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UNHEILIG – EISBRECHER – STAUBKIND

Ort: Köln - Expo XXI

Datum: 20.12.2008

UNHEILIG & FRIENDS

4 Tage vor Weihnachten darf es gerne etwas Besinnliches sein und was könnte die Ohren der Terrorverleger besser umgarnen als ein UNHEILIG Konzert? Zumal wenn der „Graf“ noch ein paar illustre Freunde mitbringt, die uns in der Vergangenheit schon das ein oder andere Mal verwöhnen konnten. Die Rede ist hier natürlich von EISBRECHER und STAUBKIND, ein interessantes Aufgebot also, welches hier unter dem Banner „UNHEILIG and Friends“ firmierte. Ein Markenzeichen, welches im Jahr 2009 mittels Open Air Festivals sogar noch ausgebaut werden soll. Doch zunächst die einigermaßen stressfreie Anreise in die Domstadt: Nachdem das Gelände am Tanzbrunnen nicht genügend Kapazität bot, war man in die uns noch völlig unbekannte Halle namens Expo XXI gewechselt. Und auch diese Location konnte man glatt ausverkaufen, was immerhin fast 4000 zahlende Besucher bedeutete. Schon sehr bemerkenswert, wenn man beispielsweise bedenkt, dass wir vor gut 5 Jahren UNHEILIG noch für ein kleines Terrorfestival gebucht hatten und damals kaum mehr als 200 Anhänger anwesend waren. Der Graf hat es geschafft, daran besteht gar kein Zweifel. Wir allerdings hatten noch eine kleine Parkplatz-Odyssee vor uns, denn die hauseigenen Möglichkeiten reichten bei weitem nicht aus, um den Heerscharen von Besuchern Genüge zu tun. Welche im Übrigen zu einem guten Prozentsatz aus „Normalos“ bestanden, die man gut und gerne auch auf einem BAP-Konzert hätte vermuten können, um jetzt mal räumlich in Köln zu bleiben. In der riesig wirkenden Anlage herrschte bereits reges Treiben, sei es am umfangreich gefüllten Merchstand oder der kleinen Gastronomie-Ecke, die Schmankerl anbot wie eine „Astronaut-Frikadelle“ oder die „Lampenfieber-Käsestange“. Ein Schelm, dem hier das Wörtchen „Kommerz“ in den Sinn kommt. Sogar eigene Trinkbecher waren für den Abend designt worden, die mit 2,00 € Pfand sicher für einen willkommenen Nebenverdienst sorgten. Doch kommen wir zum eigentlichen Sinn der Reise, der Musik. Den Bauchredner hatten wir leider verpasst, doch dafür standen nun die STAUBKINDer um Louis Manke auf der ausladenden Bühne, die auch einen großzügig bemessenen Steg beinhaltete.

Louis hatte sich ordentlich in Schale geworden und wurde zudem von seiner hübschen Freundin im Bühnengraben unterstützt, die den Auftritt für die private Videosammlung konservierte. Musikalisch bot man einen Sound zwischen UNHEILIG und ZERAPHINE, man gab also einen sehr passenden Opener ab, der in den ersten Reihen auch bereits gut abgefeiert wurde. Immer wieder bedankte sich Herr Manke beim „Grafen“ und stilisierte diesen fast schon zu einem Superstar hoch. Da war es kein Wunder, dass erstmals auch das „Schlaflied“ in der speziellen UNHEILIG-Remixvariante präsentiert wurde. Daneben wurden natürlich die beiden regulären Alben bedacht: „Traumfänger“ und das aktuelle „Zu weit“. „Erinnerung“, „Dein Engel schweigt“ oder „Viel mehr“ sind hier zu nennen. Allesamt gefällig, sauber intoniert und unterhaltsam, ohne nun die ganz große Kunst zu zelebrieren. Mit dem wohl bekanntesten Stück „Knie ’nieder“ beschloss man das ca. 45-minütige Set und hatte bereits einen Teil der Anwesenden auf Betriebstemperatur gebracht.
(TK)

Schon mehr Dampf war allerdings bei EISBRECHER dahinter. Gerade erst wurde bekannt, dass die erfolgreiche „Sünder-Tour“ im März eine Fortsetzung finden wird, da muss man sich den Winter über natürlich fit halten. Was könnte es also Besseres geben, als beim Jahresabschlusskonzert unmittelbar vor UNHEILIG die Expo XXI zu rocken. Den überzeugenden Einstieg hierzu markierte „Kann denn Liebe Sünde sein?“, bei dem Alexx sein beliebtes doppeltes Eispickel-Hämmern auf dem in das Publikum führenden Steg zum Besten gab. Anschließend erklärte er, dass es eine Ehre sei, vor den unheiligen Fans zu zeigen, was die Bayern so drauf hätten, um direkt danach diesen mit „Angst“ ein mächtiges Brett vorzusetzen. Auch der sympathische Frontmann förderte den Personenkult rund um den Grafen weiter, indem er um Beachtung seines edlen Zwirns bat (zu dem ihm sein Steuerberater – da nicht ganz günstig – allerdings abgeraten habe) und diesen damit rechtfertigte, dass man schließlich die Bühne mit einem Adligen teile. Wenngleich sich ein Knopf der Weste kurz darauf schon verabschiedete („zu viele Weihnachtsplätzchen“), präsentierten EISBRECHER eine gelungene Mischung aus ihren drei Alben, einschließlich dem hymnischen „Herzdieb“, den Singles „Leider“ und „Vergissmeinnicht“ sowie der schwarzen Witwe. Mit einer kräftigen Wasserfontäne wurde vor „Heilig“ das Ende der zunächst 50 Minuten eingeläutet, um kurz darauf aber für zwei weitere Stücke auf die geräumige Bühne zurückzukehren. Der Gamsbart als Kopfbedeckung (und späteres Geschenk für den Grafen) wies den Weg für „This is Deutsch“, das mich immer ein wenig an „Eins Zwei Polizei“ erinnert, bevor „Das letzte Stück“ aka „Miststück“ für den finalen Rundumschlag sorgte. Als altbekanntes Spielchen trennte sich „Der Checker“ schließlich von seiner verbliebenen Oberbekleidung und konnte so noch einen Extra-Applaus der weiblichen Anhänger einheimsen. Runde Sache also und bis zum nächsten Jahr…
gerrit [pk]

