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TURISAS – FIMBULVET

Ort: Glauchau – Alte Spinnerei

Datum: 23.01.2009

Das Jahr 2009 zählt gerade mal drei Wochen und schon ist ein erstes persönliches Highlight angesagt – die Finnen Turisas rufen zur Metal Battle! Dies lassen wir uns natürlich nicht zweimal sagen und schon satteln wir die Pferde, um ins Schlachtfeld nach Glauchau zu ziehen. Die Anreise gestaltet sich komplizierter als gedacht, so durchreiten wir weite Täler und tiefe Wälder, vorbei an einem Geschwindigkeitslaser (Verdammt!!!), bis wir nach einigen Mühen die Alte Spinnerei in Glauchau erreichen. So, Pferde absatteln, mit frischem Wasser versorgen und schon können wir den Kampfplatz erkunden. Einige wenige Krieger versammeln sich bereits mit Schwerter, Pfeil und Bogen und tanken Kraft durch ein kühles Bier oder ein frisches Met.

Punkt 21:00 Uhr gehen die Lichter aus und FIMBULVET betreten die Bretter. Das junge Trio aus Thüringen vermag die Krieger durch klassischen Pagan-Black-Metal in Kampfbereitschaft zu versetzen. Bei mir klappt dies leider nicht, die doch eher günstig produzierten musikalischen Ergüsse reißen nicht wirklich vom Pferd, zumal alle erdenklichen Klischees der Paganszene bedient werden: Fellüberzug, Methörner und kitschig verzierte Gitarren, was zumal nichts Neues ist und auf mich auch nicht wirklich authentisch wirkt. Nun gut. Mit dieser Meinung steh ich jedoch eher allein unter Vielen und so versuche auch ich mich, vom tosenden Applaus mitreißen zu lassen. Die dynamische Musik wird von Black Metal-Geschrei und cleanen Vocals durchsetzt, was die mittlerweile angriffsbereiten Freiwilligen in euphorische Stimmung versetzt. Mit „Das letzte Feuer“ wird auch das letzte Stück der Schmalkaldener angestimmt. Sänger Stephan bedankt sich noch rasch bei dem freundlichen Publikum und schon verschwinden sie mit Zugabe-Rufen in den Hintergrund des Schlachtgeschehens.

Endlich ist es soweit – TURISAS betreten die heiligen Hallen und mit dem majestätischen Intro „Victoriae & Triumphi Dominus“ schreitet Sänger Mathias Nygård, auch Warlord genannt, imposant auf die Bühne. Sogleich wird einem mit dem folgenden „As Torches Rise“ gehörig Feuer unterm Hintern gemacht, da die Finnen mit ihrem epischen Viking Metal durchaus überzeugen können. Jetzt ist wohl auch der letzte Besucher dieses Spektakels kampfeslustig und wetzt die Schwerter. Melodiös leitet Männerblickfang Netta Skog mit ihrem Akkordeon zum nächsten Schmankerl „A Portage to the Unknown“ ein, während Warlord die Meute mit einem kräftigen „Oi Oi“ motiviert. Doch upps, nicht ganz so stürmisch bitte – fast wäre Mathias über eine Monitorbox ins Publikum gefallen. Aber Dank gutem Gleichgewichtssinn, konnte Schlimmeres verhindert werden.

Auf dem gut gefüllten Schlachtfeld bleibt jetzt keiner mehr still stehen, als die Single „To Holmgard and Beyond“ pompös erklingt. Alle schunkeln, pogen oder tanzen sich den Wolf – das nenne ich mal eine ausgelassene Kampfesstimmung. Mit „Cursed Be Iron“ führen die Finnen weiter auf dem „Varangian Way“, bevor Warlord die Gelegenheit nutzt, um das deutsche Bier anzupreisen, welches im Gegensatz zum Ami-Bier eine Wollust für jeden Gaumen ist. Na dann: Prost! Zeit für ein ausgelassenes Trinklied – „One More“ ertönt und treibt den Gerstensaft in die durstigen Münder, was auch ein Grund dafür sein kann, dass es kein Halten mehr gibt. Eine Ruhepause sei dem Kriegsvolk nicht vergönnt und so geht es Schlag auf Schlag weiter. Olli Vänskä zeigt bei „In the Court of Jarisleif“ was in ihm steckt und fiedelt was das Zeug hält. Dafür gibt es meinen absoluten Respekt. Daumen hoch!

Die Stimmung ist fantastisch und Plaudertasche Warlord animiert das Publikum, damit dieser Gig ein unvergessliches Ereignis wird: „It´s Saturday night. Make some fuckin`noise.“. Ja ist denn heute schon Samstag? Da hat sich wohl einer im Tag vertan, denn das Wochenende ist gerade erst im Anflug. Aber was soll`s? Dem sympathischen Finnen kann man diese kleine Verirrung nicht übel nehmen. Musiker sind eben auch nur Menschen. Weiter geht die Battle mit „The Dnieper Rapids“. Huch, wo ist den Warlord hin? Hat er das Geschehen vorzeitig verlassen? Ach nein, da liegt er am Boden und trällert dennoch fröhlich weiter. So schöpft er wohl neue Kraft und rappelt sich wieder auf. Jawohl, so muss das sein! Gestärkt hüpft mittlerweile die ganze Band und auch die Fans zeigen, was einen richtigen Zappelphilipp ausmacht.

Der offizielle Teil des Programms wird durch den langen epischen Song „Miklagard Overture“ beendet. Mathias stellt die einzelnen Bandmitglieder vor und Netta erhascht als einzige Dame den wohl größten Applaus von dem doch eher männerlastigen Publikum. Und schon verschwinden die TURISASianer zunächst aus dem Blickfeld. Doch die sächsischen Krieger sind noch lange nicht müde und fordern die Finnen zur Rückkehr auf. Dies wird auch schnell erhört und so ertönt mit „Sahti Waari“ eines meiner Lieblingstücke. Durch wahnsinnig schnelle Fiedelkünste bin ich erneut vom Violinist Olli begeistert. Was folgt ist der BONEY M Kracher „Rasputin“ und die Alte Spinnerei in Glauchau bebt und wackelt, dass man fast vermutet, dieses Feld nicht heil und unversehrt verlassen zu können. Mit „Battle Metal“ findet die Metal Battle einen grandiosen Abschluss und alle Krieger verlassen mit Müdigkeit in den Knochen, aber dennoch glücklich den Schauplatz.

Auch wenn das Geschehen mit gerade mal 11 Songs plus Intro leider etwas kurz geraten ist, kann man dieses Abenteuer als einen sehr gelungenen Konzertauftakt des Jahres 2009 bezeichnen. Wem diese Schlacht noch nicht genug sein sollte, darf sich auf das Wacken 2009 freuen, wo wir die Finnen erneut begrüßen dürfen. In diesem Sinne ist jetzt auch für uns die Zeit gekommen, die Pferde erneut zu satteln, um den Heimweg anzutreten.

Setlist TURISAS
Intro: Victoriae & Triumphi Dominus
As Torches Rise
A Portage to the Unknown
To Holmgard and Beyond
Cursed Be Iron
One More
In the Court of Jarisleif
The Dnieper Rapids
Miklagard Overture

Sahti Waari
Rasputin
Battle Metal

Copyright Fotos: Tine Kersten

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