespannt auf das neue Album „Unsere Zeit“ sein kann. [pk]

Als nächstes war DIE WEISSE ROSE an der Reihe. Dieser nach dem Namen der Widerstandsgruppe der Geschwister Scholl während der Zeit des Nationalsozialismus benannte dänische Act war bereits im Vorfeld in einem leicht abgeänderten Gewand angekündigt worden. Neben den regulären Mitgliedern Jonas Manley und Thomas Bøjden sollten hier noch Gerhard (ALLERSEELEN) and Marco Deplano (u.a. FORRESTA DI FERRO) an der Umsetzung mitwirken, also durchaus eine namhafte Zusammenstellung. DIE WEISSE ROSE hat sich zur Maxime gemacht, gewisse historische Gegebenheiten im Rahmen ihrer Conservative Militant Avantgarde zu dokumentieren. Rein äußerlich äußerte sich dies schon in einer recht martialischen Grundhaltung, die in Form von olivgrünen Hemden, schwarzen Krawatten (mit Ausnahme von Gerhard, der hier eine Art Kordel umgebunden hatte) und Armbinden mit dem Zeichen einer weißen Rose deutlich wurde. Dazu war die Bühne lediglich in Fackellicht getaucht, allein die auch hier verwendete Projektion bildete eine weitere Lichtquelle, und die Protagonisten fanden ihre Hauptbeschäftigung darin, den eingespielten Teil ihrer musikalischen Performance durch bis zu drei Trommeln gleichzeitig mit kämpferischen Rhythmen aufzuwerten und im Wechsel einige Textzeilen mit Bestimmtheit von sich zu geben. Am eindringlichsten wirkte hierbei ein von Gerhard vorgetragener Song mit der repetitiven Textpassage „Die Toten sind nicht tot“. Ob das angekündigte Turbund Ritual „Allen Gewalten“ ebenfalls präsentiert wurde, vermag ich nicht zu sagen, da wir nicht den gesamten Auftritt mitbekommen haben. Ebenfalls einen nachhaltigen Eindruck hinterließ aber der zum Abschluss erklingende Judy Garland Alltime Classic „Somewhere over the rainbow“ – einer der populärsten Songs aus den späten 30-er Jahren, der quasi ein Synonym für die Hoffnung und Träume der Menschen an eine friedvolle Welt geworden ist und der unter anderem auch die amerikanischen Truppen in Europa während des zweiten Weltkriegs erheitert hat – zu dem die Musiker mit starrem Blick regungslos und andächtig dem Publikum zugewandt dastanden, bevor sie schlussendlich die Bühne verließen. [pk]

Aber es dauerte gar nicht mal lange, da betrat Gerhard alias Kadmon erneut die Bühne um als eine Art „special guest“ noch vier Stücke aus seinem umfassenden ALLERSEELEN Repertoire zum Besten zu geben, darunter „Ein ganzes Jahr“, „Zauberblut“ und das mit einem Hölderlin Text versehene „Söhne der Sonne“. Mangels Begleitband musste Gerhard hierbei die Position als Sänger und zugleich Alleinunterhalter einnehmen. Das Publikum nahm die Zusatzvorstellung aber auch in dieser Version wohlwollend auf. [pk]

Anschließend war schon die Zeit für den eigentlichen Headliner des ersten Abends gekommen – BLOOD AXIS! Genau genommen lief der Auftritt aber unter dem Banner KNOTWORK, welches eine rein akustisches und wesentlich folk-orientierteres „Nebenprojekt“ von Michael Moynihan an den Vocals und einer Bodhran (einer traditionell irischen, mit Fell bespannten Rahmentrommel) sowie von Annabel Lee an der Violine darstellt. Letzterer war ihre Aufregung deutlich anzumerken, und ein von ihr im Laufe des Sets gesungenes Lied ging doch etwas daneben. Ansonsten beherrschten beide aber ihre Parts und boten überwiegend traditional irish folk songs wie „The Battle of Aughrim“ oder „Twa corbies“ und daneben mit (natürlich) „The march of Brian Boru“, „Herjafather“ und „The hangman and the papist“ leider nur drei Stücke von BLOOD AXIS. Wohlmöglich aus diesem Grunde war die Stimmung auch etwas verhalten, viele hatten sich sicher mehr BLOOD AXIS Material versprochen. Vielleicht lag es aber auch an dem auf Dauer eher ermüdenden Violinenspiel und der im übrigen eben etwas spartanischen Umsetzung. Für Abwechslung sorgte hier zeitweilig aber der „Song of the comrade“, bei dem statt der Violine ein Akkordeon zum Einsatz kam. Nach einem relativ langen Hauptteil durften die beiden dennoch die Bühne nicht ohne Zugabe verlassen. Das ließen sie sich auch nicht zweimal sagen und schoben gleich noch vier Stücke nach, während derer man Herrn Moynihan auch erstmals lächeln sehen konnte. Zu guter letzt gab es dann mit dem AIN SOPH Cover „Cuore Nero“ auch noch ein weiteres Highlight zu vermelden, zumal hierzu zwei Viertel der WEISSEN ROSE am Gesang (Marco Deplano) und an der Gitarre unterstützend tätig wurden. [pk]

