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UNHEILIG

Ort: Lingen - Emslandhallen

Datum: 02.01.2011

Jetzt hat der Graf also auch das Emsland fest in seiner Hand… Die Emslandhallen vermeldeten schon seit geraumer Zeit ein „Ausverkauft“ – eigentlich hätte man also mit den rund 5.000 Besuchern rechnen und sich besser vorbereiten können. Bei 1.000 Parkplätzen war ja irgendwie klar, dass es zu Engpässen kommen musste und da wären Ordner schon ziemlich schlau gewesen. So wurde einigermaßen wild auf den vereisten Flächen geparkt, aber das größte Chaos sollte noch kommen: Es ist ja schön und gut, dass UNHEILIG mit ihrer siebten Platte „Große Freiheit“ ganz neue Fanschichten abseits der schwarzen Szene aufgetan haben und ihnen der kommerzielle Erfolg volle Hallen beschert. Ewig lange Schlangen an der Gästeliste, weil die lieben Kleinen, die kostenlos ins Konzert dürfen, erst mit einem Bändchen versorgt werden müssen und Fans, die leider die Gepflogenheiten bei Rockgigs nicht kennen, machten den Abend in Lingen dann allerdings ein wenig anstrengend. Richtig enttäuschend war allerdings der Umstand, dass die angekündigten Synthie-Rocker APOPTYGMA BERZERK krankheitsbedingt nicht mit von der Partie waren.

Das zeigte sich allerdings erst, als in der Umbaupause nach THE BEAUTY OF GEMINA bereits der bekannte Schiffsrumpf und die obligatorischen Kerzenständer in Position gebracht wurden. Trotz pünktlicher Ankunft habe ich leider von den Schweizern THE BEAUTY OF GEMINA leider insgesamt nicht viel mitbekommen. Zum einen spielten Michael Sele & Konsorten bereits, als ich um kurz vor 19.00 Uhr in die große Messehalle kam, zum anderen habe ich dann erhebliche Zeit damit verbracht, mich bis zum Fotograben vorzukämpfen. Letztlich habe ich diesen Versuch abgebrochen, weil das Publikum nicht in der Lage war, mal einen Schritt zur Seite zu gehen. Dabei wäre auf der anderen Seite durchaus noch ne Menge Platz gewesen, wie ich feststellte, als ich mich dorthin durchgeschlagen hatte. Nur verwehrte mir dort die Security trotz Fotopass den Einlass, der war nun einmal am anderen – unerreichbaren Ende. Also gibt es von diesem Konzert keine Fotos und auch nicht viel über den Auftritt von THE BEAUTY OF GEMINA zu berichten. Die vier Herrschaften haben ihre Sache durchaus ordentlich gemacht, so richtig interessiert hat das allerdings niemanden. Der gitarrendominierte Dunkelrock, dem sich die Eidgenossen seit 2006 und auf drei Alben verschrieben haben, war für die Damen mittleren Alters, die ihre beste Freundin, die Kinder und/ oder den Gatten mitgebracht hatten, dann doch wohl zu speziell. Perlen vor die Säue also – vielleicht hatten APOPTYGMA BERZERK darauf auch einfach keinen Bock mehr.

