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TUSKA OPEN AIR 2012 – TAG 2

Ort: Helsinki - Suvilahti (Sörnäinen)

Datum: 30.06.2012

Puuh… der nächste Morgen… irgendwie hatten sich bei der Freundin, bei der wir unser Nachtlager aufgeschlagen hatten, die Katzen vermehrt – jeder hatte noch einen Kater dazubekommen. Der erste Versuch aufzustehen ging irgendwie etwas daneben, so nach und nach kamen die Lebensgeister zumindest bei mir wieder. Am Frühstückstisch versuchte man Gedächtnislücken zu füllen und begutachtete die „Schäden“. Meiner bestand im Großen und Ganzen aus einem riesen Sonnenbrand in der ungefähren Form eines Thors-Hammers… aber seit wann ist Thor denn der Sonnengott? Gut mit Sonnencreme eingeschmiert, mit einem etwas höher geschlossenen T-Shirt (denn auch der zweite Tag versprach sonnig und warm zu werden) und einer Sonnenbrille zur Katervertuschung bewaffnet wagte ich mich als erste wieder aus dem Haus Richtung Festivalgelände. Die erste Band METSÄTÖLL hatte ich zwar verpasst, aber passend zu einer meiner persönlichen Favoriten AMORAL hatte ich das Gelände dann erreicht.

AMORAL

Leider konnten die Jungs von AMORAL an diesem Morgen weder bei mir noch beim Rest der Menge sonderlich punkten. Der Platz vor der Bühne war bestenfalls „leicht gefüllt“ zu nennen und der Bewegungsfaulheit des Publikums nach war ich nicht die einzige, die versuchte, den morgendlichen Kater zu verscheuchen. Leider muss man aber auch konstatieren, dass die Band alles andere als animierend wirkte. Normalerweise feuern die Jungs einen Hit nach dem anderen in die Menge, so dass diese sich dann von selbst anfängt zu bewegen. Heute setzte man auf Balladen – zwar mit Pyro Effekten und Gepose der Gitarristen sowie Animierungsversuchen seitens des Bassisten – aber eben – nun ja, „Balladen“ oder etwas ruhigere Stücke… es kam keine wirkliche Stimmung auf – der Funke sprang nicht über, wie auch immer man das ausdrücken will, vor der Bühne war allenfalls ein pflichtschuldiges Kopfnicken zu vernehmen. Ich war sehr enttäuscht von der Songauswahl und der eher müden Show. Um ein wenig in Nostalgie zu schwelgen – mit dem alten Sänger Nico wäre das nicht passiert. Nicht dass ich was gegen den Finnischen „Idols“ Gewinner Ari hätte – ganz im Gegenteil, er hat der Band einen völlig neuen Stil ermöglicht, der mir sehr zusagt – leider ist seine Bühnenpräsenz etwas langweilig – wobei es auch an der Tagesform gelegen haben kann, die letzte Show in Essen war definitiv nicht so lahm. Fakt ist – es fehlten Songs wie „Year of the suckerpunch“ oder „Song for the Stubborn“. Ich wette, dass diese Stücke mehr gezündet hätten als z.B. „Release“.

MOKOMA

MOKOMA kannte ich bisher nicht so wirklich. Gespannt, was mich erwarten würde, blieb ich nach AMORAL einfach stehen (ich hatte mir einen schönen Platz ausgesucht, von dem ich beide Bühnen gut überblicken konnte) und erlebte eine gelungene Überraschung: eine Thrash/ Death-Legende aus Finnland mit schön sauberen Gesangsparts zudem gepaart mit krassen Drums und Gitarrenrifts – ganz im Gegensatz zur Vorgängerband – dazu wesentlich mehr Bewegung und Spielfreude auf der Bühne. Schön im alten Stil. Herrlich zum Kater loswerden geeignet – sollte ich mir mal mehr von gönnen.

Setlist MOKOMA
Valapatto
Ärräpää
Kuu saa valtansa auringolta
Pahaa verta
Mieli sydäntä syyttää
Täyttä ymmärrystä vailla
Tulkki
Itken silmät päästäni
Tästä on hyvä jatkaa
Säästä sanasi
Lujaa tekoa
Encore:
Kuollut, kuolleempi, kuollein
Kasvot kohti itää
Sydänjuuret

TEXTURES

Die niederländische Formation TEXTURES spielte einen gelungenen Mix aus melodischen Momenten und hellen, intensiven Screams – eine gute Mischung aus progressive Death Metal und Metalcore. Auch schön war zu sehen, was für eine Energie die Band der Menge zeigte, in dem sie nicht nur wild rum sprangen sondern in noch so verrückten Arten ihre Gitarren spielten. Auch fürs weibliche Auge gab es einen sehr netten Sänger zu bestaunen.

NAPALM DEATH

Bis jetzt gab es ja trotz metallischer Klänge noch halbwegs „Katerschonende“ Töne auf die Ohren – Damit sollte nun vorbei sein und eine verrückte Show begann auf der großen Bühne, als die Briten von NAPALM DEATH loslegten. Der Grind der alten Schule brachte eine verschrobene Mischung aus brutalem Drummung, eingängigen Riffs und wahnsinnigen Schreien hervor. Die Jungs sind wirklich „schräg“, vor allem Fronter Barney, der eher wie ein Irrer wirkt als wie ein Sänger einer Metalband und scheinbar unter einer Art dauerhafter Zuckungen leidet – wir Fotografen hatte jedenfalls ’ne Menge zu tun, auch nur ein anständiges Bild hinzubekommen, da der Kollege nie wirklich stillzustehen schien.. Tja, so wurde jedem warm, denn trotz Sonnenscheins frischte der Wind allmählich auf.

