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TUSKA FESTIVAL 2008 – TAG 1

Ort: Helsinki - Kaisaniemi Park

Datum: 27.06.2008

Nachdem am vorherigen „Warm-up“ Tag sich der Wettergott noch nicht so ganz einig war, mit welchen Temperaturen er denn nun das diesjährige Tuska Festival beehren sollte, schien die Entscheidung am ersten offiziellen Festivaltag festzustehen – es war nicht wirklich zu warm, aber die Sonne zeigte sich am Himmel zwischen ein paar Wölkchen – ideales Festivalwetter also – genauso haben wir das gern… Mit dem Verweis, dass ich im Urlaub sei, hielt ich Yvonne davon ab, mich vor Mittag aus dem „Campground“ zu bewegen, was gepaart mit einigen Trödeleien dazu führte, dass die versammelte Mannschaft die ersten drei Bands MAKOMA sowie TRACEDAWN/ KYPCK verpasste und – nun ja – laut eines Kenners sollen wir wohl nichts Großartiges verpasst haben.
(Cynthia)

Na komm, die letzten paar Takte von KYPCK – oder für Nicht-Kyrillisten „Kursk“ – hab ich schon noch gehört. Allerdings hatte ich die Truppe um den Ex-SENTENCED Gitarristen Sami Lopakka auch schon am Wochenende zuvor auf dem Nummirock gesehen und wirklich erwärmen konnte ich mich dort schon nicht an ihnen. Jedoch nicht weil sie schlecht sind oder mangels technischem Können – Gott bewahre, das auf keinen Fall! Nee, die Düstermucke funktioniert für mich wesentlich besser auf CD und daher würde ich KYPCK lieber in einem kleinen dunklen Club bevorzugen.
(Yvonne)

So startete das Festival für uns mit den „wir sind überall präsent“-Wikingern von AMON AMARTH. Auch wenn ich sie in den letzten Jahren fast öfter als meine sonst favorisierten Bands gesehen habe – die Jungs sind wie ein Autounfall – man kann einfach nicht wegsehen, wenn der „alte Schwede“ Johann Hegg und seine Mannen das Festival in Wikinger Stimmung tauchen. Spielerisch und showtechnisch wie immer makellos: Gewohnt gute Setlist mit Klassikern á la „Death in Fire“, „Ancient Sign of upcoming Storm“ und „Pursuit of Vikings“ – ja was soll man dazu noch sagen? Souverän und immer wieder gut – außer dass ich gern mal wieder ein neues Album hätte. Ich hab die Klassiker manchmal schon ein bisschen zu oft gehört, wenngleich sie natürlich gut sind.

Weiter ging’s mit einer Entscheidung – Heimspiel für STAM1NA oder THE SORROW auf der anderen Bühne. Mich zog es zur Inferno Stage, wo sich die Österreicher von THE SORROW die Ehre gaben. Leider vor nicht mehr als halbvollem Zelt: Es tummelte sich wohl alles bei den Finnen auf der Sue Stage… Nun ja, die Ösis ließen sich trotzdem nicht den Spaß verderben und prügelten mit voller Kraft auf die Anwesenden ein, die, wie sich das gehört, brav die Köpfe kreisen ließen und den einen oder anderen Pit starteten. Die, die sich für diese Band entschieden hatten, standen voll und ganz hinter den Jungs und fraßen ihnen aus der Hand – lieber so ne kleinere Menge als Scharen von Leuten, die nur leicht mit dem Fuß wippen sag ich da. Für mich gab es keine großen Überraschungen, eben eine gewohnt souveräne Show, was anderes hätte ich nicht erwartet bei so einer „jungen“ Band. Zu der Setlist kann ich mangels Songkenntnissen leider keine große Auskunft geben.
(Cynthia)