Damit den Muttis beim Change Over nicht langweilig wurde, gab’s um 19.30 Uhr ein kleines Filmchen, in dem der Graf backstage bei THE DOME begleitet wurde, wo er andere Stars (u.a. SIDO, MILOW, JUSTIN BIEBER, TIL SCHWEIGER) um Autogramme für eine UH-Pullover-Auktion für „seinen“ Herzenswünsche e.V. bat. Schließlich war es dann um 19.45 Uhr soweit und zum ersten Mal ertönte das Tuten des unheiligen Dampfers. Noch ließ Bernd Heinrich Graf jedoch auf sich warten und es gab zunächst noch ein wenig Hans Albers und Hildegard Knef auf die Ohren, bevor langsam die dreiköpfige Band und das glatzköpfige UNHEILIG-Aushängeschild die Stage enterten. Zu hören und zu sehen gab es zunächst Material des Platin-Longplayers, das mit der passenden visuellen Untermalung auf zwei Videowalls an den Bühnenseiten daher kam und sicherheitshalber auf diese Weise auch gleich noch den Text mitlieferte. Der wäre möglicherweise beim knackigen „Spiegelbild“ vom 2008er „Puppenspiel“ viel wichtiger gewesen, denn hier ließ die Textsicherheit der Emsländer rapide nach – vor zwei Jahren waren der Graf und UNHEILIG eben noch kein verkommerzialisiertes Marketingprodukt, wobei ich dem Aachener nicht verdenke, dass er die Kohle, die er jetzt verdienen kann, auch mitnimmt. Und das gelingt mit der aktuellen Single-Auskopplung „Winter“, die sich umgehend anschloss und auf der „Winter Edition“ von „Große Freiheit“ erschienen ist, zweifelsohne. Die watteweiche Nummer hat es im Vorweihnachtsgeschäft bis auf Platz 5 der Charts gebracht und sorgte auch in den Emslandhallen für feuchte Augen bei den von Wechseljahrsbeschwerden geplagten Damen im Auditorium, die sogar ein Geburtstagsständchen für den Grafen anstimmten, der 2010 auf zehn Jahre UNHEILIG zurückblicken konnte und sich mit dem zweiten Teil der „Große Freiheit“-Tour immer noch auf Jubiläums-Rundreise befindet. Nach dem winterlichen Kuschel-Overkill ging es dank „Ich gehöre mir“ wieder etwas markanter zur Sache, so dass es dem Herrn im schwarzen Anzug (von Mama gekauft) zu warm wurde und das Sakko in die Ecke flog. Stattdessen wurde der Hauptprotagonist des Abends bei der Intonierung von „Sternbild“ auf dem Steg, der ins Publikum führe, in Nebel getaucht, ehe mit „Astronaut“ „Moderne Zeiten“ anbrachen. Von dieser Langrille aus 2006 stammte der ruhige Vertreter mit Henning Verlage am Piano, ehe bei „Freiheit“ („Zelluloid“ – 2004) wieder laut geschrien werden durfte. Der Track ist einfach ein Klassiker aus guten alten Zeiten und mit dem flotten „Sage ja“ vom UNHEILIG-Debüt „Phosphor“ aus 2001 ging es sogar ganz weit zurück in der Bandgeschichte. Wenig später stand der gute Bernd Heinrich dann im Rumpf seines Bühnenbootes und forderte „Halt mich“ von seinen Fans, um schließlich mit „An deiner Seite“ zum emotionalen Overkill inklusive Kniefall zu kommen. Willig schwenkten wenig später die Anwesenden ihre Arme zur Hamburg-Lobhudelei „Große Freiheit“, um schließlich mit donnernden Beats „Abwärts“ zu rauschen. Auch „Maschine“ („Das zweite Gebot“ – 2003) gefiel mit Stakkato-Sounds, ehe „Für immer“ das reguläre Set druckvoll um 21.15 Uhr beendete.

Drei ganz wesentliche Songs fehlten allerdings noch, weshalb der Graf nebst Potti (Drums), Licky (Gitarre) und Henning (Synths) natürlich noch einmal auf die Bühne zurückkehrte. Den ersten Zugabenblock bestritten die beiden Top-Ten-Nummern „Geboren um zu leben“ und „Unter deiner Flagge“ (mit dem UNHEILIG übrigens auch den Bundesvision Songcontest für NRW gewonnen haben), um schließlich mit dem Klassiker „Mein Stern“ den Abend um 21.30 Uhr zu beschließen. Ich machte mich schon kurz vorher auf den Weg, um vor dem zu erwartenden Abfahrtschaos die Emslandhallen hinter mir zu lassen und tatsächlich kam ich ohne Verzögerungen nach Hause. Eigentlich viel zu früh, denn normalerweise hätten ja noch APOPTYGMA BERZERK auf dem Programm gestanden, die ich wirklich schmerzlich vermisst habe. An die neuen UH-Fans kann ich mich zudem nur schwer gewöhnen und überhaupt hätte der organisatorische Teil des Abends etwas reibungsloser laufen dürfen. UNHEILIG und der Graf haben auf jeden Fall wieder eine professionelle Show abgeliefert, bei der allerdings von Anhängern im schwarzen Outfit nicht viel zu sehen war.

Setlist UNHEILIG
Das Meer
Seenot
Spiegelbild
Winter
Ich gehöre mir
Sternbild
Astronaut
Freiheit
Sage ja
Halt mich
An deiner Seite
Grosse Freiheit
Abwärts
Maschine
Für immer

Geboren um zu leben
Unter deiner Flagge

Mein Stern

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