Zum Abschluss stand weit nach Mitternacht noch ein italienischer Appetithappen auf dem Programm. Das Künstlerkollektiv IANVA gründete sich mit dem Ziel, Begriffe wie „Würde“ und „Leidenschaft“ wieder in Einklang mit landestypischer Musik zu bringen, dementsprechend liegen ihre Wurzeln auch bei bekannten Soundtrack-Komponisten wie Morricone oder Cipriani über Klassik bis hin zu 70ies Artrock. Auf der Bühne wurde es nun eng, da erstmals eine „klassische“ Bandinstrumentierung zum Zuge kam, inkl. Schlagzeug und allerlei Extras. Insgesamt 8 Musiker fanden nun statt: Gesang, Bass, E-Gitarre, A-Gitarre, Keyboard, Percussion, Drums und Trompete hießen die beteiligten Instrumente. An ihnen praktizierten Mitglieder solch illustrer Kapellen wie SPITE EXTREME WING (Black Metal), MALOMBRA, DAEDALUS oder HELDEN RUNE. Aufgrund der fortgeschrittenen Uhrzeit hatten sich die Zuschauerreihen zwar ein wenig gelichtet, die Präsenz war der Darbietung aber dennoch angemessen. Wie eine Mischung aus CANAAN und GOBLIN kam der Art Rock beizeiten aus den Lautsprechern, dabei waren alle Instrumente perfekt aufeinander abgestimmt, ein sicher nicht allzu leichtes Unterfangen. Sänger Mercy La Rosa veredelte die Songs mit einer eindringlichen Stimme/ Performance, welche die Anwesenden in den Bann zog. Leider sind mir die einzelnen Titel kein Begriff, aller Wahrscheinlichkeit nach dürften sie aber von den beiden bisherigen Releases „La Ballata Dell’Ardito“ und „Disobbedisco“ stammen. Beim 4ten Stück übernahm dann mal Stefania T. D’Alterio (Ex-WAGOOBA) die Vocals, welche mit ihrer „Hexenhaftigkeit“ für einen weiteren interessanten Farbtupfer sorgte. Gegen 2:30 Uhr mussten wir dann der langen Anreise Tribut zollen und uns in unsere Gemächer zurückziehen, der gut gelungene erste Festivaltag ließ die Vorfreude auf das noch Folgende aber in die Höhe schnellen. [TK]

Sonntag

Bevor am Ostersonntag wieder die Musik das Kommando übernehmen sollte, stärkten wir uns mit einer einheimischen Spezialität: Pizza! Ok, wirklich speziell waren hier nur die Preise, aber das hatten uns Landeskundige bereits prophezeit. Danach nutzten wir das sehr ordentliche Wetter zu einem Ausflug nach Vallorbe, kurz vor der französischen Grenze. Den Weg säumten malerische kleine Orte, tiefe Wälder und eine ordentliche Menge an Schnee, der hier auf ca. 1.300 Meter Höhe noch majestätisch residierte. Ziel der Reise: Das Fort von Vallorbe (auch Fort de Pré-Giroud genannt). Dorthin hatten die Veranstalter des Triumvirats geladen, um ein wenig der schweizerischen Militärgeschichte zu huldigen, ein Themengebiet, welches einigen Festivalbesuchern nicht fremd gewesen sein sollte… Als wir um 15 Uhr das hoch gelegene Gelände (über eine leicht abenteuerlich zu nennende Straße) erreichten, säumte nur ein schwarzes Pärchen unseren Blick, dazu ein nicht mehr ganz taufrischer Gruppenführer, der sich nicht sicher war, ob es denn nun noch zu einem Rundgang kommen würde. Doch kurze Zeit später trudelten noch weitere Neugierige ein, so dass der Abstieg in die militärische Befestigungsanlage beginnen konnte. Was man sich bei der etwas misslungenen deutschen Übersetzung des Hinweises auf der massiven Eingangstür gedacht hat („Eintritt verboten ohne Führer“), ließ sich auf die Schnelle nicht näher ergründen, dieser sorgte jedoch gerade deshalb für einige launige Kommentare. Langsam senkten wir uns dann mittels Lift und mit den übrigen Anwesenden 30 Meter hinab in den Berg, für Platzangst war an dieser Stelle kein Platz. Danach begann eine ca. 80-minütige Rundreise durch Waffenkammern, Energiezentrale, Offiziersmesse, OP-Saal und unterirdische Gänge, die man nur als äußerst interessant bezeichnen kann. Leider gab es die dazugehörigen Erklärungen fast nur auf Französisch, so dass wir nicht jedes Detail mitbekamen, verbrieft ist aber folgendes: Nachdem die Deutschen im 2ten Weltkrieg ca. 3 km vor der schweizerischen Grenze aufgetaucht waren, wuchs die Sorge vor einer Invasion, so dass das besagte Fort für ca. 4 Mio. Franken in den Stein gehauen und in den nachfolgenden 6 Jahren von ca. 200 Mann gesichert wurde. Kanonen und Artillerie an strategischen Punkten oberhalb der Erde sorgten für einen Rundumschutz, der letztlich aber nicht benötigt wurde. Zum Glück für uns Zivilisten, denn seit 1988 kann man das Arenal besichtigen, was durchaus empfehlenswert ist. [TK]

