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UNHEILIG – DOWN BELOW – F.A.Q.

Ort: Osnabrück - Hyde Park

Datum: 14.03.2008

Der Graf auf dem Höhepunkt seiner Macht! Nicht nur, dass sein neuestes Opus „Puppenspiel“ auf einem erstaunlichen 13ten Platz in die Media Control Charts einstieg, auch die zugehörige Tour verläuft überaus erfolgreich. Hamburg meldet im Vorfeld „ausverkauft“, ebenso war es zum Tourauftakt in Köln mit 1.400 Zuschauern zum bersten voll. Da nahmen sich die gut 800 Besucher im Osnabrücker Hyde Park einen Tag später fast ein wenig bescheiden aus, dennoch natürlich ein äußerst würdiger Rahmen für einen „UNHEILigen“ Gastauftritt. Eingeläutet wurde der Abend allerdings von den Schweizern F.A.Q., die man in der niedersächsischen „Metropole“ noch als Anheizer für APOPTYGMA BERZERK in guter Erinnerung hatte.

So zwängten sich alsbald 3 gutaussehende junge Herren auf die vollbepackte Bühne, um eine halbe Stunde lang ihren Electro Rock zu präsentieren, wobei die synthetischen Klänge doch im Vordergrund standen. Pille links an der Gitarre und im Frack, Thierry Pache von den PREDOMINANT LUNATICS (2te Gitarre und Keys rechts) sowie natürlich Frontturner Philip Noirjean hinter dem Mikro, respektive später auch an zusätzlichen Saiteninstrumenten. Der optisch in Richtung Brian Molko/ Stephan Groth tendierende Herr mit dem Hang, sich immer mehr zu entblättern, versuchte die Masse in Feierlaune zu bringen, konnte aber nicht mehr als einen Achtungserfolg erzielen. Zu synthetisch möglicherweise der Sound für den „gemeinen“ UNHEILIG-Supporter, dennoch natürlich kompetent dargeboten nach einer kurzen Einspielzeit. Zumindest ein paar Mädels in den ersten Reihen hatten ihren Spaß an den Stücken, die überwiegend vom 5ten Longplayer „Whitechapel“ stammten (etwa „Ten Bells“ oder „Leather Apron“), der noch 2008 erscheinen wird. Inhaltlich geht es offensichtlich mal wieder um Jack the Ripper, der im titelgebenden Londoner District vor genau 120 Jahren sein Unwesen trieb. Mit dem hymnischen „One Trip One Noise“ endete dann eine durchaus unterhaltsame Vorstellung.
TK

Setlist F.A.Q.
Ten Bells
Leather Apron
Sunday Afternoon
The World is cold enough
We come in Pieces
?
One Trip One Noise

Mit den nun folgenden DOWN BELOW aus Dessau stand schon ein größeres Kaliber auf dem Programm, immerhin wurde man ja beim diesjährigen Bundesvision Song Contest mit dem ersten deutschsprachigen Lied („Sand in meiner Hand“) der Bandgeschichte respektabler Dritter. Dementsprechend steigerte sich das Interesse im Auditorium merklich, man schien auch einen eigenen kleinen Fanclub dabei zu haben. Convex, Carter, Mr. Mahony und Live Keyboarder Henning (der also allabendlich Doppelschichten fuhr) bereiteten die Bühne für den großen Auftritt von Sänger/ Frauenschwarm Neo Scope, der mit dem Titelstück des aktuellen Albums „Sinfony 23“ ins Set einstieg. Mit den beiden nun folgenden Auskopplungen „From the highest Point“/ „Private Soul Security“ zog man die Schraube weiter an und es war schnell erkennbar, dass der Sänger im Gegensatz zum Raab Abenteuer seine Stimme im Griff hatte. Der poppige Goth Rock ist zwar in meinen Augen ein wenig austauschbar, doch der Erfolg gibt den Ostdeutschen recht, die ihr Debüt bei Rabazco („Silent Wings: Eternity“) geflissentlich ignorieren. Nach einigen weiteren Sinfony-Titeln plus natürlich dem „sandigen“ Erfolgssong bildete „Farewell“ nicht nur namentlich einen optimalen Abschluss des ca. 45-minütigen Sets. Mal sehen, wohin der Erfolgs-Weg die ehrgeizigen Jungs noch trägt…
TK

