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TUSKA FESTIVAL 2007 – TAG 2

Ort: Helsinki - Kaisaniemi Park

Datum: 30.06.2007

Die Finnen scheinen auf publikumsfreundliche Öffnungszeiten zu stehen, somit stand auch der zweite Festivaltag nicht früh, sondern genau richtig in den Startlöchern und bei herrlichstem Sonnenschein und für Finnland ungewohnt milden Temperaturen ließen wir uns ein ausgiebiges Frühstück schmecken und pilgerten dann in aller Ruhe zum Festivalgelände, welches auch heute nicht weniger voll war wie gestern. Trotzdem bleibt dieses Festival überschaubar – für mich eine sehr gelungene Organisation.
(Fallen Angel)

Auch der zweite Festival-Tag sollte vielversprechend und mindestens ebenso heftig wie der erste beginnen, auch hier hatte man wieder einen Opener mit hohem „Arschtritt-Faktor“ engagiert: MISERY INDEX. Mussten sich die Jungs vor knapp zwei Wochen in Deutschland bei einem anderen Gig mit übelst schlechtem Wetter, sprich strömendem Regen und dementsprechend recht ausgedünnter Zuschauermenge rumschlagen, war ihnen das Wetter in Helsinki hold. So wurde, wie man es von MISERY INDEX nicht anders kennt, mit herrlichster Brutalität auf hohem technischen Niveau ein todesmetallischer Song nach dem anderen in die Meute gepfeffert. Dem ein oder anderen hat es sicherlich auch den Kater vom Vortag aus dem Schädel gehämmert, kein Wunder wenn’s so schön groovt und blastet. Wieder mal ein absolut würdiger Opener!

Danach stand die für mich schwierigste Entscheidung an: BEFORE THE DAWN oder PROFANE OMEN. Da ich auf keine der beiden Bands verzichten wollte, beehrte ich zunächst PROFANE OMEN mit meiner Anwesenheit und wurde wieder einmal mit einer absolut spielfreudigen Band belohnt. Hoffentlich kommen die Sympathiebolzen bald mal in Deutschland auf Tour, möglichst auf halbwegs großen Bühnen, damit besonders der absolut hyperaktive Sänger genügend Bewegungsfreiraum hat.

Schnell rüber zu BEFORE THE DAWN! Beeindruckend wie viele Zuschauer sich bereits um diese Zeit vor der kleinen Bühne eingefunden hatten. Beeindruckend und gleichzeitig ein Kompliment an BTD, die bei perfektem Sound und einer Setlist, die nichts zu wünschen übrig ließ, das Publikum in ihren Bann zogen. Ihr Auftritt bei der Tuska Aftershow im letzten Jahr war schon klasse, aber dieser Gig toppte das locker. Man merkte ihnen deutlich an, dass nach diversen Line-Up-Wechseln nun keine zusammengestückelte Gruppe mehr dort oben stand, sondern wirklich eine Band. Auch Tuomas, der sonst eher ruhig und zurückhaltend wirkt, konnte sich das Grinsen nicht verkneifen. Songs vom aktuellen Album „Deadlight“ (welches man sich schleunigst besorgen sollte!) wurden ebenso begrüßt, wie älteres Material. Ohrwürmer en masse, die nicht wenige zum Mitsingen und spontanen Mitklatschen animierten, ohne dass die Band viel dazu tun musste. Ein absolut gelungenes Konzert! Wer dann auch noch bei einem Festival, welches für seinen straffen Zeitplan, der eigentlich keinen/ kaum Raum für Zugaben lässt, zurück auf die Bühne gerufen wird, kann eigentlich nur alles richtig gemacht haben.
(Ateacina)

Auf der Hauptbühne stand nun Mr. Augenring – Peter Tägtgren mit PAIN in den Startlöchern, auf dessen Gig ich nach dem eher schwachen und mit Halb-Playback versehenen Auftritt auf dem diesjährigen Tomahawk Festival sehr gespannt war. Vor der Bühne hatte sich eine sehr beschauliche Menge an Leuten versammelt, die zuerst mal den „Same Old Song“ zu hören bekamen. Die Band, die einige Line-Up Veränderungen durchgemacht hatte, kam diesmal wesentlich aufeinander eingestimmter rüber und der Herr der Augenringe präsentierte sich putzmunter und bei bester Laune. Überhaupt schien die Band eine große Portion Spielfreude zum Frühstück gehabt zu haben, Songs wie „Zombie Slam“ oder „Walking On Glass“ vom neuen Album wurden ebenso druckvoll ins Publikum geschleudert wie Klassiker a la „Dancing With The Death“ „On & On“ und „Shut Your Mouth“ – dem Überhit schlechthin. Dieser wurde diesmal ganz ohne Playback als perfekter Abschluss in die Menge gefeuert und brachte diese noch mal zum Kochen. Eine durchaus gelungene Show. Als keine Anekdote am Rande kann man noch bemerken, dass Peter Tägtgren echt ein Spaßvogel ist und besoffen auf extrem komische Ideen kommt. So präsentiere er später am Abend der kompletten versammelten Mannschaft im Bierzelt seinen nackten Hintern, nein das wollten wir wirklich nicht sehen!

