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TUSKA OPEN AIR 2012 – TAG 3

Ort: Helsinki - Suvilahti (Sörnäinen)

Datum: 01.07.2012

Der Sonntag fing spät an und hörte früh auf, von daher gab es heute nicht mehr ganz so viel zu sehen wie die Tage zuvor. Ein Grund mehr, pünktlich am Gelände aufzuschlagen, um auch nichts zu verpassen. Gut ausgeruht und diesmal ohne „tierischen Begleiter“ war das auch nicht so die Schwierigkeit, so dass wir pünktlich zu Beginn der ersten Kapelle des Tages vor der Bühne standen.

APOCALYPTICA

Ein absoluter Klassiker und doch eher eine Randgruppe der Metal-Welt sollte heute den Opener Slot so gut erfüllen, dass man beinahe denken konnte, es stände schon einer der Headliner auf der Bühne – APOCALYPTICA – die ungeschlagenen Meister der Celli – ein wahrer Topact, der auch um 14:30 Uhr den Platz vor der Bühne schon gut füllte und die Stimmung das erste Mal an diesem Tag aufkochte. Wenn Unbedarfte vernehmen, dass die Jungs Cello spielen, wird so manch einer an langweilig Orchestermusik denken – aber mitnichten – Jack Sparrows Zwilling fegt wie ein Wirbelwind über die Bühne und bangt dabei mit der Menge um die Wette – grandios! Bei einigen METALLICA-Hits wie unter anderem „Master of Puppets“ lässt man dann einfach mal die Menge singen – auch wenn man sich bei ein paar anderen Songs einen Sänger auf die Bühne holt. Wenn dann doch mal die Stühle auf die Bühne geholt werden und es etwas ruhiger wird, ist es Zeit für das grandiose „Nothing elese Matters“ und die Gänsehautstimmung jagt jedem noch so hartem Metaller auch bei recht milden Temperaturen einen eiskalter Schauer durch den Körper – so wahnsinnig atmosphärisch – das macht dem finnischen Quartett aus drei Cellisten und einem Drummer keiner so schnell nach. Und ich als weibliche Person muss ja auch zugeben, dass die Jungs alle gesammelt ein absoluter Augenschmaus sind… vor allem nachdem sie sich ihrer Oberteile entledigt hatten! Zum großen Finale gab’s noch „Hall of the Mountain King“… ja was bleibt mir da anders als zu sagen, dass die Show grandios und perfekt war? Eben… !

BARONESS

Als BARONESS als zweite Band des Tages das Heft in die Hand nahmen, traten sie zwar ein bisschen schüchtern aber mit einem breiten Grinsen (wohl in Anbetracht der doch sehr ansehnlichen Menschenmenge vor der Bühne) auf die Bühne, aber der Eindruck der Schüchternheit verschwand sofort, sobald das Intro einsetzte. BARONESS schienen ein Spiel mit dem Publikum zu spielen, da sie den Eindruck erwecken, erst mit einer gewissen Faulheit zu starten, nur um dann ein derbes Brett um die Ohren zu hauen. Ein intensiver Rhythmus, mit eindringlichen Riffs und leidenschaftlich gespielten Soli wird so beeindruckend gemixt, dass man auf den Gedanken kommen könnte, auf was für neuen, unbekannten Drogen die Band sei?! Außerdem ist es immer fantastisch zu beobachten, wenn Musiker so engagiert neue Formen des Spieles ihrer Gitarre zeigen, wie zum Beispiel am Boden liegend… hat man da etwas bei APOCALYPTICA gelinst?

OVERKILL

LAMB OF GOD waren leider gezwungen ihren Gig abzusagen, da Sänger Randy Blythe in Tschechien nur wenige Tage vor der Show verhaftet worden war. Man gab ihm die Schuld an dem Tod eines Fans im Jahr 2010, der sich auf der Bühne mit ihm prügeln wollte. So wurde er direkt von der Polizei festgehalten, als er wieder in das Land einreiste. Die Tuska Organisation reagierte schnell: FINNTROLL wurden kurzfristig gebucht. Einige Änderung in der Running Order waren die Folge und OVERKILL zogen von der Helsinki Stage auf die Hauptbühne. Mit den Amis betrat ein Urgestein der Metalszene die Bühne, mit einer Geschichte von sechzehn Studioalben und unzähligen Live-Auftritten lässt die Band keine Zweifel, dass sie es ernst meint mit ihrer Liebe zum Thrash Metal. Auch heute gab’s wieder eine erstklassige Show mit einem fetten Soundbrett und viel Agilität auf der Bühne. Die Jungs und Mädels vor der Bühne honorierten es mit einer erstklassigen Party davor, welche im Laufe der Spielzeit von 90 Minuten nicht abflaute sondern eher noch wilder wurde. Hier kam den Jungs ihre langjährige Bühnenerfahrung zu Gute, denn es ist sicher nicht einfach, eine Menge 90 Minuten lang ohne Stimmungsverlust bei der Stange zu halten, aber die Jungs um Sänger Blitz sind da absolute Profis. Auch auf der Bühne lief alles perfekt ohne Pannen und mit grandiosem Sound und Action verging die Spielzeit wie im Fluge, so dass die Meute bald nach mehr rief. Der Wunsch ging in Erfüllung und mit „Rotten to the Core“ und „Fuck you“ wurde nochmal alles gegeben bevor der Platz für die letzten zwei Bands des Festivals geräumt wurde.