Setlist DOWN BELOW
Sinfony 23
From the highest Point
Private Soul Security
Kill Your Ego
Down Below
Sand in meiner Hand
Runaway
On my Way
Dark Queen
?
Farewell

Kurz vor 22:00 Uhr wurde das Publikum dann im Sinne einer Theateransage dazu aufgerufen, seine Plätze vor der stilecht mit einem halbrunden Puppentheater-Vorhang dekorierten Bühne einzunehmen. Der Graf, der sich schon während F.A.Q. am Merchandise-Stand wie gewohnt äußerst fannah gezeigt hatte, sowie seine beiden langjährigen Weggefährten Licky & Henning waren also soweit und starteten gleich mal mit den ersten drei Tracks des aktuellen Albums (einschließlich Intro). Die Fans nahmen auch die neuen Stücke dankbar auf und sorgten von Beginn an für gute Stimmung. Da kommt selbst ein Graf schnell ins Schwitzen und so verabschiedete er sich noch vor „Astronaut“ von seinem Sakko und präsentierte sich anschließend obenrum nur noch mit weißem Hemd und schwarzer Krawatte bekleidet, das Hemd dabei für ihn aber eher untypisch und fast nachlässig über der Hose. Ist ja auch viel bequemer, wenn man so schweißtreibend die Auftritte mit viel Bewegung, Gestik und Mimik lebt wie er, sei es bei weiteren neuen Stücken wie „Feuerengel“ und dem ziemlich RAMMSTEIN-mäßigen „Lampenfieber“ oder Klassikern wie „Sieh in mein Gesicht“.

Über einen Steg konnte der Graf mitten ins Publikum eintauchen und seinen Fans dadurch quasi „so nah wie nie zuvor“ sein. Von dort aus war es sicher auch ein netter Anblick, wie jeder einzelne im Auditorium bei der künftigen Radiosingle „An deiner Seite“ bewaffnet mit roten Leuchtstäbchen, die die Wunderkerzen der letzten Tour ablösten, für zusätzliche Atmosphäre sorgte. Gleichermaßen konnte auch der Mitsing-Part in „Kleine Puppe“ aus vollen Kehlen für Stimmung sorgen. Vor dem das 85-minütige reguläre Set abschließenden „Maschine“ betonte der Graf dann noch einmal, wie sehr er sich über die gute Resonanz freut, zumal man ihn vor Osnabrück und seinem zurückhaltenden Publikum gewarnt habe. Diese Aussagen seien nun aber definitiv hinfällig. So war es klar, dass nach nur kurzer Pause mehrere Zugaben anstanden, darunter mit „Freiheit“ und „Sage ja“ erfreulicherweise auch einige unverzichtbare ältere Songs, bevor „Mein Stern“ dann den erwarteten Schlusspunkt unter unterhaltsame 1:50 h setzte. Allerdings sei angemerkt, dass uns 12 neue Stücke im Verhältnis zu nur sieben älteren doch etwas zuviel erschienen. Da wäre es für ein absolut denkwürdiges Konzert sicher vorteilhafter gewesen, z.B. den „Spielzeugmann“ (Bonustrack auf „Puppenspiel“) oder „Der Vorhang fällt“ im Zugabenteil zu kürzen und dafür noch den ein oder anderen Klassiker rauszuhauen.

Ansonsten bekommt man bei einem UNHEILIG-Auftritt aber nach wie vor, was man will und das ist – getreu den Worten eines bekannten Berliner Politikers – auch gut so. Daher werden im Anschluss an das Konzert beim Meet & Greet mit dem Grafen sicher noch viele warme Worte gewechselt worden sein…
gerrit [pk]

Setlist UNHEILIG
Vorhang auf
Puppenspieler
Spiegelbild
Astronaut
Fang mich auf
Ich will alles
Sei mein Licht
Feuerengel
Die Bestie
Lampenfieber
An deiner Seite
Sieh in mein Gesicht
Kleine Puppe
Spielzeugmann
Maschine

Freiheit
Der Vorhang fällt

Sage ja
Mein Stern

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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