Dieses Mal pünktlich um 21 Uhr begann dann der 2te Teil der musikalischen Darbietung. Eröffnen durfte das Projekt VISIONS, welches „lediglich“ aus dem Kanadier Frédéric Arbour besteht, seines Zeichens Labelchef der Ambient Schmiede Cyclic Law. Dementsprechend wurde es nun auch spacig-elektronisch. Während der noch recht junge Mann sich auf der linken Bühnenseite der Klangerzeugung hingab, gab es auf der Leinwand sphärische Bilder von Planeten und komischen Elementen zu sehen. Jetzt verstand ich auch den Vergleich meiner Kollegin ifriess mit den deutschen INADE, diese hatten beim WGT 2005 einen sehr ähnlichen Backdrop genutzt. Geboten wurde ein langer Track von ca. 40 Minuten, der natürlich vornehmlich aus dem Mac stammte, aber mit einigen interessanten Live Sounds angereichert wurde. Ein Becken kam zum Einsatz, ebenso wie eine Gabel (!), deren „Klänge“ direkt im Rechner noch effekttechnisch bearbeitet wurden. Hin und wieder murmelte Frédéric auch mal etwas ins Mikro. Wer sich auf VISIONS gedanklich richtig fokussieren konnte, erfuhr ein sehr intensives Hörerlebnis, und dem sei auch der neueste Output „Lapse“ ans Ohr gelegt. Später verteilte der sympathisch wirkende Jungunternehmer noch fleißig Flyer an die potenzielle Kundschaft. [TK]

Eigentlich war als nächster Act H.E.R.R. angesagt, doch offenbar hatte kurzfristig ein nirgends angekündigter Wechsel im Zeitplan statt gefunden und bereits zu dieser frühen Stunde stand nun ein ganz besonderes Ereignis bevor. Denn BLOOD AXIS sollten heute eine zweite Performance aufs Parkett legen, und zwar war im Zusammenspiel mit LES JOYAUX DE LA PRINCESSE die Darbietung der gemeinsamen Veröffentlichung „Absinthe, La Folie Verte“ geplant. Das hier nicht bloß ein Konzert bevorstand, sondern die Hommage an den grünen Wahnsinn richtiggehend zelebriert werden sollte, zeigte sich schon in den akribischen Vorbereitungen, die sich insbesondere in einer mit Tisch und Stühlen ausgestatteten Bühne niederschlugen. Auf diesem Tisch wurde sodann vielversprechend ein Fläschchen feinster Absinth sowie Gläser und andere Utensilien platziert. Dieser Tisch sollte dann auch das Hauptbetätigungsfeld von Michael Moynihan und Erik Konofal sein, hier konnten sie ihre Liebe nach Absinth perfekt ausleben. Die musikalische Seite durfte aber natürlich auch nicht vernachlässigt werden. So befand sich Moynihan eigentlich in einem stetigen Wechsel zwischen seinem Absinth-Glas, zu dessen Genuss stilecht noch Pfeife geraucht wurde, und dem Mikrophon, an dem er einschlägige Texte zum Besten gab, während der verträumt-orchestrale und mit einigen zeitgemäßen Retro-Versatzstücken versehene Ambientkosmos erklang und auf diese Weise etwa „Minutes d´Absinthe (Let me be mad…)“ oder auszugsweise „Princesse verte“ von den beiden Absintheuren dargeboten wurden. Nicht verschwiegen werden soll an dieser Stelle, dass Annabel Lee und ihre Violine hier ebenfalls unterstützend tätig waren. Mr. Konofal hingegen saß die überwiegende Zeit apathisch auf seinem Stuhl, sofern er nicht der ihm offenbar zugetragenen Aufgabe, die Gläser neu mit Absinth zu befüllen, nachkam, kurz ein paar Handgriffe an dem in einer Art Munitionskasten versteckten Keyboard tätigte oder selbst einige kleinere Sprechpassagen übernahm. Interessant war auch zu sehen, wie er mit einfachsten Mitteln (Glas und Löffel) dem Gesamtsound einige Spezialklänge hinzufügte und hierdurch eine Portion Authentizität verlieh. So arbeitete man sich also von Glas zu Glas und von Song zu Song, wobei auch ein gewisses schauspielerisches Talent bei dem Versuch, den Absinthrausch glaubwürdig darzustellen, im Ansatz erkennbar war. Das Publikum folgte dem mit gespanntem Blick und feierte diese Vorstellung zu recht ab. Als einziger Makel kann daher nur bedauert werden, dass der am Barbetrieb zu erwerbende Absinth bereits am Vortag ausverkauft wurde. [pk]

