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UMBRA ET IMAGO – THE PUSSYBATS – ALLY THE FIDDLE

Ort: Hamburg - Knust

Datum: 08.09.2010

Geist ist Geil Tour 2010…

Vorweg sei gesagt: Nur wenige Besucher fanden den Weg ins Knust. War die letzte Veröffentlichung für die Fans zu lange her oder der Konzertbeginn für das durchweg ältere Publikum zu spät?

Der Abend begann dennoch interessant mit dem Überraschungssupport ALLY THE FIDDLE aus Rostock. Mit wehenden Haaren wirbelte Ally mit ihrer Geige über die Bühne und verfing sich in der Gitarre von Robert Klawonn. Der kurze Gig endete mit dem Song „Catharsis“ von dem Album „Red Unicorn“. Die Folk-Metal Mischung, umgesetzt mit Geige, E-Gitarren, Bass und Drums erntete Zuspruch vom Publikum.Ein Großteil der Effektgeräte für Gitarren und Bass verschwand mit der Band, dennoch war die Bühne mit Unmengen an Schnickschnack zugestellt. Dazu gehörten: ein Ventilator, Mikros an denen Tücher und Schädel hingen, eine Skulptur und rote Banner flankierten die Bühne. Über all dem Chaos schwebte die UMBRA ET IMAGO-Flagge.

Wie sich herausstellte, gehörte ein Teil des Krempels zu der Supportband THE PUSSYBATS, die mit ihrem Outfit noch einen draufsetzte. So erinnerte der Bassist Marple 8 an Keith Richards und bei Sid von Sin kam einen der optische Vergleich zu Stefan Olsdal von PLACEBO in den Sinn. Musikalisch hatte man häufig das Gefühl, alles irgendwann einmal schon gehört zu haben und damit beziehe ich mich nicht auf den Coversong „Your Woman“ von WHITE TOWN. Auch der Beginn des Songs „Back to the Darkness“ erinnerte an längst Gehörtes. Dafür beherrschten sie ihre Instrumente und haben musikalisch sauber abgeliefert. Es sind wahrlich sympathische Rampensäue, die auf die Bühne gehören. Unbeirrt versuchte Sid die trägen Hamburger zum Mitsingen, Tanzen oder wenigstens zum Springen zu ermuntern. Selbst zu Umbra et Imago Sprechchören ließen sich die Fans nicht hinreißen. Bezeichnenderweise findet man auf der Bandseite das folgende Statement: „Thank you hamburg! Knust rocked, although Again NOONE knew the name of the headlining act. Or our name. Or anything…“

Die Bühne wurde vom PUSSYBATS Gerümpel geleert und zurück blieben ein Buchständer, ein Ventilator, eine Skulptur, Schwarzlicht, ein Handgranaten-Mikro und natürlich die oben erwähnte Flagge. Es folgte mit Sicherheit eines der längsten Intros überhaupt und so hatten die Hamburger genug Zeit, sich endlich in die ersten Reihen zu begeben. Mit „Liebeslied“ legten die Karlsruher los, wobei sich Madeleine Le Roy in ihrem hautengen Kostüm lasziv am Mikro räkelte. Die Bühnenshow beschränkte sich auf diverse Kostümwechsel, die immer hauteng waren. So auch der Pulli, den Mozart von einem russischen Fan im Tausch mit seiner Krawatte, erhalten hatte. Es wurde mit dem Russen und dem restlichen Publikum Bierselig angestoßen und weiter ging die Show mit „Alles Schwarz“. Hier schaffte es Mozart, das Hamburger Publikum freiwillig und aus tiefstem Herzen zum Mitsingen zu bewegen. Auch „Mea culpa“ wurde von den Fans, unter Mithilfe von Marple 8 und einem Jägermeister, entsprechend lautstark begleitet. Angespornt davon schulterte sich Mozart Sascha, der unbeirrt davon sein Solo fortsetzte. Über den gesamten Abend hielt sich Sascha auf der rechten Seite unter seinem Hut bedeckt und links von Mozart steuerte Lutz u.a. die Growls zu diversen Songs bei. Zu „Memento Mori“ lüftete dann Mozart seine Lockenpracht und dank der Evolution ist auch mit weniger Haaren das Headbangen noch möglich. Wie war das noch mit Genetik und Sarrazin? Aber auch weichere, anschmiegsamere Töne erklangen an diesem Abend mit dem Lied „Ohne Dich“. Nicht nur Mozart und Madeleine Le Roy waren in diesem Moment einander zugeneigt, auch im Publikum demonstrierten die Pärchen Einigkeit. Im vollen Kontrast dazu standen „Depressionen“ und die äußerst gelungene erste Zugabe „Sonntagsandacht“, bei der Mozart in einer Kutte gehüllt vor einem mannsgroßem Kreuz den Song ins Publikum predigte. Die meisten Songs an diesem Abend stammten vom neuen Album „Opus Magnus“ und nicht nur musikalisch, sondern auch in Bezug auf die Präsentation fand ein Wandel statt. So verzichtete die Band auf SM- Showgirls und beschränkte sich auf die Outfitwechsel und den Schwarzlichteffekt. Erst zu der ersten Zugabe wurde, wie bereits erwähnt, wurde in die Inszenierungskiste gegriffen.

Das Handgranaten-Mikro war bezeichnend für den Abend, denn Mozart nahm kein Blatt vor dem Mund und es gab scharfzüngige Anmoderationen, die weit entfernt von dem üblichen Einheitsbrei waren. Die angesprochenen Themen reichten von Genetik, über sein Russlanderlebnis, über die Verwendung eines Tanzholzes bis zu der Gebrauchsanweisung, wie man mit nur zwei Saiten Gitarre spielen könne. Außerdem gab es durchschlagende Rauchrezepte und ein Plädoyer fürs Rauchen, welches mit Sicherheit eine große Zustimmung von Sascha erhielt, da dieser häufig mit Zigarette zu sehen war. Durch die Ansagen und die Interaktion Mozarts mit dem Publikum gab es an diesem Abend mehr zu lachen und man wurde besser unterhalten als bei manch einer Unterhaltungsshow im Fernsehen. Mit der ersten Zugabe verließen die ersten Besucher das Knust und auch ich werde nie erfahren, ob die letzten drei Zugaben nun wirklich gespielt wurden. 2011, bei der Jubiläumstour, werde ich aber bis zum Ende durchhalten. Bestimmt.

Setlist UMBRA ET IMAGO (ohne Gewähr)
Intro
Liebeslied
Perfect Baby
Lieber Gott
Gebet Nr.1
Milch
Kokainsong
Märchenlied
Memento Mori
Ignoranz
Ode an die Musik
Alles schwarz
Depressionen
Mea Culpa
Ohne Dich

Sonntagsandacht
Is this love
Rock me Amadeus
Wanderers Nachtlied

Copyright Fotos: Sandra Dürkop

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