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ULME – PENDIKEL

Ort: Osnabrück – Bastard Club

Datum: 31.01.2009

ULME und PENDIKEL? Hatten wir das nicht in dieser Konstellation schon mal in Osnabrück? Ja vor knapp zweieinhalb Jahren in der Kleinen Freiheit. Allerdings gab es abgesehen von der Location ein paar Unterschiede: Erstens waren heute leider nicht annähernd so viele Leute da, es war diesmal drinnen wie draußen deutlich kälter, die beiden Bands hatten die Reihenfolge getauscht und auch in der Besetzung beider Kapellen hatten sich Änderungen ergeben.

Aber der Reihe nach! Werfen wir zunächst einen Blick auf die Osnabrücker Combo PENDIKEL, die um 21.30 Uhr vor gut 50 Leuten loslegten. Von der Urbesetzung aus dem Jahr 1994 ist inzwischen nur noch Sänger und Gitarrist Carsten Sandkämper dabei, der sich aufgrund eines abgesprungenen Hemdknopfes ungewohnt offenherzig – oder wie er es selbst nannte: etwas Telly-Savalas-mäßig zeigte. Gut, die Frisur (die vor jedem Auftritt noch mal nachrasiert wird) hat er schon, einzig der Lolly fehlte, aber schließlich war man auch zum Mucken und nicht zum Süßigkeiten schlecken in die bitterkalte Skater-Halle gekommen. Oliver Klemm an der zweiten Gitarre hat inzwischen auch schon seit zehnjähriges PENDIKEL-Jubiläum hinter sind, dafür sind die beiden zusätzlichen Live-Verstärkungen Toby Neumann (ex-DÜSENJÄGER) am Bass und der stets barfuss spielende Drummer Lutz Möllmann erst in den letzten Jahren dazu gestoßen. Mit „Leider schwierig“ legte das Quartett einen fluffigen Start hin, um sich alsbald an die Anfangstage der Bandgeschichte zu erinnern, als der Sound noch deutlich stärker am Noiserock als am Indie orientiert war. Genau das wollte das Publikum allem Anschein nach auch hören, denn schon zu „Fall B“ vom letzten Studioalbum „Don’t Cry, Mondgesicht“ aus 2006 wagten die ersten ein Tänzchen und fühlte sich der ein oder andere zum Mitsingen animiert. Mit „Trag die alten Sachen auf“ folgte eine sehr geile neue Nummer mit viel Bums, bevor Fronter Carsten die „gewerkschaftlich vorgeschriebene Theatralik“ einfließen ließ. „Dead City“ ernete mit Sprechgesang und anfänglich minimaler Instrumentierung, die später in einen verqueren Sound mit tiefen Bässen und wummernden Drums münden sollten, dann auch viel zustimmendes Nicken im Auditorium. In diesem Sinne ging es mit „abgehangenem Zeug“ energiegeladen weiter, bevor „Aeroflot“ mit instrumentalem Gefrickel vom Feinsten die erste Stunde fulminant beendete. Natürlich wurden von den Lokalmatadoren noch Zugaben eingefordert, auf die die Osnabrücker allerdings allein schon deshalb verzichten musste, weil Lutz gerade mal Halbzeit an seiner Schießbude hatte und von Schmerzen in der Schulter geplagt wurde.

Setlist PENDIKEL
Leider schwierig
Dermaßen voll
Kaffee machen
Fall B
Trag die alten Sachen auf
Dead City
Schicksal
Machiavelli
Lauter
Aeroflot

Neuerdings teilen sich die seit Jahren befreundeten Bands ULME und PENDIKEL nämlich Lutz Möllmann an den Drumsticks. Nachdem sich die Hamburger nach sechs Jahren Funkstille zur letzten Langrille „Dreams of The Earth“ 2006 wieder zusammengefunden hatten, musste sich das Trio, bei dem es in ferner Vergangenheit auch schon mal zu Prügeleien auf der Bühne kommen konnte, von Jan-Eric Heesch trennen, der aus persönlichen Gründen nicht mehr mit dabei ist. Vorher war bereits sein Cousin Gunnar ausgestiegen, für den Tim Liedtke (ex-SISSIES) am Bass dabei ist. Und wer aufgepasst hat, wird jetzt erkennen, dass auch bei ULME nur noch ein Gründungsmitglied mit von der Partie ist: Arne Heesch, Bruder von Gunnar und entsprechend Cousin von Jan-Eric. Zudem seit meiner letzten Begegnung vor knapp zwei Jahren um ein paar Kilos erleichtert und mit deutlich kürzeren Haaren unterwegs. Tim ist Statur und Frisur treu geblieben und trägt auf dem rechten Arm jetzt ein ULME-Tattoo. Wie es scheint, identifiziert er sich voll mit der Band, zu der er vor inzwischen vier Jahren gestoßen ist. Überhaupt hat er seine stoische Bassisten-Ruhe verloren, quatschte stattdessen mit den Zuschauern, flachste mit Arne und Lutz, tobte über die Stage und brüllte zwischendrin wie bei „Bloodsoul“ auch mal ins Mikro. Derweil hat Arne mit den überflüssigen Pfunden nichts an Temperament und Spielfreude verloren, einzig Lutz „schwächelte“ ob seines gesundheitliches Handicaps ein wenig, weshalb die Setlist zunächst umgestellt und der Zugabenblock um zwei Stücke gekürzt wurde. Schade, denn nicht nur ich hätte gern noch länger was von dem heftigen Gebretter des flotten Dreiers gehabt. Die Jungs boten ebenfalls einen gelungen Abriss ihrer Noise- und Stonerrock-Discografie, der sie demnächst eine weitere EP hinzufügen wollen. Leider ist der Silberling noch nicht fertig, aber die Osnabrücker bekamen schon mal einen Track zu hören, der nur Gutes erwarten lässt. Die Nummer knüppelte wie der Teufel und gefiel mit einem fetten Instrumentalteil, weshalb man sich die Scheibe nicht entgehen lassen sollte, wenn es denn so weit ist. Bis dahin können eine ganze Reihe Fans noch mal die zweite ULME-Platte „Ordinary Diva“ aus 1997 zur Hand nehmen. Bevor als erste Zugabe „Moondreamer“ gespielt wurde, hatte Arne nämlich abgefragt, wer das gute Stück noch im Plattenschrank hat und da dies nicht wenige waren, darf man davon ausgehen, dass an diesem letzten Samstag im Januar einige Fans der ersten Stunde den Weg in die Industriebrache gefunden hatten.

Auch wenn das Konzert nach einer guten Stunde mit „Jewel“ schon endete, hat sich das Frieren auf jeden Fall gelohnt. PENDIKEL und ULME haben erneut ihre Live-Qualitäten zweifelsfrei und mit viel Schmackes unter Beweis gestellt und wer nicht zum ersten Mal im Bastard Club war, wusste, dass man sich warm anziehen oder warm tanzen muss. Beides war an diesem Abend machbar und Männer (die deutlich in der Überzahl waren) frieren ja auch nicht so leicht…

Selist ULME
Brave Princess
Lady Zombie
Trapped In The Absurd
The Glowing
Undergrounded Beauties
Neuer Song
My Heat of Beat?
Bloodsoul

Moondreamer
Jewel

Copyright Fotos: Ulrike Meyer-Potthoff

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