Wer dachte, dass nun aber die Zeit für H.E.R.R. gekommen wäre, wurde erneut eines Besseren belehrt. Denn nach kurzer (Umbau-)Pause erschien Erik Konofal erneut auf der Bühne, um nun mit LES JOYAUX DE LA PRINCESSE solo fortzufahren. Verstärkung bekam er insoweit nur von einer weiblichen Begleitung, die für etwas Percussion-Arbeit eingeteilt war, wobei ihre Trommel ebenso wie eine weitere, von Erik verwendete, mit Fahnen der Volontaires Nationaux abgehangen war. Da ich selbst nur wenig Material von LJDLP kenne, müssen nähere Angaben zu den vorgetragenen Stücken an dieser Stelle ausbleiben. Das präsentierte Konzept stand aber ganz im Zeichen der Croix de Feu, einer zweifelhaften politischen Bewegung von französischen Nationalisten zwischen 1927 und 1940, die auch schon Thema eines Albums („Croix de bois – Croix de feu“) des Franzosen geworden ist. Die gebotene Musik kann im Groben als Kombination aus recht einfachen Synthklängen, martialischer Rhythmik und historischen Reden bezeichnet werden. Spektakulär wurde es im Schlussteil, als Konofal aus heiterem Himmel mit einem vor sich hoch gehaltenen brennenden Feuerkreuz den Weg durch das Publikum beschritt, welches ehrfürchtig eine Gasse bildete, und dort für einige Minuten verharrte. Anschließend betrat dann auch noch einmal Michael Moynihan die Bühne und steuerte mit seiner Stimme den Text des „Chant de croix de feu“ bei, bevor ein denkwürdiger Auftritt sein Ende fand. [pk]

