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UNHEILIG – STAUBKIND – ANDREAS BOURANI

Ort: Köln – RheinEnergie-Stadion

Datum: 21.07.2012

Keine zweite Verlängerung der „Große Freiheit“-Tour, sondern mit dem neunten Studioalbum im Gepäck reist UNHEILIG derzeit durch Deutschland. Schon am Tag zuvor, am 20. Juli, spielten die Herren vor 20.000 Zuschauern in Stuttgart, was für die Band den bisher größten Gig bedeutete. Doch diese Zahl wurde in Köln nochmals übertroffen – an die 40.000 Zuschauer kamen, um den Grafen mit seiner Band zu sehen. Der Begriff ‚Konzert‘ ist an dieser Stelle schon etwas untertrieben. Vielmehr ging die Veranstaltung in Richtung eines kleinen Festivals, auch 2 Vorbands standen auf dem Zeitplan.

Um 18:35 Uhr betrat zunächst mal ein Moderator die Bühne. Nach der Begrüßung ließ er die versammelte Menge einen Countdown herunterzählen, bevor mit STAUBKIND die erste Band des Abends die Bühne betrat. 40 Minuten spielten die Jungs um Herrn Manke – quasi ein Ableger von BLUTENGEL aber mittlerweile sehr emanzipiert – acht Songs aus ihrem Repertoire, das musikalisch in Richtung Goth Pop Rock tendiert und gut zum Hauptact passt. Man kennt sich ja schon lange. Übrigens fand parallel zu diesem Gig ebenfalls in der Domstadt das Amphi Festival 2012 statt, mit ca. 15.000 Besuchern. Früher war der Graf noch Teil dieser Szene, heute kann er auf ein ganz anderes Klientel zugreifen.

Eine Umbaupause folgte, und wieder ließ der Moderator herunterzählen. Nun betrat ANDREAS BOURANI gegen 19:35 Uhr die Stage. Stilistisch im krassen Gegensatz zum Opening Act präsentierte der radioerprobte Herr 7 Titel, darunter das allseits bekannte „Nur in deinem Kopf“. Auch diese Band verließ uns nach 40 Minuten wieder. Spannung lag in der Luft, denn als nächstes sollten selbstredend UNHEILIG kommen.

Um 20:40 ließ der Moderator zum dritten Mal herunterzählen. Doch anstelle der angekündigten Band erklangen zwei Songs aus dem Off: „Singing in the Rain“ und „New York“ von FRANK SINATRA. Danach war der Graf in einem Introfilm zu sehen, wie er in ein Notizbuch schrieb: „Hallo Köln!!“ hieß es zuerst. „Seid ihr da?“ folgte, bevor er zuletzt „Ich kann euch nicht hören!!“ verkündete. Jedes Mal war die Nachricht doppelt unterstrichen. Mit dem „Das Licht“ hob sich der schwarze Vorhang und die Band war zu sehen. Wie schon auf der „Großen Freiheit“-Tour sang der Graf auch dieses Intro aus dem Off. Es folgte mit „Herzwerk“ der erste „richtige“ Song. Als die ersten Takte erklangen, sprintete der Graf rechts aus den Kulissen über die Bühne auf den Catwalk, wo er sich frenetisch begrüßen ließ. Nach diesem Stück wandte er sich zum ersten Mal an diesem Abend an sein Publikum. Danach spielte er mit „Lichter der Stadt“ das titelgebende Lied des aktuellen Albums. Ab dieser Stelle sprintete der Graf immer wieder über die gesamte Fläche der Bühne, von rechts nach links, links nach rechts oder über den Catwalk. Nur in den Verschnaufpausen blieb der Graf ruhig in der Bühnenmitte stehen. Nach den „Lichtern der Stadt“ folgten mit „Unter deiner Flagge“ und „Große Freiheit“ die ersten beiden „älteren“ Stücke. Anschließend kündigte er mit „Auf ewig“ einen Titel an, der komplett neu und zuvor nicht veröffentlich worden war. Nun war es Zeit für Gäste. Für „Unsterblich“ wurden zuerst Sitzwürfel auf die Bühne getragen, auf denen Kinder Platz nahmen. Der Graf hatte sich (mal wieder) etwas ausgedacht. Sowohl auf diesem Konzert als auch auf der gesamten Tour hatte er das „Unheilige Kinderland“ an Bord. An diesem Abend hielten sich nach seinen Angaben 1.500 Kinder dort auf, von denen einige nun auf der Bühne standen (oder besser saßen).

Hatten UNHEILIG bis zu diesem Punkt Songs gespielt, die die Linie des letzten Albums fortsetzten, verkehrte „Nachtschicht“ alles ins Gegenteil. Eine harte Nummer, auf diese nach einem weiteren ruhigen Song „Feuerland“ folgte. Gast Nummer zwei war der bereits bekannte Bourani, mit dem der Graf – wie auf Tonträger – das Duett „Wie wir waren“ sang. Die dritte härtere Nummer des Abends war „Eisenmann“, auf die erneut zwei Songs des aktuellen Albums folgten. Als schließlich „Abwärts“ an die Reihe kam, hatte ich darauf gewartet, dass es eine Turnübung im Stil von „Alle tief in die Hocke“ gibt. Doch diese blieb aus. „Geboren um zu leben“ brachte mit einem Chor die dritte Gastgruppe. Danach hieß es zum ersten Mal: „Das war Unheilig!“

Aber noch war es nicht vorbei. Mit dem Kölner Herrenchor gab es zum vierten Mal Gäste, mit denen man „So wie du warst“ performte. Wieder verließ die Band nach einem weiteren Song die Bühne und wieder wurden sie zurückgerufen. Zu diesem Zeitpunkt war ein weißer Vorhang heruntergelassen worden – übrigens nicht zum ersten Mal. Der Graf betrat alleine die Bühne und fragte: „Wollt ihr noch einen?“ Die Zuschauer wollten natürlich. Der Sänger drehte sich um und tat so, als bemerke er erst jetzt, dass seine Band nicht da war. Er wolle sie suchen gehen. Damit verschwand er hinter dem Vorhang. „Wo sind sie denn?“ und „Alles so dunkel hier!“ rief er danach einige Male, bevor er das ältere „Maschine“ anstimmte. Als auch dieser Song zu Ende ging, blieb der Graf alleine mit seinem Keyboarder Henning zurück. „Stark“ war der allerletzte Titel und nach den Erzählungen des Grafen der erste, den er jemals auf Deutsch geschrieben hätte – und das war vor mehr als 20 Jahren. „Mann, bin ich alt!“ konstatierte der Graf daraufhin.

Danach war definitiv Schluss. Alles in allem hatten UNHEILIG 2,5 Stunden gespielt. Zusammen mit den Vorbands eine Veranstaltung von fast 5 Stunden, die kaum einen der anwesenden Fans enttäuscht haben dürfte! Die Gruftis feiern 2012 eben anderswo…

Setlist UNHEILIG
Das Licht
Herzwerk
Lichter der Stadt
Unter deiner Flagge
Große Freiheit
Auf ewig
Unsterblich
Nachtschicht
Ein großes Leben
Feuerland
Wie wir waren
Ein guter Weg
Eisenmann
Das Leben ist schön
Tage wie Gold
Abwärts
Geboren um zu leben

So wie du warst
Für immer

Maschine
Stark

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