Szenenwechsel:
STAM1NA – Sue Stage. Binnen von Millisekunden nach AMON AMARTH war die Zeltbühne wegen Überfüllung geschlossen und zu den ersten Takten von „Paha Arkkitehti“ war kein Blick mehr auf Hyrde, Pexi, Kaikka oder Kake zu erhaschen. Und ehrlich: In die wogende und tobende Menge wagte ich mich nicht hinein. Der Zeltrand erschien mir noch am sichersten und selbst das war keine 100%ige Garantie 🙂 Ob nun bei „Likainen Parketti“ oder „Viisi Laukausta Päähän“: Inbrünstig sangen ihre Anhänger jede Textzeile mit. Mit dem klarem Heimvorteil und einer super Party Stimmung wundert es mich nicht, dass drüben im anderen Zelt nicht mal halb so viel los war. Ich für meinen Teil hoffe, Stam1na so schnell wie möglich wieder zu sehen, die Jungs machen einfach jede menge Spaß!
(Yvonne)

Setlist STAM1NA (ohne Gewähr):
Paha Arkkitehti
Kadonneet Kolme Sanaa
Hammasratas
Susi-Ihminen
Luova Hulluus
Merestä Maalle
Sananen Lihasta
Viisi Laukausta Päähän
Likainen Parketti
Ristiriita

Muuri
Lääke

Schon früh zog es mich aus dem Inferno Zelt zurück zur Hauptbühne – große Vorfreude stand wohl jedem von uns auf der Stirn geschrieben – schließlich würde hier gleich eine Wiederauferstehung von den Toten stattfinden – CARCASS haben ihre „Pause“ wohl beendet und beschlossen, als erstes die finnische Hauptstadt in Schutt und Asche zu legen. Hibbeliges von einem Bein auf das andere Treten zierte die Zeit des Wartens, bis endlich das Intro aus den Boxen dröhnte und 2 Inselbewohner und 2 Schweden auf die Bühne kamen und direkt richtig losprügelten. Wahnsinn, so schnell wird man nicht alle Tage überfahren, die Band zeigte sich in bester Form und jeder, der nicht wusste, dass die Truppe eine lange Auszeit hinter sich hatte, hätte es auch zumindest an der Show nicht erkennen können – so eingespielt und routiniert kam alles rüber und das, ohne dass die Spielfreude darunter gelitten hätte. Einzig und allein Herr Amott sollte sich vielleicht mal angewöhnen, ab und zu auch sein Gesicht zu zeigen, wenn er doch weiß, dass Fotografen anwesend sind – einfach den Vorhang zuzumachen ist ja mal feige. Jeff Walkers Frage „Is anyone taking this for youtube?“ löste allgemeines Gelächter aus und bestätigte noch mal die heitere Stimmung des ganzen Gigs. Besonders freute ich mich über Songs wie „Low Love lost“ und „Keep on rotting in a free world“ – einfach nur genial. Hier mal die Setlist. Möge jeder selbst entscheiden, ob seine Klassiker gespielt wurden – meine waren jedenfalls dabei und ich war einfach nur platt. Was für eine Show!
(Cynthia)
Und wenn ihr diesen Sommer die Gelegenheit habt, CARCASS zu sehen – nutzen!
(Yvonne)

Setlist CARCASS
Inpropagation
Buried dreams
Corporal Jigsore Quandary
Carnal Forge
No Love Lost
Incarnated solvent abuse
Embodiment
Edge of darkness/ This Mortal coil
Reek of putrefaction
Keep on rotting
Genital grinder
Death certificate
Exhumed to consume
Ruptured in purulence / Heartwork
Pyosisified (Rotten to the Core)

Das nächste Duell – ENTOMBED vs. THE SOURCER – entschied sich zu Gunsten der Finnen, die sich aber als irgendwie lahm herausstellten. Irgendwie nicht so ganz meine Baustelle, und das Rumgeknutsche von Basser und Gitarrist auf der Bühne wirkte auch vollkommen irritierend. So war nun Zeit für den einen oder anderen Cider und Smalltalk mit alten Bekannten, bis es dann mit DIMMU BORGIR weiterging.
(Cynthia)

Weil ich ENTOMBED bis dato noch nie live gesehen hatte, meldete ich mich für eine freiwillige Runde Schwedentod und ging neugierig zurück zur Sue Stage. Von „lahm“ konnte jedenfalls bei ENTOMBED mal gar nicht die Rede sein. Was vor allem L.G. Petrov betraf. Der nahm auf der Sue Bühne Maß und nutzte jeden Quadratzentimeter von links nach rechts und zurück, kurz noch beim Mann am den Drums Olle Dahlstedt vorbeigeschaut und die ganze Runde von wieder von vorn. Rennt der immer so? Respekt. Alex Hellid und Nico Elgstrand dagegen beschränkten sich darauf, auf den Instrumenten ordentlich Gas zu geben und ihrem Gesangsmann die richtige musikalische Untermalung zu kommen zu lassen. Das Publikum nahm jeden Ton und Schritt sofort an und dankte es den Schweden lautstark inklusive Circle Pit.
(Yvonne)