Nach dieser ihren Vorschlusslorbeeren mehr als gerecht werdenden Performance war es klar, dass es für die Niederländer H.E.R.R. schwer werden würde, dieses Niveau zu halten. Man kann es vorwegnehmen: Sie schafften es nicht ansatzweise und waren mithin die Enttäuschung des Festivals (die einzige wohlgemerkt). Wobei das nichts damit zu tun hat, dass die Formation auch ideologisch einen mehr als zweifelhaften Ruf „genießt“. In ihren Reihen befinden sich mit Miklós Hoffer und vor allem dem Engländer Troy Southgate diskutable Zeitgenossen. Letztgenannter wuchs in Crystal Palace (London) auf und bezeichnet sich als „National Anarchist“, eine neue Strömung, die sich u.a. auf Evola beruft und für eine Rückbesinnung Europas eintritt, wofür ja auch H.E.R.R.s Musik steht. Ein fragwürdiges Zitat hierzu lässt sich im Netz finden: „We accept that people should be free to practice whatever they choose within their own areas, but at the same time we uphold the right to form communities in which like-minded people live according to a series of distinct beliefs.“ Aber kommen wir nun zur Musik, die mich auf Tonträger durchaus faszinieren kann. Eine Mischung aus Neoklassik und diversen anderen Stilen, die live sicherlich schwer umzusetzen ist. Man versuchte dies mit 5 Musikern, neben den beiden Genannten waren noch Keyboarder/ Songwriter Michiel Spapé, ein Percussionist sowie der zuvor schon mal unvorteilhaft in „Aktion getretene“ Cello-Schlaks an Bord. Zunächst wollte fast gar nichts klappen, das Keyboard viel zu leise, eine Trommel disfunktional und Troys Gesang leidlich daneben. Während sich die Soundprobleme mit der Zeit beheben ließen, wurde schnell deutlich, dass Herr Southgate vielleicht eloquent sein mag, aber dafür keinen Ton halten kann. Zum ersten Stück erschien er übrigens im heimischen Crystal Palace-Fussball Trikot, um die Bedeutung des Titels „Tribalismus der Schlachtenbummler“ optisch zu unterstreichen. Miklós‘ Stimme kam zwar besser rüber, dafür waren seine Klamotten 3 Nummern zu weit, und beim Trommeln wirkte er doch einigermaßen prollig. Als Songs präsentierte man u.a. „Fügefeuer“, „Spirits’ Waltz“ und „Den Standert Lucifers“ vom anstehenden Album „Vondel’s Lucifer“, einer Neoklassik-Oper in 2 Teilen (erscheint im Mai bei Cold Spring), aber natürlich auch altbekanntes Material („Hopes die in Winter“, „The Fall of Konstantinopel“). Der Applaus blieb bis zum Ende freundlich, aber gedämpft und bezeichnenderweise forderte niemand eine Zugabe. So konnten die H.e.r.r.e.n. dann mit ihrem selbst mitgebrachten 88er Bier (sic!) wieder von dannen ziehen, ohne groß Eindruck hinterlassen zu haben, die Darbietung war der Musik einfach nicht angemessen! [TK]

Umso mehr freuten wir uns nun auf die abschließenden :OF THE WAND AND THE MOON:, die gerade mit ihrer letzten VÖ „Sonnenheim“ viel Eindruck machen konnten. Da die Dänen am Vortag noch im Bochumer Zwischenfall aufgetreten waren, dürften sie einiges an Reisestrapazen hinter sich gehabt haben, das merkte man dem Quartett aber schon beim professionellen Aufbau nicht an. Der charismatisch-bärtige Kim Larsen an der Akustikgitarre hatte noch einen Keyboarder, eine sehr aparte Percussion-Dame und einen fähig-fülligen E-Gitarristen mit dabei. Gemeinsam praktizierte man im Folgenden eine knappe Stunde feinsten Neo-/Darkfolk zum Träumen und Schwelgen. Das muss auch den „Nebelmann“ in Wallung gebracht haben, beizeiten sah man nämlich vor lauter Rauchschwaden keine Musiker mehr. So konzentrierte man sich also auf Titel wie „Nighttime in Sonnenheim“, I crave for you“ oder „Hail Hail Hail II“, allesamt relativ kurz, aber dafür eindringlich gehalten. Die „schwarze“ Dame im Hintergrund bediente allerhand interessante Instrumente wie ein „hängendes Xylophon“ oder eigentümliche „Geräuschketten“. Man möge mir fehlende Fachbezeichnungen nachsehen. Gegen Ende grüsste Kim den lieben Freund Andreas Ritter, mit dem er ja beispielsweise den FORSETI-Track „Sterne“ erstellt hatte. Kurz danach war auch Schluss, und man ging praktischerweise für die beiden geplanten Zugaben „Lost in emptiness“ und „Gal Anda““ nicht mehr von den Bühnenbrettern. Es war sehr spät und nicht mehr die Zeit für unnützes Herumhampeln. Aber es kam sogar noch zu einer weiteren unverhofften, aber keinesfalls unverdienten Verlängerung. [TK]

Ein toller und würdiger Abschluss einer weitestgehend sehr gelungenen Veranstaltung, die hoffentlich im nächsten Jahr eine Fortsetzung erfährt!

Setlist H.E.R.R.
Hopes die in Winter
Guck die Welt noch einmal an
Stalingrad
Den Standert Lucifers
Spirits’ Waltz
Zachte Heelmeesters
Magnificat
Fügefeuer
A New Rome
The first Prince
The Fall of Konstantinopel

Setlist OF THE WAND AND THE MOON
Lion Serpent Sun
Wonderful Sun
Hollow Upon Hollow
Nighttime in Sonnenheim
Summer Solstice
Here’s an Ode
Honour
I shall feast
I crave for you
Raven Chant
Hail Hail Hail II
Ja boga ne videu
My Black Faith
Like Wolves
Winter Solstice

Lost in Emptiness
Gal Anda

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Copyright Fotos: Karsten Thurau

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