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UDO LINDENBERG & DAS PANIKORCHESTER

Ort: Halle (Westf.) - Gerry-Weber-Stadion

Datum: 24.03.2012

Als am letzten Samstag UDO LINDENBERG mit seinem Panikorchester im Gerry Weber Stadion zu Halle/ Westfalen im Rahmen seiner “Ich mach mein Ding-Tour” Halt machte, durfte natürlich auch der Terrorverlag nicht fehlen. Schließlich ist Udo einer der bedeutendsten deutschen Rocksänger überhaupt und seit bereits mehr als 40 Jahren musikalisch aktiv. Auch wenn der Herr in den letzten Jahren eher durch seine Arbeiten als Maler Schlagzeilen machte und zu Beginn 2011 in Berlin ein Musical („Hinterm Horizont“) mit seinen Liedern gestartet hat, so ist er spätestens seit seinem MTV Unplugged Konzert, bei dem er viele Künstler zu Kollaborationen als Gast mit auf der Bühne hatte, wieder in aller Munde. Dementsprechend groß war und ist auch der Andrang bei den Konzerten seiner aktuellen Tour und das Konzert in Halle war mit 8300 Zuschauern bereits seit langem restlos ausverkauft, wofür Geschäftsführer Ralf Weber UDO LINDENBERG auch erstmalig einen „Sold Out Award“ verlieh. Schon früh an diesem Abend drängten die Besucher auf das Gelände und unter den Fans waren doch einige Doppelgänger auszumachen, die sich detailgetreu wie ihr Idol gekleidet hatten.

Kurz nach 19 Uhr ging die Show dann endlich los und unter großem Jubel schwebte Udo mit einem ca. 15-20 Meter langen Zeppelin auf die Bühne, flankiert von 2 Tänzerinnen in an Lara Croft erinnernden Kostümen, aus deren Waffen allerdings nur Nebel herausschoss, und begleitet von seinem schon fast legendären Panikorchester startete er nach dem Intro das Konzert auch gleich mit dem für das Motto seiner Tour verantwortlichen Song „Mein Ding“. Danach richtete Herr Lindenberg auch endlich ein paar Worte an seine Fans, bemerkte, dass er sich zwar auch sehr über die frisch verliehenen Echos gefreut habe, es aber auch schön finden würde, endlich wieder auf Tour zu sein. Auf Tour durch Länder und Städte und durch Raum und Zeit. Da ließ es sich auch verschmerzen, dass die Gastmusiker des MTV Unplugged Konzertes natürlich nicht mit dabei sein konnten und das nun folgende „Ganz anders“ statt von JAN DELAY von Backgroundsängerin Nathalie gesungen wurde. Ebenso fand „Cello“ ohne CLUESO statt, jedoch mit einer spektakulären Show. Von der Decke senkte sich eine Glaskugel, die in der Mitte geöffnet wurde und in der eine Akrobatin turnte, die sich dann sogar mit dem Kopf nach unten heraushingen ließ und mit einem Cello spielte (bzw. es zumindest simulierte). Am Ende des Liedes landete die Akrobatin dann wieder: Zuerst auf der Bühne und dann mit Udo knutschend auf einem Teppich. Geküsst werden sollte an diesem Abend noch etliche Male, schließlich hatte UDO einige Backgroundsängerinnen und Tänzerinnen dabei. Das warf den Künstler dann aus dem Konzept und er verwechselte prompt die Ansagen, schob die Schuld aber gleich auf seine Fans, die so schön seien, dass er sich gar nicht mehr konzentrieren könne. Dass Udo aber bei all seinen lockeren, dahin genuschelten Ansagen aber auch wirklich etwas zu sagen hat, bewies er unter anderem mit dem Stück „Führer“ mit dem er für ein „nazifreies Ostwestfalen“ kämpfte und schrie laut „Nazis verpisst euch, keiner vermisst euch“. Genauso im später folgenden „Wozu sind Kriege da“ wo er mit einem Kinderchor auf der Bühne dieses Lied gegen das Assad-Regime in Syrien richtete.

