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TWIN TRIBES -WINGTIPS

Ort: Bielefeld – Movie

Datum: 01.09.2024

Wie auch schon bei meinem letzten Konzertbesuch bei den TRAITRS Anfang Juni – ebenfalls im Movie – mussten die Fans nach einer Absage der Tour mehr als ein Jahr auf  TWIN TRIBES warten. Hier ist der Grund ein komplett anderer als bei den Kanadieren, die ihreseits weiterhin als Vorgruppe von VNV NATION fungierten, um die krankheitsbedingte Verschiebung der Konzerte zu supporten. Bei den TRIBES gab es damals – wie ich es in Erinnerung habe – Probleme mit den Visa. Diese sind aber zum Glück für die jetzige „Pendulum“ Tour aus dem Weg geräumt und an dieser Stelle ein Dankeschön an den Veranstalter, der bei beiden Bands am Ball geblieben ist und sie trotz dieser Probleme nach Bielefeld geholt hat.

Überpünktlich, ich glaube es waren sogar einige Sekunden vor 17 Uhr, starteten WINGTIPS aus Chicago ihren Support. Hannah Avalon (voc, synth, drum) und Vincent Segretario (voc, git) bezeichnen sich selbst als Electropop-Duo, ich würde ihren musikalischen Stil aber noch um Darkwave und New Wave erweitern. Und diesen Sound bekam das Publikum heute am frühen Abend von den beiden serviert. Für ihre erste Europatour hatte das Duo die beiden veröffentlichten Alben im Gepäck und bei ihrem halbstündigen Auftritt gab es einen kleinen Ausschnitt wie z. B. die Songs „Deaf Pursuit“, „Last Minute“ und „Relativity“ zu hören. Dabei gaben die beiden auf der Stage ihr Bestes: Vincent wirbelte mit seinen hohen Plateau-Boots und der Gitarre über die Bühne, während Hannah wie ein Berserker auf die elektronischen Drumpads eindrosch und beide sich beim Gesang abwechselten. Selbstverständlich gab es auch ruhige Momente, und schon nach etwas mehr als einer halben Stunde war ihr Auftritt auch schon vorbei. Ihr dritter Longplayer „On Trial“ wird leider erst einen Monat später veröffentlicht, etwas zu spät für das Merch der Europatour. Ich bin mir sicher, dass WINGTIPS mit ihrem heutigen Auftritt einige neue Fans dazu gewonnen haben und die sollten mal bei VISCERAL ANATOMY  reinhören, denn dies ist ein EBM-Seitenprojekt von Hannah und Vincent.

Auch der sehnlichst erwartete Hauptact betrat ohne große Verzögerung zum Intro „Absolute“ die kleine Bühne des ehemaligen Kinos. Luis Navarro (voc, git) und Joel Niño Jr. (bass, synth) legten gleich mit „Another Life“ vom aktuellen Longplayer „Pendulum“ los und die anwesenden Fans waren sofort auf Betriebstemperatur. Und das kommt nicht von ungefähr, denn ihre mit Coldwave- und Post-Punk-Sounds veröffentlichten Alben kommen in der Szene sehr gut an und da verwundert es auch nicht, dass einige Gigs der vorangegangenen Englandtour ausverkauft waren. In den Staaten sind sie noch erfolgreicher, demzufolge sind dort die Hallen größer und sehr gut besucht. Joel bearbeitete beim ersten Song erst einmal das Keyboard, ehe er sich bei „Perdidos“ seinen Bass umhängte und damit seine eigene Show abzog. Denn während Luis die Songs gezwungenermaßen größtenteils am Mikrofonständer performte, nutzte Mr. Niño jr. fast seine ganze Hälfte der Stage um dort – bewaffnet mit seinem Bass – im Rhythmus zur Musik umher zu stampfen und den Gesang von Luis mit übertriebenen Grimassen lautmalerisch zu unterstützen. Dann gab es aber auch Phasen, wo er nur mit aufgerissenen Augen in die Menge starrte und die Fans zu scannen schien. Solche Aktionen kannte ich bisher nur von Ron Mael, der Keyborder der SPARKS, der konnte minutenlang stoisch nur in eine Richtung über sein Keyboard schauen ohne eine Miene zu verziehen. Mit „Heart & Feather“ gab es wieder einen älteren Song zu hören, ehe mit „Sanctuary“ und „Monolith“ wieder Tracks vom aktuellen Album auf der Setlist standen und schon war der Gig zu Ende. Natürlich ließ man die Fans nicht allzu lange auf die Zugabe warten und den Abschluss des grandiosen Konzertabends bildete das hymnische „Fantasma“ vom 2019er Album „Ceremony“ und mir kam es vor, als hätte die Menge nur auf diesen Überhit des Duos gewartet, denn die Stimmung auf der Stage und im Publikum war jetzt auf dem Höhepunkt. Während des gesamten Konzertes schien es so, als gäbe es keine Verbindung der Texaner zu den Fans, mehr als ein „Thank You“ nach den Songs war nicht drin. Zu den letzten Akkorden der Zugabe gab es dann doch noch eifriges Händeschütteln von der Bühne aus zwischen der Band und den ersten Reihen im Publikum.

Oha, das Konzert ging ja dann doch schneller zu Ende, als ich gedacht hatte. Knapp über eine Stunde Spielzeit für den Hauptact sind recht wenig und ungewöhnlich ist auch die Startzeit am späten Nachmittag. Dementsprechend lief das auch unter dem Motto „Zwischen Torte und Tatort“, was sich über die Jahre hinweg bewährt hat, denn man kann den Sonntag etwas anders planen. Und wenn man doch etwas weiter weg wohnt, ist die Heimfahrt angenehmer und es geht am nächsten Tag entspannter zur Arbeit.

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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