Setlist PAIN
Same Old Song
Zombie Slam
End of The Line
?
Nailed To The Ground
Dancing With The Death
Eleanor Rigby
Walking On Glass
Hate Me
On & On
Shut Your Mouth

Weiter ging es mit THUNDERSTONE auf der Sue Stage und INSOMNIUM auf der Inferno Stage.
(Fallen Angel)

Dass INSOMNIUM bei Fans und Medien gleichermaßen beliebt sind, zeigte sich nicht nur an dem rappelvollen Zelt, sondern auch an dem Andrang am Fotograben bereits 20 Minuten vor der Show. Die Melodic Death Metal Band bot eine atmosphärisch dichte Show ohne Schnick-Schnack. Schon beim ruhigeren Intro sah man ein bekanntes Gesicht hinter dem Keyboard, das auch nach dem darauffolgenden Song vorgestellt wurde: Aleksi Munter von SWALLOW THE SUN, mittlerweile Haus-und-Hof-Keyboarder und somit fast schon ein inoffizielles Bandmitglied von INSOMNIUM. Praktisch also, dass auch die bevorstehende Europatour und USA-Tour von INSOMNIUM Seite an Seite mit SWALLOW THE SUN bestritten wird. Aleksi spielte bei dieser Show noch „Bereavement“ und „Killjoy“ sowie den letzten Song „Devoid of Caring“ mit, doch allen weiteren Titeln fehlte es auch ohne Keyboard nicht an der für INSOMNIUM typischen sanften Härte und tragenden Melodien. Leider leerte sich das Zelt ab Mitte des Konzerts merklich, vermutlich weil viele Leute zur anschließenden Show von W.A.S.P. in Richtung andere Bühne abwanderten. Die verbleibenden Fans waren dafür umso lauter. So wurde z.B. auch das SENTENCED-Cover „Nepenthe“ mitgegrölt. Die Forderung nach einer Zugabe wurde – wie bei Festivals nicht ungewöhnlich – enttäuscht, allerdings kam Sänger Niilo Sevänen noch einmal auf die Bühne und warf Wasserflaschen in die Menge.

Setlist INSOMNIUM
The Gale
Mortal Share
Drawn To Black
Bereavement
The Killjoy
Nepenthe
Last Statement
The Day It All Came Down
Devoid of Caring
(Kerstin)

Irgendwie war ich nach dem PAIN-Auftritt etwas ausgelaugt, sodass ich bei THUNDERSTONE an sich nur ein paar Bilder machen wollte. Aus diesem „Plan“ wurde dann allerdings nicht so wirklich viel . Erst einmal durften wir während der ersten drei Songs gar nicht fotografieren (warum auch immer) und dann gab es auch noch zwei Gruppen, da der Fotograben wie so oft auf diesem Festival völlig überfüllt war (irgendwie hatte jeder einen Fotopass und jeder nutzte ihn auch – und sei es, dass man sich mit einer Handykamera in den Graben stellte – ich kann so was immer noch nicht begreifen). So bekam ich doch mehr vom Auftritt mit, als ursprünglich gedacht. Sehr niedlich war, dass die Band von einem kleinen Jungen angesagt wurde, der als das Publikum nach der Ankündigung begeistert losjubelte, etwas verschreckt fluchtartig die Bühne verließ. Die Jungs auf der Stage machten ihre Sache sehr gut und überzeugten selbst mich als nicht wirklichen Power Metal Fan, dass dieser auch Spaß machen kann. Auf überflüssiges und albernes Rumgepose wurde verzichtet, dafür schien die Band durchaus Spaß auf der Bühne zu haben, vor allem weil es (wenn man bedenkt dass eine lokale Größe wie INSOMNIUM zeitgleich auf der anderen Bühne spielte) verdammt voll war im grünen Zelt und das Publikum von der ersten Sekunde an mitging. Ich habe selten einen so agilen Sänger gesehen, der dermaßen genial mit dem Publikum spielte. Nachdem die Band die Bühne verließ, wurde erst mal lautstark eine Zugabe gefordert, welche die Menge zu meiner Verwunderung auch bekam, bis dahin hatte ich keine Band im Zelt eine Zugabe spielen sehen

