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UNHEILIG – DIARY OF DREAMS – ZEROMANCER

Ort: Bielefeld - Ringlokschuppen

Datum: 07.05.2010

An Tag zwei in Bielefeld stand für UNHEILIG das ursprünglich anberaumte und demzufolge ausverkaufte Konzert im Ringlokschuppen an. Obwohl der Terrorverlag inzwischen schon zweimal ausführlich berichtet hat, waren wir in neuer Besetzung und im trüben Regenwetter dem Ruf des Grafen auch heute gefolgt. Dem „fiesen Freitag“ im Anschluss an die Konzertveranstaltung war der frühe Einlass geschuldet, der uns eine längere Wartezeit erspart hat. Und obwohl unser kleiner Trupp dadurch schon um 19:20 Uhr die heiligen Hallen betrat, hatten wir den Beginn des Openers ZEROMANCER grad verpasst.

Während unser Fotograf sich also noch schnell in Richtung Fotograben davonstahl, konnten wir uns mühelos durch den bislang allenfalls halbvollen Raum in aussichtsreiche Position nach vorne begeben. Das muntere Treiben auf der Bühne war in vollem Gange und ein eigenes großes Backdrop der Nordlichter sowie die stimmungsvolle Lightshow zeugten davon, dass die Vorbands bei UNHEILIG trotz des Erfolges weiter gute Bedingungen vorfinden. Natürlich war die Setlist der Synth-Rocker auch heute wieder von erstklassigen Stücken wie „Doppelganger, I Love You“, „Clone Your Lover“ oder „Need You Like A Drug“ geprägt. Kim Ljung, der Mann am Tieftöner, unterstützte den agilen Frontmann Alex hin und wieder beim Gesang und war auch an einer überraschend martialischen Trommeleinlage beteiligt, bevor „It Sounds Like Love (But It Looks Like Sex)” und “Doctor Online“ den unterhaltsamen Auftritt schon wieder beendeten.

Nach diesem etwa halbstündigen Intermezzo aus Norwegen standen nun also die Edel Goth Electro Rocker von DIARY OF DREAMS auf dem Programm. Heute wieder mit Ophelia Dax (JESUS ON EXTASY) an den Tasten, ihren Vorgänger Torben Wendt hatten wir ja noch vor genau einer Woche beim DIORAMA Konzert in Hannover in Augenschein genommen. Dazu als Neuzugang am Bass ein gewisser Flex, dessen Bielefelder Herkunft natürlich für ordentlich Jubel im Auditorium sorgte. Schlagzeuger D.N.S hingegen überraschte mit ordentlichem Bartwuchs. Weniger überraschend die musikalische Klasse der Accession-Truppe, die ihre acht Songs mit viel Stil und Pathos präsentierte, allen voran selbstredend der langmähnige Adrian Hates am Mikro. Für ungeübte Ohren dürfte der DOD Sound etwas weniger eingängig als der des Openers gewesen sein, doch spätestens die letzten 3 Stücke („Traumtänzer“, das mitreissende „The Curse“ sowie „Kindrom“) rissen die Allermeisten aus der möglicherweise noch vorhandenen Lethargie. Das Feld war bestellt, das unheilige Schiff konnte auslaufen…

Setlist DIARY OF DREAMS
The Wedding
The Plague
She And Her Darkness
King of Nowhere
Requiem 4.21
Traumtänzer
The Curse
Kindrom

Hätte man unseren “Blaublüter” noch vor 12 Monaten danach gefragt, was er in Bezug auf UNHEILIG 2010 für Erwartungen hat, er hätte wohl nicht ansatzweise vorhersehen können, was da alles auf ihn hereinbrechen wird! Es sind ja schließlich nicht nur die diversen Wochen auf Platz 1 der deutschen Albumcharts mit inzwischen mehr als 200.000 verkauften „Grossen Freiheit(en)“, sondern eher die teils gewöhnungsbedürftigen und skurrilen Randerscheinungen wie ein „Headliner“ Auftritt bei „The Dome 53“ (und demnächst auch bei Ausgabe 54), eine Viva Comet Nominierung, Besuche bei TV Total und im KiKa oder eine Einladung zur MTV Campus Invasion, die die schwarzen Grundfeste unter Umständen erschüttern. Sogar für eine 8.000 € Frage bei „Wer wird Millionär“ mussten UNHEILIG schon herhalten. Der Graf in aller Munde – mal sehen wie lange das gut geht und die Spannung beim Mainstream Publikum derart bestehen bleibt.

Aber zurück nach Bielefeld, wo UNHEILIG bereits im Oktober 2004 zu Gast waren, und zwar rein zufällig im Rahmen unseres allerersten Terrorverlag Festivals! Nach Beendigung der Schlager-Umbaupause und dem Videoscreen-untermalten Intro lief und sprang der Graf mit Elan auf den mitten in das Publikum führenden Bühnensteg und schwang sich gleich gewohnt theatralisch zum großen Dirigenten auf. Auf jedem Schiff das dampft und segelt, gibt´s eben einen, der die Sache regelt. Jeder im Publikum mit einer dunkel-romantischen Ader ließ sich davon gerne leiten und die Masse war mehr als bereit, den „Gute Laune Gothic“ abzufeiern. Der Handlungsstrang der „Grosse(n) Freiheit“, die dabei mit 10 Stücken in der Setlist auch reichlich vertreten war, wurde auf der Leinwand durch kurze Einspieler in den Songpausen immer weiter vorangetrieben, während sich der Graf in vorderster Position agil wie eh und je zeigte. Bei „Abwärts“ wurde der Spieß dann mal umgedreht und getreu der Textzeile „Abwärts bis zum letzten Mann“ sollte das gesamte Publikum in die Hocke gehen und auf Kommando in die Luft springen. Zur Abwechslung begab sich unser glatzköpfiger Anzugträger danach zu „Halt mich“ auf das überdimensionale rote Schiffsbug, welches im Hintergrund aus dem Bühnenbild hervorragte, und intonierte von dort aus. Natürlich wurden auch einige ältere Songs bedacht, nach „An deiner Seite“ konnte `El Conde´ sogar „Standing Ovations“ einheimsen und ging zum Dank auf seine Knie. Da fiel es natürlich schwer, „leise zu sein“, also gut, dass genau das Gegenteil für „Freiheit“ verlangt wurde, bei dem die Zuschauer aus vollen Kehlen in den Gesang mit einstimmten. Die Pause nach dem Titelstück des aktuellen Albums nutzte der Graf, um sich ausgiebig zu bedanken, wobei mir die Kommunikation mit den Fans allerdings in der Tendenz insgesamt doch ein wenig zu schematisch ablief. Lieber schnell weitergemacht mit dem Singalong-tauglichen „Kleine Puppe“, ehe der älteste Titel des Abends („Maschine“) sowie die neue Single „Für immer“ den regulären Teil beendeten. Im Zugabenblock folgten natürlich noch unter anderem das von vielen vermutlich herbeigesehnte „Geboren um zu leben“ sowie als opulenter Ausklang wieder einmal „Mein Stern“.

Erst jetzt durfte der Graf seinen Koffer wieder einpacken und weiterreisen in die ferne Welt, wo UNHEILIG ihre Zeit in Bielefeld sicher in guter Erinnerung halten werden…

Setlist UNHEILIG
Das Meer
Seenot
Schenk mir ein Wunder
Unter deiner Flagge
Feuerengel
Abwärts
Halt mich
An deiner Seite
Freiheit
Astronaut
Große Freiheit
Kleine Puppe
Unter Feuer
Maschine
Für immer

Lampenfieber
Geboren um zu leben
Mein Stern

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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