Setlist EISBRECHER
Kann denn Liebe Sünde sein?
Angst
Antikörper
Willkommen im Nichts
Herzdieb
Leider
Vergissmeinnicht
Schwarze Witwe
Heilig
Zeichen der Venus

This is Deutsch
Miststück

Der große Moment, auf den alle hingefiebert hatten, näherte sich nun unaufhaltsam und vorläufig vergessen war die doch etwas grenzwertige kommerzielle Ausschlachtung des Events. Die Bühne war (wie immer) mit großen Kerzenständern ausdekoriert und bot ein ansprechendes Ambiente. „Puppenspieler“ läutete die Feier kurze Zeit später ein und beim Erscheinen des Grafen, der von der Bühne aus einige (Luft-)Küsschen verteilte, brandete frenetischer Jubel auf. Gleich der zweite Song „Hexenjagd“ mit fast schon gerapten Strophen war dem Online-Voting geschuldet, mit dem im Vorfeld die Setlist beeinflusst werden konnte, bevor dann bei „Astronaut“ und „Kleine Puppe“ aus vollen Kehlen inbrünstig mitgesungen wurde. Leider war die Akustik in der Halle nicht optimal, aber die Hingabe des Grafen und seine theatralische Gestik entschädigte dies ein wenig. „Schlaflos“ (wie „Hexenjagd“ von der „Spiegelbild EP“ und quasi jungfräulich, was die Live-Darbietung betrifft) hatte bei der Abstimmung sogar den 2. Platz belegt, obwohl es sich meines Erachtens um eine eher unspektakuläre Nummer handelt. Geschmackssache sind sicherlich auch die in der Folge eingeschobenen Weihnachtslieder „Kling Glöckchen“ sowie „Süsser die Glocken nie klingen“, denn riesige Weihnachtsstimmung wollte in der sterilen Halle nun nicht aufkommen. Überhaupt kam im Nachhinein hinsichtlich der Gesamtumstände Kritik auf und offenbar musste das Konzert aufgrund von diversen Auflagen der Stadt Köln unter erschwerten Bedingungen stattfinden. Gleichermaßen lässt sich aber sagen, dass das Ganze vielleicht auch schon eine Nummer zu groß für UNHEILIG gewesen ist, denn gewisse (unschöne) Begleiterscheinungen durch Einzug haltenden Mainstream lassen sich nie ganz unterbinden. Die Wahrheit liegt vermutlich irgendwo in der Mitte…

Besser klappte es da schon mit dem erhabenen „Auf zum Mond“, ehe „Sei mein Licht“ wieder etwas sentimentaler verlief. Dieses Stück widmete der Graf nämlich seinen Eltern und eine Fangruppe entzündete einige Wunderkerzen. Nach gleich vier weiteren Songs vom „Puppenspieler“ Album war jedoch etwas die Luft raus. Hier hätte es sich sicher angeboten, anstelle von „Fang mich auf „ oder „Spielzeugmann“ noch den ein oder anderen älteren Titel einzubauen, zumal etwa „Tanz mit dem Feuer“ oder „Mein König“ im Voting wesentlich besser abgeschnitten haben. So aber sind viele geile Songs, darunter auch „Sieh in mein Gesicht“, durch das Raster gefallen. Die Rettung nahte dann aber durch den „Schutzengel“, der ebenso wie „Sage Ja“ und „Maschine“ für Abhilfe sorgte. Weiteres Highlight war im Zugabenblock schließlich „Mein Stern“, zu dem unzählige Leuchtstäbe an das Publikum ausgegeben wurden. Im Anschluss haben wir uns dann allerdings auf den Heimweg gemacht, obwohl sich das Publikum noch nicht zufrieden gab. Glücklicherweise hatten wir im gegenüber der Halle liegenden Parkhaus keinen Platz mehr bekommen, so dass uns Verärgerung über unverschämte Parkgebühren und damit ein unerfreulicher Ausklang eines letztlich doch ganz netten Abends erspart blieb. Eine ausführliche Stellungnahme des Grafen zu verschiedenen Mankos findet sich übrigens auf der UNHEILIG Homepage. Und ein Gutes hat es ja, denn so werden die Vorbereitungen zu den Open Air Festivals sicher noch akribischer verlaufen.
gerrit [pk]

Setlist UNHEILIG
Intro
Puppenspieler
Hexenjagd
Astronaut
Kleine Puppe
Feuerengel
Schlaflos
Kling Glöckchen
Süsser die Glocken nie klingen
Auf zum Mond
Sei mein Licht
Glaub an mich
An deiner Seite
Fang mich auf
Spielzeugmann
Schutzengel
Herz aus Eis
Lampenfieber
Sage Ja
Maschine

Vollendung
Freiheit
Mein Stern

Spiegelbild
Leise rieselt der Schnee

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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