Einen der eingangs erwähnten Doppelgänger Udos zeigte dann eine Kamera bei „Lieb Dich überhaupt“ in Großaufnahme auf den LED-Leinwänden, worauf das Publikum in großen Jubel ausbrach. Als Udo den Grund des Jubels bemerkte, legte er sich auf den Bauch auf den Bühnenrand, gab seinem Doppelgänger zunächst die Hand und dann sogar für einige Zeilen sein Mikro. Dass er überhaupt noch auf der Bühne stehen könne, hätte er mit 32 Jahren nie gedacht, als dieses „ganze Rock´n´Roll Ding“ so richtig losging und widmete „Höllenfahrt“ dann seinen verstorbenen KollegInnen: Jimi Hendrix, Falco, Brian Jones, Amy Winehouse, Jim Morrison, Kurt Cobain, Michael Jackson, Sid Vicious und Whitney Houston, die im Verlauf des Songs alle mit Todesdatum auf den Leinwänden erschienen. UDO schloss mit den Worten „Jetzt steh ich immer noch hier mit meinen 140 Jahren“. Von seinen Bodyguards wurde Udo dann auf eine kleine Bühne am anderen Ende der Halle geleitet, um einige weitere Songs akustisch und nur mit Gitarre begleitet zum Besten zu geben. „Stecker raus, wir sind doch alle öko“ sagte er und erklärte, dass er immer wieder alte Songs wiederentdecke und es ihm Spaß mache, diese auch live wieder zu performen. So etwa „Meine erste Liebe“. Die jungen Fans würden ja sonst denken, da wär so´n neuer Typ mit ´nem Hut ganz neu im Geschäft. Dann wurde ein Sarg zu der kleinen Bühne gerollt und verdutzt fragte Lindenberg, was das solle und ob da wohl jemand abgeholt würde. Beim folgenden „0 Rhesus Negativ“ öffnete sich dann das Behältnis, ein Vampir biss Udo und rollte ihn dann in selbigen, um ihn wieder zurück zur großen Bühne tragen zu lassen. Insgesamt bildeten all diese kleinen Elemente sowie die Ansagen eine großartige Rockshow, die manchmal fast schon Musical-Charakter hatte und zusammen mit der Musik den Fans einen großartigen Abend bescherte. Udo bemerkte auch zwischen den Songs, er spiele einen Querschnitt nicht nur aus seinem, nein auch aus dem Leben seiner Fans. Auch als er von alten Männern bei „Der Greis ist heiß“ im Rollstuhl über die Bühne gekarrt wurde, zeigte er viel Selbstironie.

Nach knapp über 2 Stunden und dem allseits bekannten „Horizont“ verließen Udo und sein Panikorchester dann die Bühne, doch der Lärm von 8300 lauthals schreienden und Zugabe fordernden Fans holten sie schnell wieder zurück. Natürlich wurden nun die bislang noch fehlenden großen Hits „Sonderzug“ und „Andrea Doria“ ebenso nachgeholt wie eine ausgiebige Bandvorstellung. Zu dieser wurde ein Tablett mit Eierlikör gereicht, von dem Udo sich selbst mit offensichtlichem Genuss ein großes Glas gönnte. Vielleicht ist dies ja das Geheimnis seiner Power, die er mit seinen mittlerweile 65 Jahren auch an diesem Abend eindrucksvoll unter Beweis stellte. Wieder verließ man die Bühne, doch noch immer hatte das Publikum nicht genug. So gab es als weitere Zugabe den aktuellen Hit „Reeperbahn“ statt mit JAN DELAY mit dem Backgroundsänger Ole (ja der Herr aus dem „Voice of Germany“-Format), bevor sich Udo dann eine Zigarre ansteckte („Jaja, ich weiß, Zigarre im Zeppelin ist gefährlich, ich passe auf“) und zu den Klängen von „Goodbye Sailor“ eben diesen bestieg und unter Applaus und in die Höhe schießenden Flammenfontänen nach mehr als 2 ½ Stunden davon schwebte. Immer weiter auf seiner Tour durch Raum und Zeit, von der man nach diesem Abend nur hoffen kann, dass sie noch möglichst lange andauern werde.

Setlist UDO LINDENBERG
Odyssee
Mein Ding
Boogie Woogie
Ganz Anders
Cello
Führer
Was hat die Zeit
Lieb Dich überhaupt
Höllenfahrt
Das Leben
Vakuum
Meine erste Liebe
0 Rhesus Negativ
Strassenfieber
Wozu sind Kriege da
Mädchen aus Ost-Berlin
Gegen die Strömung
Honky Tonky Show
Der Greis ist heiß
Stark wie zwei
Horizont

Bis ans Ende der Welt
Controletti
Sonderzug
Andrea Doria
Candy Jane

Reeperbahn
Goodbye Sailor

Copyright Fotos: Karsten Rzehak

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