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UMBRA ET IMAGO – NFD – THANATEROS

Ort: Essen - Zeche Carl

Datum: 16.01.2005

Mozart-Alarm im Ruhrgebiet! An diesem kalten Abend stand einer der vorerst letzten Gigs der Badener an, die danach erstmal eine längere Livepause einlegen wollen, um sich neuen Projekten zu widmen. Und da das Szene-Schlachtross im Interview von einigen neuen Elementen in seiner Show erzählt hatte, war eine Fahrt in die Essener Zeche Carl natürlich unumgänglich geworden. Pünktlich um 19 30 erreichten wir den Laden, der sich schon eines regen Zulaufs erfreute. An die 350 Besucher gaben dem Event einen feierlichen Rahmen und sie sollten nicht enttäuscht werden!

Am Merchandising Stand ein wie immer gut gelaunter Ben Richter und auf der Bühne die versprochene Burghof-Kulisse… oder was sich UMBRA darunter vorstellen, 2 Pappsäulen und ein entsprechender Vorhang an der Rückseite. Das geschulte Auge erkannte aber auch schon das Gestänge, welches später für Lustbarkeiten aller Art genutzt werden sollte, zunächst aber war darunter das Schlagzeug für die beiden Vorbands drapiert. Und die hatten es in sich! Überraschenderweise betraten zunächst die Berliner THANATEROS die Bühne, welche im März/ April ihr neues Album „Into the Otherworld“ unters Volk werfen wollen, siehe auch unseren Studioreport vom letzten Jahr. 6 gut gekleidete Herren, teilweise im Röckchen, deuteten schon auf die zu erwartende Stilrichtung hin: Celtic Metal. Da ich noch keinem Konzert der Kollegen beiwohnen konnte, war ich recht überrascht über die Härte des dargebotenen Materials. Zu den harten Riffs gesellten sich die folkloristischen Violinenklänge und der sehr ansprechende Gesang des Herrn Richter im Fellgewand, welches er später ablegte. Der Mann klingt glatt ein wenig nach James Hetfield von METALLICA und hatte auch sonst die Meute gut im Griff. Überaus erstaunlich fiel der enthusiastische Response bereits zu dieser frühen Stunde auf, vielleicht liegt das auch an meinen Erfahrungen mit dem eher drögen ostwestfälischen Publikum. Es wurde mitgeklatscht und gesungen, was bei den eingängigen Weisen nicht allzu schwer fiel. Neben bekannten Stücken der beiden Alben „The First Rite“/ „Circle of Life“ wie „Immrama“ oder „Gayatri“, wurde auch einiges an neuem Material präsentiert. Besonders hervorzuheben hierbei die POGUES Coverversion „Dirty Old Town“, die nun wirklich jeder mitsingen konnte (wird als Vorabsingle im Februar erscheinen). Die Hauptstädter machten ein richtiges Happening aus dem Stück und Ben überzeugte mit seiner Publikumsansprache, der Mann weiß, wie er die Leute im Griff hat. Nachdem sich die Musiker nach einer sehr ansprechenden Spielzeit kollektiv verabschiedet hatten, wurde sogar ausgiebigst eine Zugabe eingefordert, die aber nicht geboten wurde. Stattdessen erklang mit TYPE O NEGATIVE und THE MISSION eine adäquate Pausenbeschallung.

Kurz vor 9 Uhr war es dann Zeit für ein paar ältere Herren aus England, die teilweise eine bewegte Geschichte hinter sich haben. NFD bestehen eigentlich aus Peter „Bob“ White (Gesang/ bisweilen Gitarre, Ex-SENSORIUM), Tony Pettitt und Simon Rippin (Bass & Drums, beide vormals bei den großen FIELDS OF THE NEPHILIM), werden aber live von 2 Gastmusikern an den Gitarren unterstützt. Ich war gespannt, ob man mit klassischem Goth Rock den hohen Stimmungspegel halten könnte und zunächst wurde es etwas ruhiger. Das liegt natürlich am Genre an sich, wo die Musiker nun mal eher cool mit ner Fluppe im Maul herumstehen, anstelle wild herum zu springen, auch gab es nur wenig Publikumsansprache von Herrn White, der ansonsten schon einen sehr imposanten Eindruck machte. Mit roten Dreadlocks und einem ordentlichen Umfang ausgestattet besaß seine Performance einiges an „Gewicht“. Und er singt im typischen Old School-Style, einem Carl McCoy durchaus ebenbürtig. Wie man überhaupt das Gefühl hat, dass hier die rechtmäßigen Erben der FIELDS musizierten (dazu passend die Interpretationen von „Psychonaut“ und „Preacher Man“), denn außer ein paar modernen Einsprengseln, war alles stilecht: Düster, melancholisch, treibend. Und ein wenig psychedelisch, was sich auch an der Spielzeit einiger Songs bemerkbar machte, so erklangen die letzten beiden Stücke – darunter „Break the Silence“ von der gleichnamigen EP – über 9 Minuten lang. Immer wieder wurden die Riffs mit leichten Variationen wiederholt, was zu einer fast hypnotischen Atmosphäre führte. Ich war begeistert und einige der anderen Anwesenden offensichtlich auch, was letztendlich zu einem sehr überzeugenden Gig führte. Keine Ahnung, ob man mit derart Musik heute noch richtig „groß“ werden kann, aber die hier haben das Zeug dazu. Wer Lust hat, kann sie noch bei ein paar Headliner-Gigs in allernächster Zeit antesten, meine Empfehlung gibt’s oben drauf.