INSOMNIUM

INSOMNIUM sind ja schon ein bisschen episch – fette Intros, geniale Bridges und ein wütendes, unterschwelliges Growlen, alles im feinem Midtempo mit fettem, makellosem Sound – so kennt und liebt man die Jungs. Diese schienen das „Heimspiel“ sichtlich zu genießen. Songtechnisch konzentrierte man sich hauptsächlich auf das neueste Material vom aktuellen Longplayer „One For Sorrow“ und den Highlights ihrer Schaffenszeit wie das fette „Through The Shadows“. Vor der Bühne wurde fleißig mitgefeiert und somit erhielt die Show einen runden Schliff.

SONATA ARCTICA

Meine Helden aus Jugendtagen standen als nächstes auf der Hauptbühne in den Startlöchern. Schon seit Beginn des Festivals wurde im Fotograben diskutiert, ob Sänger Tony Kakko wieder eine Gefahr für die Augen darstellen und wieder in knallbunten komisch gemusterten Klamotten, die aus der Altkleidersammlung meiner Oma stammen könnten, die Bühne betreten würde, oder ob er ausnahmsweise mal in „zivil“ auftritt. Als die 5 Finnen aus Kemi die Bühne enterten gab’s dann die Auflösung – ganz leger aber nicht zu bunt gekleidet war der gute Mann heute. Die Begründung dafür lieferte er aber direkt nach dem ersten Song: Er hatte keine Zeit mehr, sich umzuziehen… na wenn das so ist. Klamotten hin oder her – Tony ist einfach ein Fronter, der seinesgleichen sucht. Der Kerl scheint einfach nicht kaputtzukriegen zu sein – hochmotiviert, energiegeladen und dabei noch mit glasklarer Stimme legte er eine Glanzleistung hin. Auch der Rest der Band brauchte sich nicht hinter ihrem Sänger verstecken – auch hier sah man, dass die Finnen Spaß an der Sache hatten. Songtechnisch freute ich mich über ein paar alte Stücke aus meiner Jugendzeit, vor allem „Don’t say a word“ und „Black Sheep“ haben es seit dem wieder in meine Playlist geschafft. Hach ja, genau die richtige Musik, um in Erinnerungen zu schwelgen und einfach mal die Seele baumeln zu lassen. Leider spielte das Wetter nicht mehr so ganz mit und Himmel verdüsterte sich zunehmend – zum Ende hin fing es dann ordentlich an zu regnen, so dass ich früher als geplant zur Zeltbühne flüchtete.

SWALLOW THE SUN

Die Zeltbühne war nun genau der richtige Ort: Draußen schüttete es wie aus Eimern und drinnen Schwermütiger, melancholischer Doom Metal, wie man ihn besser kaum spielen kann – ja, das passt – SWALLOW THE SUN sind eben wahre Meister ihres Fachs – selbst das Wetter haben sie im Griff. Leider bedeutet schwermütiger, düsterer Metal auch meistens schlechtes Licht, was zwar zur Atmosphäre passt aber einen Fotografen schon zur Verzweiflung bringen kann. Das Zelt war zum Bersten gefüllt – ob das nun am Wetter oder an dieser wirklich grandiosen Darbietung lag, sei mal dahingestellt – der Regen wäre jedenfalls für das Gänsehautfeeling gar nicht nötig gewesen – das hätten die Jungs auch in der prallen Mittagssonne hinbekommen, da bin ich mir ganz sicher.

BEHEMOTH

BEHEMOTH mussten bei mir hinter SWALLOW THE SUN anstehen, so bekam ich nur die letzten 15 Minuten der polnischen Black Metaller mit. Nun ja, Panda Metal ist an sich eh nicht so ganz mein Fall. Trotzdem war ich neugierig, wie sich Fronter Nergal nach besiegter Leukämie auf der Bühne machte. Als erstes fiel ins Auge das er seine Mähne eingebüßt hatte – irgendwie wirkt er ohne Haare allerdings um einiges bedrohlicher. Viel Schnickschnack und Gepose gab es nicht, dafür Pyros und eine sehr agile Menge die den Polen zeigte, dass sie jederzeit in Finnland willkommen sind.

SABATON
Die Schweden gaben sich die Ehre, den zweiten Festivaltag zu headlinen. Dass die Jung rund um Animateur Joakim Broden in Finnland sehr beliebt sind, bewies die sehr ansehnliche Menge, die sich vor der Bühne versammelt hatte, trotz wiederkehrender Schauer. Ich muss sagen, auch wenn ich die Jungs mag, habe ich sie mir ein wenig „sattgesehen“, da sie in Deutschland irgendwie an jeder Milchkanne spielen – zumindest in der nahen Vergangenheit. Da aber nahezu die ganze Truppe um den Sänger neu war, nachdem die Band einmal komplett durchgerüttelt wurde, interessierte es mich doch, wie sich die neuen Musiker machen würden. Mein Fazit: Nicht schlechter aber auch nicht besser als die alten. Die Jungs haben sich gut in die Truppe integriert und zeigten eine ordentliche Bühnenperformance – mehr kann man sich doch eigentlich nicht wünschen. Mit dem Klassiker „Metal Crüe“ endete die Show und der heutige Festivaltag.
Setlist SABATON
Ghost Division
Uprising
Gott Mit Uns
White Death
Cliffs of Gallipoli
Midway
Into the Fire
Carolus Rex
Attero Dominatus
40:1
The Price of a Mile
Panzer Battalion
Encore:
The Art of War
Talvisota
Primo Victoria
Metal Crüe

Diesmal ging es für uns ohne Umwege heimwärts – heute gab es keine grandiose Aftershowparty, aber dafür die Möglichkeit sich für den dritten Festivaltag auszuruhen.

Copyright Fotos: Cynthia Theisinger/ Yvonne

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