Hehe, ja die paar Regentropfen beim CARCASS-Auftritt kamen wohl ein wenig zu früh – waren die doch sicher für DIMMU BORGIR bestellt. Die mussten nun im Schein der untergehenden Sonne auf die Bretter der Hauptbühne. Auch nicht schlecht: Bekommt man sie endlich mal ohne Nebel und Strobo vor die Linse und das Ergebnis war echt überwältigend. Es wurde gepost, was das Zeug hielt, was uns eine Menge sehr toller Bilder bescherte. Ich liebe es, wenn Bands so mit den Fotografen spielen… und mit dem Publikum, denn auch als die Fotosongs vorbei waren, ging die Grimassenscheiderei, die mal so gar nicht zu den düsteren Klängen passte, weiter. Ja, die Jungs hatten eindeutig sehr viel Spaß auf der Bühne. Die Menge sah es auch so und feierte die Norweger nach allen Regeln der Kunst ab. Genauso muss das sein! Ich hatte endlich mal die Gelegenheit, mir die sehr kunstvoll geschminkten Gestalten genauer anzusehen und ich muss sagen, dass bei denen das Bemalte nicht so stumpf aussieht wie bei IMMORTAL. Die hatten übrigens mit der Sonne so ihre Probleme im Vorjahr – die DIMMUs sahen’s gelassen. Die düstere Stimmung kam nämlich trotzdem irgendwie rüber. Schade nur, dass die Setlist wenig vom aktuellen Album bot, aber ansonsten gab’s nichts zu meckern.

Das offizielle Festival war damit für den ersten Tag beendet – aber trotzdem war unser Highlight für heute noch nicht vorbei. Nach einem kleinen Zwischenstopp im Mc Doof (dem einzigen „Fast Food“ des ganzen Festivals für mich. Finnland ist einfach zu teuer) ging es zum Hafen ins Nosturi, wo heute AMORAL spielen sollten, die mir auf der Europatour mit NORTHER so ans Herz gewachsen waren. Sehr spät – gegen 0.45 Uhr – ging es los für die 5 Jungs. Frontsau Niko eröffnete den Gig gleich mit einem Sturz auf den Rücken und begann den ersten Song in Käferstellung. Sah schon sehr lustig aus, aber schnell hatte er sich wieder aufgerappelt und sprang über die Bretter als gäbe es kein Morgen. Diesmal hatte er auch seinen eigenen „Spielplatz“: Eine Kiste, auf der er ständig rumkletterte und beim Klettern wehten seine Haare im Wind des Ventilators, der davor stand. Sah ganz witzig aus. Ben und Silver posten um die Wette und auch der neue Basser scheint zu verstehen, wie man sich der Menge zeigt. Die Stimmung war fantastisch. Die Menge grölte jeden einzelnen Song mit, die Hälfte des Nosturi war ein Pit, der sich sehen lassen konnte. Die Jungs auf der Bühne hatten Spaß ohne Ende und gaben ihr Bestes. Im Vordergrund stand wie auch schon bei der Europatour im letzten Jahr das neueste Werk „Reptile Ride“ aber dank ca. 90 min. Spielzeit kamen auch die beiden Vorgänger nicht zu kurz. Zum Abschluss gab es „Mute“ als Zugabe und auch wenn ich mich bisher eher ans fotografieren gehalten hatte: Nun gab es kein halten mehr… Kamera weg und ab dafür!

Ja, so ging ein musikalisch einwandfreier Abend vorbei und für mich standen erstmal 50 Minuten Fußweg auf dem Programm… das passiert halt, wenn man die letzte Tram verpasst und mit dem Bussystem immer noch nicht klar kommt. Nun ja, wenigstens war ich so müde genug, um sofort einzuschlafen.
(Cynthia)

Copyright Fotos: Cynthia Theisinger

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