So verließ ich während der Zugabe das Zelt, um mich auf den Weg zu einem weiteren Highlight für mich zu machen, auf das ich mich schon lange freute. W.A.S.P. hatte ich bisher nie live gesehen und die Meinungen über die Live-Performance dieser Band gehen dermaßen weit auseinander, dass sich mir schon lange gewünscht hatte, mir mal ein eigenes Bild machen zu können. Sänger Blacky Lawless wurde schon oft als Blacky „Lustlos“ bezeichnet, da er angeblich dazu neigte, völlig gelangweilt seine Show runterzuspielen oder gar vorzeitig zu beenden. Davon war heute nichts zu spüren, ganz im Gegenteil: Die gesamte Band schien sehr motiviert und schleuderte einen Klassiker nach dem anderen in die Menge und sammelte verdient gute Publikumsreaktionen ein. Bei meinen absoluten Lieblingssongs „Wildchild“ und „I wanna Be somebody“ gab es dann auch für mich kein Halten mehr und ich tanzte singender Weise um meinen etwas verwirrt schauenden Kumpel Tuomas rum. Ja W.A.S.P. machen wirklich Spaß und nein, das lag nicht an meinem für diese Tageszeit schon etwas erhöhten Alkoholpegel, sondern an einer extrem motivierten Band, die sich von ihrer besten Seite zeigte und gar nicht glauben ließ, dass sie auch ganz anders können. Als Zugabe gab es noch „Blind in Texas“, welches von der Menge nicht lange eingefordert werden musste und noch mal für Partystimmung pur sorgte.

Setlist W.A.S.P.
Medley:
On Your Knees
Inside The Electric Circus
Hate To Love Me

L.O.V.E. Machine
Wild Child
Take Me Up
The Idol
I Wanna Be Somebody

Blind In Texas
(Fallen Angel)

Richtig eng wurde es noch mal vor der Inferno Stage, als die Jungs von LEGION OF THE DAMNED auf die Bühne kamen. Nicht gerade wenige warteten gespannt auf den Auftritt der niederländischen Thrasher. Das Warten sollte sich gelohnt haben. In gewohnter Spielfreude stürmte man auf die Bühne und eroberte so auch die Menge im Sturm. Eigentlich nicht verwunderlich, animierten Kracher wie „Malevolent Rapture“ oder „Son of The Jackal“ einfach zum Mitmoshen, ob man will oder nicht. So ließen Maurice und seine Bandkollegen auf der Bühne eifrig die megalangen Matten kreisen und das Publikum stand ihnen auch in nichts nach. Die fliegenden Holländer ließen – ganz im Kontrast zu dem strahlenden Sonnenschein draußen – ein wahres Gewitter auf die Menge los, nach dem erst mal dringend eine Abkühlung fällig war. Ein weiterer erfolgreicher Auftritt also, den die finnischen Thrash-Anhänger sicherlich so schnell nicht vergessen werden.
[Ateacina & Fallen Angel]

Wenn es eine Band gab, die beim Tuska völlig aus dem Rahmen fiel, waren es ISIS. Hatte ich am Anfang wirklich die größten Bedenken, ob sie genügend Publikum anlocken würden oder könnten, zumal sie auch noch einen Slot auf der Hauptbühne bekommen hatten, sollte ich recht schnell eines Besseren belehrt werden. Die Musik war anders, völlig anders als die der anderen Formationen, ruhig, viel zu ruhig fast schon und dennoch funktionierte auch diese Musik tadellos! Ich muss zugeben, dass ich das wohl eher nicht geglaubt hätte, wenn ich nicht selbst dabei gewesen wäre. Im Vergleich zu einigen anderen Bands verlangt die Musik der Amis doch einiges an Konzentration, aber das schien für das Publikum kein Hindernis darzustellen: Metaller verschiedenster Genres standen fast schon andächtig vor der Bühne und genossen die intensiven Klänge, die dort von der Bühne erschallten. Völlig anders, intensiv, zauberhaft und dynamisch, so ließe sich der Auftritt wohl am besten zusammenfassen.

