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UMBRA ET IMAGO – FETISCH:MENSCH – NOCTULUS

Ort: Leipzig WGT agra Halle

Datum: 31.05.2009

Der Sonntag beginnt ruhig, etwas zu ruhig. Doch es ist nur die Ruhe vor dem Sturm, denn heute geht es erstmalig auf die Agra. Der Walk Of Fame ist sicherlich für viele das Highlight jedes Wave-Gotik-Treffens. Und auch in diesem Jahr heißt es sehen und gesehen werden. ABER! Gegen 15 Uhr kann es nur einen Ort geben, nämlich vor der Bühne. Denn es ist Zeit für den heimlichen Headliner jedes WGTs: Der einzigartige NOCTULUS. Jedes Jahr zelebriert er seine Kunst auf dem Walk Of Fame und ist zum einzig echten Wahrzeichen des WGT geworden. NOCTULUS ist das Wave Gotik Treffen. Und im 18. Jahr des Festivals hat er es endlich geschafft. NOCTULUS darf auf die Hauptbühne. Eine Premiere, ein Ereignis von kulturhistorischer Bedeutung, über das die Besucher noch ihren Urenkeln erzählen werden. Als die Lichter ausgehen und der Mann mit der hässlichsten Maske der Menschheit die Bühne betritt, flippen die Fans nun endgültig aus. 30 Minuten bekommt NOCTULUS um von rasierten Königinnen und goldenen Brüsten zu singen. Dabei wirkt er zu Beginn noch leicht nervös, doch sein Lächeln zeigt, dass er hier den größten Spaß hat. Mal zelebriert er ein abgefahrenes Gitarren-Solo, mal raucht er Rächerstäbchen oder rezitiert aus einem seiner Bücher. Mehr Kunst als Musik, NOCTULUS is God!

Nach soviel musikalischer Höchstleistung können FETISCH:MENSCH nur abstinken. Aber Spaß bei Seite, eigentlich ist es eine Schande, dass ein Künstler wie Oswald Henke direkt nach NOCTULUS spielen muss. Wie sagte es Oswald so schön: „30 Minuten, das ist der Deal“. Diese halbe Stunde vertröstet über einigen musikalischen Leerlauf, den dieses WGT geboten hat, hinweg. Oswald Henke ist in Topform und lässt es sich nicht nehmen, auch zu dieser frühen Uhrzeit (16.30 Uhr), seinen Fans eine Spitzenperformance zu präsentieren. Um einiges rockiger als zu GOETHES ERBEN-Zeiten singt sich Oswald spätestens bei „Narbengarten“ in Ekstase. Songs wie das brandneue „Schwarzer Schnee“ lassen Wehmut aufkommen. Dieser Mann gehört mit seinem musikalischen Genie auf den Headliner-Posten und das jedes Jahr. Mit „Komm wir lassen uns erschießen“ und „Nicht heute aber morgen“ schließt Oswald diese saustarken 30 Minuten stimmungsvoll ab.

Die Sonne scheint, das Heidnische Dorf ruft. Wie jedes Jahr mausert sich dieser Ort zum Hauptanlaufziel für die Besucher des WGTs. Da muss man einfach hin. Das Heidnische Dorf erfreut sich aber nicht nur bei den Gästen des WGTs großer Beliebtheit. Leipzigs liebt das Heidendorf und rückt mit Kind und Kegel an. Dies hat zur Folge, dass das Dorf aus allen Nähten platzt. Bis zu drei (!!!) Stunden müssen all diejenigen anstehen, die kein Festivalbändchen haben. Aber der Besuch lohnt sich. Prost!

Nach diesem mehrstündigen Zeitreise in das Mittelalter geht es aber endlich zurück auf die Agra, UMBRA ET IMAGO stehen auf dem Plan. „Seht nur, was das Alter aus mir gemacht hat!“ UMBRA ET IMAGO und vor allem Leadsänger Mozart waren noch nie um einen flotten Spruch verlegen. Doch zunächst muss Mozart arbeiten, denn zu Beginn des Konzertes steht er im Fotograben und thront über dem Volke. Blöderweise muss er aber seinen Job auf der Bühne erledigen. Doch wie kommt er da hoch? Doof ist er nicht, also fragt er die Fotografen. Diese helfen ihm auch brav auf die Bühne. Nur doof, dass es die Schwerkraft gibt – Und platsch, das war wohl nix. Neuer Versuch und es klappt. Lasst die Show beginnen. Mozart trällert zunächst in einem alten Römeroutfit, während neben ihm eine gut aussehende Frau so tut, als würde sie singen. Na ja. Bei „Lieber Gott“ verschwindet sie auch schon wieder, geiler Auftritt. Was folgt sind 40 Minuten UMBRA ET IMAGO (u.a. „Schwarz“, „Stalker“, „Glaubst du?“), wobei der unterhaltsamste Teil der Show zweifellos zwischen den Songs stattfindet. Mozart schimpft über alles und jeden, hetzt gegen Banker, Krieg und Politiker. Seine Meinung lautet ganz einfach: „Masturbieren statt Konsumieren“. Er beklagt sich über sein Alter und seinen Körper „Ich bin alt und fett!!!“ und lässt sein teilweise sehr irritiertes Publikum zurück. Musikalisch bleiben Überraschungen aus und auch die obligatorische Leck-Show (eine nähere Beschreibung verbietet sich hier (Immerhin könnten das ja auch Kinder lesen, das sollte einem anständigen Terrorverleger eigentlich egal sein, Anm. der Red.) darf beim abschließenden „Rock Me Amadeus“ nicht fehlen. Nur traurig, dass der größte Jubel und die größte Selbstbeweihräucherung bei einer Coverversion stattfinden muss. Und echt traurig, dass ein Headliner seine eigenen Texte ablesen muss.

Copyright Fotos: Enrico Ahlig

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