Setlist OVERKILL
Come and Get It
Bring Me the Night
Elimination
It Lives
Electric Rattlesnake
Hello From the Gutter
Ironbound
Save Yourself
Necroshine
Old School
In Union We Stand
Wrecking Crew
Encore:
Deny the Cross
Rotten to the Core
Fuck You (THE SUBHUMANS Cover)

FINNTROLL

Die spontan eingesprungenen FINNTROLL trugen hier und heute ein Heimspiel vor. Schon des Öfteren spielten sie auf diesem Festival – immer mit vollen Bühnenvorplätzen und guter Stimmung. Heute allerdings fehlte für mich das gewisse Etwas, was den Funken überspringen ließ. Irgendwie waren die Jungs zwar gut, aber nach allem, was heute schon geboten worden war, wirkten die Finnen für mich leider sehr lahm. An sich wollte ich mir nur eine weitere Coke organisieren und mich dann in den Pressebereich setzen, als ich aus dem Inferno-Zelt auf einmal ganz Tuska-Untypische Sounds hörte…

HUORATRON

… nämlich sehr Bass-lastige Störgeräusche – Moment mal – ich bin doch gar nicht auf dem WGT oder M‘era Luna? Ziemlich verwirrt betrat ich das Zelt und musste erst mal ziemlich lachen: Ein einzelner Musiker hinter einem Mischpult, neben ihm überdimensional große Boxen, Nebel, Flackerlicht… und eine Polonäse! Man stelle sich vor: fetter Industrial Sound ballert aus den Boxen und drei Dutzend böser schwarzer Metaller in kutte und bösen Bandshirts machen hüpfend eine Polonaise um das Mischpult… das sah schon etwas komisch aus! Was mich außerdem verwunderte – es war wirklich viel los hier und eine bunt zusammengewürfelte Menge mehr oder weniger schwarzer Gestalten feierten HOURATRON ab. Vergessen war der Plan, sich was zu trinken zu besorgen – mir gefiel der Sound und die Stimmung war definitiv mitreißend – ich legte meine Kamera auf einen sicheren Platz und schloss mich der tanzenden Menge an. Irgendwie ja schon nen Kulturshock auf dem Tuska so was zu hören – aber saugeil! Ich hab noch nicht genau recherchiert, was das nun genau für ein Sound war – jedenfalls klang es super und die Stimmung sprach für sich – egal was das nun war – Hauptsache geil!

MINISTRY

Für die Fotografen immer ein Bild wert: Tonnen von Piercings und Tätowierungen im Gesicht und am ganzen Körper, Vampir-Zähne und der goldenen Zahn, der hämisch in der Sonne aufblitzten, abgerundet von einem großen Magier-Hut und eine Ozzy – Osbourne Gedächtnis Sonnenbrille… durchweg eine Erscheinung mit mehr als nur etwas Wiedererkennungswert – die Rede ist von MINISTRY-Sänger Al Jourgensen. Leider zeigte die sich nicht so bewegungsfreudig wie der Rest seiner Band sondern hang eher halb in seinem Spezial Mikrofon Ständer in Form eines Fledermausskelettes was das Fotografieren leider nur halb so interessant machte. Auch wenn er mit seinen vielen Lobesworten über Helsinki bei den Finnischen Fans Pluspunkte sammelte, war die Show dennoch eher mäßig zu nennen – zu wenig Stimmung kam von der Bühne ins Publikum geschwappt. Die Finnen nahmen’s gelassen und animierten sich gegenseitig zum letzten Moshpit des Festivals. Klar gab es eine sehr abwechslungsreiche Setlist, die auch den Kult Song schlechthin – „New World Order (N.W.O.)“ beinhaltete, aber für mich war das ganze irgendwie nichts. So verbrachte ich den Rest des Festivals mit Freunden im Pressebereich und ließ den Abend eher gemütlich mit einem Bier ausklingen.

Setlist MINISTRY
Ghouldiggers
No W
Rio Grande Blood
Señor Peligro
LiesLiesLies
99 Percenters
Watch Yourself
Life Is Good
Waiting
Worthless
Relapse
The Last Sucker
Khyber Pass
Encore:
N.W.O.
Just One Fix
Thieves

Fazit

Drei prallgefüllte Festival Tage waren nun leider vorbei – mehr als 50 Bands traten auf und auch wenn wir die ganz kleine Newcomer Stage völlig außer Acht lassen mussten, kann man konstatieren, dass die Veranstaltung eine gute Mischung aus aufstrebenden Künstler und alte Hasen bietet. Auch wenn die Bandauswahl dieses Jahr auf den ersten Blick eher dürftig erschien, so war sie im Endeffekt gar nicht so schlecht und es gab die ein oder andere positive Überraschung. Das Wetter war, bis auf ein bisschen Regen am Samstagabend, wirklich perfekt – wenn man so an die anderen Festivals diesen Sommer denkt, unter anderem an das Unwetter am zeitgleichen WITH FULL FORCE hatten wir echt das große Los gezogen. Die Stimmung war rundum klasse und für mich war die neue Location des Festivals auch super in Ordnung – man schien sich einige Kritikpunkte des letzten Jahres zu Herzen genommen zu haben. Die Preise für Speis und Trank waren wie zu erwarten waren ziemlich hoch – allerdings war die kostenfreie Coke und Kaffee-Versorgung wirklich super und wer was anderes wollte, konnte entweder mitgebrachte Plastikflaschen mit frischem Wasser füllen oder in einem Supermarkt Container recht kostengünstig mit anderen alkoholfreien Getränken versorgen. Wir jedenfalls hatten unseren Spaß und wenn sich die Möglichkeit bietet, geht es nächstes Jahr wieder den weiten Weg nach Helsinki, um das TUSKA 2013 zu zelebrieren.

Copyright Fotos: Cynthia Theisinger/ Yvonne

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