Setlist ISIS
Wrist of Kings
Not In Rivers, But In Drops
So Did We
Dulcinea
In Fiction
Holy Tears
The Beginning And The End
Backlit

Ganz anders ging es danach dann auf den kleineren Bühnen weiter. 45 DEGREE WOMAN groovten auf der Sue-Stage was das Zeug hielt. Wie schon im letzten Jahr, brauchte es bei dieser Band auch hier wieder ein oder zwei Songs Anlaufzeit und dann war nicht nur ich begeistert vom Auftritt. Die Band gab schon ein interessantes Bild ab: Eine riesige Leinwand als Backdrop, auf der die Bilder konstant wechselten, ein Drummer, der seitlich zum Publikum sitzt und ein Sänger, der alles gab.
[Ateacina]

EMPEROR kann man getrost als Urgesteine des „Norwegian Black Metal“ bezeichnen. Wenn man auf eine so lange (und in diesem Fall teilweise kontroverse) Bandgeschichte zurückschauen kann, versteht es sich fast von selbst, dass so ein Weg nicht immer geradlinig und eben verläuft und sich vielleicht an dem einen oder anderen Punkt gabelt. So leben die verschiedenen aktuellen Mitglieder zum Beispiel ihre Neigungen zum Death Metal bzw. zu avantgardistischem Progressive Metal anderweitig aus, bringen aber Elemente davon auch in EMPEROR mit ein. Ähnlich wie bei ihren Kollegen von IMMORTAL haben sie erst vor einiger Zeit wieder zusammengefunden. Anders als bei den letztgenannten entspricht ihre äußere Erscheinung jedoch in keinster Weise mehr den Klischees. Ihr Aussehen sowie ihre Bühnenshow ist schlicht – und ergreifend! Es gab kurze (aber nette) Ankündigungen der Songs wie: „Please feel free to sing along…“, ab und zu wurden „Teufelchen“ gezeigt und gebangt wurde auch mitunter. Ansonsten war das Auftreten erst mal nicht spektakulär, aber die Darbietung wirkte insgesamt kraftvoll und man bekam auch ein paar schöne Soli geboten. Frontmann Ihsan kam zunehmend in Fahrt, besonders ab der zweiten Hälfte animierte er das Publikum: Mitten im Song klatschte er vor, rief „Come on!“ und auch zwischen den Stücken sprach er das Publikum direkt an. So leitete er zum Beispiel „In the Wordless Chamber“ mit den Worten „We never play songs enough from Prometheus…“ ein. Das Publikum ging sehr gut mit, in der Menge waren alle Arme oben und nicht nur an dieser Stelle. Pyros und eine Lichttechnik zum Niederknien allein waren es eben nicht, auch wenn diese durchaus willkommen waren. Gegen Ende des Gigs fragte Ihsan das Publikum, ob sie bereit seien, mehr zu hören und wie erwartet brach Jubel aus. „Anything you’d like to hear? – How about this one?…” Und es erklang “I Am The Black Wizards”. Nach Abschluss des letzten Songs gab es noch ein Feuerwerk, Plecs und Drumsticks wurden in die Menge geworfen.

Setlist EMPEROR
Intro
Into The Infinity of Thoughts / The Burning Shadows of Silence (Medley)
Cosmic Keys To My Creations & Times
Thus Spake The Nightspirit
An Elegy of Icaros
With Strength I Burn
Majesty of the Nightsky
Loss and Curse of Reverence
In The Wordless Chamber
Inno A Satana
I Am The Black Wizards
Ye Enterancemperium
Opus A Satana
(Kerstin)

So endete der Samstag auf dem Festivalgelände, ich für meinen Teil brauchte ein bisschen Zeit, um meinen an diesem Tag doch etwas erhöhten Alkoholkonsum wieder in den Griff zu bekommen, so starteten wir erst etwas später zur Aftershow Party im Nosturi, wo DEATHCHAIN, AJATTARA und SHADE EMPIRE ihr Bestes gaben. Nun ja, oder eben nicht. Der AJATTARA-Gig war leider dermaßen grausam schlecht, vermasselte Soli, schiefer Gesang – Jungs, was war los? So endete dieser Abend doch recht früh, für mich war’s wahrscheinlich besser, zumindest erst einmal völlig auszunüchtern.
(Fallen Angel)

Copyright Fotos: Cynthia Theisinger

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