Doch nun drängte es alle nach vorne, denn neben der musikalischen Darbietung war ja auch ein optischer Augenschmaus zu erwarten. Zunächst enterten „nur“ ein Drummer sowie Bassist/ Songwriter Lutz Demmler und Gitarrist Freddy die Bühne, die klassische UMBRA-Besetzung, nachdem in letzter Zeit teilweise ein „Gastmensch“ an der Gitarre aushalf. Zu den Klängen vom „Märchenlied“ stürmte dann Mozart auf die Bühne, in altbekannter exzentrischer Aufmachung und mit einem Laserleuchtstab in der Hand. Im Folgenden sollte ein sehr unterhaltsamer Gig seinen Lauf nehmen, mit vielen kleinen Späßen und Überraschungen. Natürlich nicht zu vergessen der erotische Faktor, für den 2 mehr als leicht bekleidete Mädels sorgten. Die eine gut ausgestattet, die andere mager mit eher unscheinbarem Brustansatz. Dafür konnte man bei ihr deutlich Spuren ihrer sexuellen Vorlieben erkennen. An einigen Stellen war sie sie schon mit Kerzen, Nadeln und SM-Schlagwerk behandelt worden, ich denke, es hat ihr gefallen, denn wie Mozart immer wieder betont: Spaß muss es machen! So wurde sie dann auch von ihrer Kollegin aufgehängt, mit Nadeln gepiesackt, und teilweise mit einer Art Wunderkerzen angesengt. Dazu „verging“ sich natürlich der Sänger an ihr. Der hatte aber auch musikalisch einiges auf der Pfanne, so wurde der neue Song „Stalker“ dargeboten, welcher auf der Remix-Scheibe „Motus Animi“ untergebracht wurde. Auf derselben Ende Januar erscheinenden VÖ befinden sich auch Bearbeitungen der beiden Heppner-Kollaborationen, welche dann auch prompt im Set integriert waren: „Lieber Gott“ (im Zugabenteil) und „Hörst du mein Rufen“. Zu meiner Überraschung vertrat Lutz Herrn Heppner stimmlich fast perfekt, der Mann hat zweifelsohne Talent!

Aber auch die altbekannten Tracks ließen die Anwesenden jubeln, außer „Dunkle Energie“ fast ausschließlich Stücke des aktuellen regulären Werks „Memento Mori“ („Ein letztes Mal“, „Sweet Gwendoline“, „Egoimus“). Hier beteiligte sich dann die drallere der beiden Performancekünstlerinnen auch am Gesang. Bei „Schlag mich“ ließ es sich Mozart nicht nehmen, Boxweltmeisterin Regina Halmich zu erwähnen, die für ihr Engagement bei den Gothic Erotikern von der Bild-Zeitung abgestraft wurde. Privat soll man sich allerdings auf allen Ebenen ganz prächtig verstehen… Richtig spaßig aber war der Kommentar zu einem aktuellen Interview im Sonic Seducer. Chris Pohl hat darin seinen Kollegen wohl zum Arsch des Jahres gekürt, weil der sich an 2 seiner Freundinnen vergangen habe. Das veranlasste M. zu einer Persiflage mit einer Federboa und dem Ausspruch: „Als nächstes nimmt sich der Lutz seine Constance vor!“. Ich wäre vor Lachen fast von der Brüstung gefallen. Weitere Highlights: Mozart surft über die Crowd, Mozart nimmt seinen Gitarristen (spielend) Huckepack, Mozart leckt an… na lassen wir das (es gibt ja Bildmaterial). Nachdem die Setlist fürs erste abgearbeitet war, ließ man sich nicht lange bitten und kam mit „Lieber Gott“, der Hymne „Alles schwarz“ und „Mea Culpa“ wieder zurück, das richtige Happening sollte aber noch folgen. Für das große Finale wurden alle beteiligten Musiker des Abends nach oben geholt und die beiden Mädels natürlich auch. So wurde man Zeuge eines großen Aufgebots und gewann die Erkenntnis, dass auf dieser Tour der „Faktor Fun“ eine große Rolle gespielt hat. Ich will gar nicht wissen, wie nachher weitergefeiert wurde… oder doch? Im Kollektiv sang man sich durch FALCOs „Amadeus“, was natürlich einen wunderbaren Abschluss bildete. Es wurde dem Alkohol gefrönt, Verbrüderungen und Verschwesterungen fanden statt und Mozart lobte noch mal seine Vorbands, die ja immerhin teilweise aus den DREADFUL SHADOWS und eben den FIELDS OF THE NEPHILIM hervorgegangen sind. Wer an diesem Sonntag Abend keinen Spaß hatte, muss eine schlechte Kindheit genossen haben, egal, was man sonst so über Mozart denken mag…

Setlist THANATEROS
Intro
Tir Na n’Og
Immrama
I’m changing
Gayatri
Bas agus Gra (Reel)
Calling Llyr
No Rest
Dirty Old Town

Setlist UMBRA ET IMAGO
Intro
Märchenlied
Dunkle Energie
Sweet Gwendoline
Egoismus
Schlag mich
Hörst du mein Rufen
Sagt Nein
Memento Mori
Stalker
Money
Ein letztes Mal

Lieber Gott
Alles schwarz
Mea Culpa

Amadeus

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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